Kommentiert: Billig inszeniert

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Kommentiert: Billig inszeniert

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Kann es sein, dass wir Alice Weidels Fähigkeit, in kürzester Zeit eine Presseerklärung zu formulieren, schlichtweg unterschätzt haben? Kaum hatte die AfD-Spitzenkandidatin das ZDF-Studio aus Protest verlassen, da machte ihr Rundumschlag gegen Moderatorin Marietta Slomka die Runde.

Das war verblüffend schnell, geradezu rekordverdächtig. Wahrscheinlicher ist deshalb wohl diese Variante: Weidel wusste schon vor der Sendung, dass sie gehen würde. Die Mitteilung war längst formuliert. Ihr Abgang aus der Livesendung inszeniert.

Als der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach unlängst nach einem heftigen Disput mit der Aktivistin Jutta Ditfurth die Sendung „Maischberger“ verließ, da war dies am übernächsten Tag – auch in dieser Zeitung – ein Thema. Zwar haben die spontanen Abgänge aus Talkshows, denen das Prädikat Eklat anhaftet, längst an Bedeutung verloren. Und doch haben sie immer noch ein Erregungspotenzial. Gerade in Wahlkampfzeiten ist jedes Mittel recht, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Nur das hatte Weidel im Sinn.

Sie ging aus der Sendung, nachdem CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer den Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke einen Rechtsradikalen genannt hatte. Da ist es doch verwunderlich, dass sich der Unmut Weidels in der anschließenden Pressemitteilung ausschließlich gegen die Moderatorin Slomka und mit keinem Wort gegen den CSU-General richtete. Scheuers Äußerung bot lediglich die willkommene Gelegenheit, zu gehen; es war der Moment, auf den Weidel gewartet hatte.

Aber warum ist Weidel nicht geblieben? Warum hat sie sich der Kritik nicht bis zum Ende gestellt? Sie hatte gar kein Interesse an einer ernsthaften politischen Debatte. Und: Seit wann ist die AfD-Spitze so empfindlich? Das kennt man gar nicht von ihr.

Obwohl sie aus freien Stücken aus dem ZDF-Studio ging, dient Weidels Abgang den Rechtspopulisten als Bestätigung der Opferrolle, in der sich die Spitzenkandidatin und ihre Partei generell sehen. Die verlogene Botschaft: Wieder einmal wurde die AfD ausgegrenzt von den Etablierten und der Nachweis erbracht, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen wie alle anderen sogenannten Mainstream-Medien gegen die Partei verschworen haben.

Und so schloss sich auf wundersame Weise der Kreis: Weidels Pressemitteilung endete (natürlich rein zufällig) mit dem Hinweis, man solle doch die Zahlung des Rundfunkbeitrags verweigern. Das ist keineswegs eine neue Forderung, sondern Bestandteil des AfD-Wahlprogramms.

Fazit: Diese Inszenierung war selbst für AfD-Verhältnisse einfach zu plump und billig.

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