Kommentiert: Bauchgefühl zählt

4578659.jpg

Kommentiert: Bauchgefühl zählt

Ein Kommentar von Sabine Rother

Undurchschaubar. Wer ist das denn nun dieser Pflege-TÜV? Und welche Prüfdienste stellen dort eigentlich Zeugnisse aus?

Tolle Noten – üble Realitäten. Ein Ergebnis, das beunruhigen muss. Das geht gar nicht. Die von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebene Studie zeigt nicht nur deutlich die Irritation der Beratung suchenden Menschen, sondern auch die wackelige Basis dieses TÜVs. Unabhängige Pflegeforschung könnte Kriterien erarbeiten, mit denen sich eine Pflegequalität tatsächlich ermitteln ließe. Aber diese Experten wurden ja bisher nicht gefragt und finanziert. Vielleicht wird das ja irgendwann einmal geschehen. Doch wer heute auf der Suche nach einem guten und passenden Heimplatz ist (und das werden tatsächlich immer mehr), kann darauf nicht warten.

Angehörige haben meist ein ungutes Gefühl dabei, Vater, Mutter, Onkel oder Tante in einem Heim unterzubringen – weil diese vielleicht dement sind und professionelle Betreuung brauchen. Weil sie einfach zu alt und krank sind, um sich noch selbst zu versorgen. Weil man sie nicht mehr zu Hause betreuen kann. Leider kümmern sich nur wenige Menschen beim Älterwerden bereits darum, wo sie diese Phase ihres Lebens einmal verbringen könnten. Selbstbestimmt. Das würde viele Probleme lösen, so manchen Kummer sparen, Gewissensnöte bei den einen und Trauer bei den anderen vermeiden.

Menschen suchen in so einer Situation Hilfe. Und der Name Pflege-TÜV weckt durchaus Vertrauen. Man kann da ruhig mal in die Liste schauen, aber was zählt, sind die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort. Also sollte man sich auf die Reise begeben – zusammen mit dem Menschen, der in diesem Leben nochmals umziehen muss. Mit gesundem Menschenverstand lässt sich so manches feststellen, das Bauchgefühl ist auch noch da. Schön ist es, wenn einem ein Heim im bisherigen Wohnviertel gefällt, Freunde und Nachbarn in der Nähe bleiben. Ein Glücksfall.

Lebensqualität – wenn man sich klarmacht, was die Mutter im aktiven Leben mochte, was Vaters Freude war, dann kann man jetzt versuchen, diese Dinge in die Heimbetreuung einzubeziehen. Man sollte es jedenfalls ansprechen. Altenpflege ist nicht einfach, aber sie muss respektvoll geschehen. Ob das in einer Einrichtung möglich ist, stellt man bereits bei der Begrüßung fest. Die Atmosphäre des Hauses teilt sich mit.

Der Pflege-TÜV – wenn er einmal auf neuen Füßen stehen sollte – ist sicher ein Gewinn, aber deshalb sind wir noch lange nicht hilflos.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert