Kommentiert: Auf dem Abstellgleis

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Kommentiert: Auf dem Abstellgleis

Ein Kommentar von René Benden

In Nordrhein-Westfalen werden Pressekonferenzen des Bundesverkehrsministeriums traditionell mit Argwohn erwartet.

 Das liegt an Erfahrungen vergangener Jahre. Zuverlässig musste sich das bevölkerungsreichste Bundesland mit Trostpflastern abspeisen lassen, wenn es darum ging, Fördergelder für Autobahnen und Bahnstrecken zu verteilen. Doch es geht auch anders: Im neuen Bundesverkehrswegeplan wird NRW angemessen bewertet. So viel zur guten Botschaft des gestrigen Tages.

Es gibt allerdings auch eine schlechte. Vor allem für unsere Region: Der Bau eines dritten Bahngleises zwischen Köln und Aachen ist nicht auf der Förderliste. Das bedeutet im Klartext: Das von nahezu allen politischen und wirtschaftlichen Akteuren in der Region Aachen geforderte zusätzliche Gleis auf der überlasteten Bahnstrecke wird nicht gebaut. Zumindest nicht in den nächsten 15 Jahren. Das könnte sehr unangenehme Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region haben.

Zur Erinnerung: Viele Kommunen zwischen Aachen und Köln stehen vor einem neuen Strukturwandel. Im Jahr 2030 wird mit dem Tagebau Inden der erste der drei großen Tagebaue des rheinischen Reviers die Förderung einstellen. Infolgedessen schließt das Kraftwerk Weisweiler. Für mehrere tausend Arbeitsplätze, die im Energiesektor beheimatet sind, muss eine Alternative geschaffen werden.

Und dabei spielt dieses dritte Bahngleis eine wichtige Rolle. Denn eine plausible Alternative zur Energie ist in den Augen der Politik und der Wirtschaftsverbände die Logistikbranche. Ein Montage- und Verteilzentrum am heutigen Kraftwerksstandort Weisweiler könnte Hunderte Arbeitsplätze schaffen. Vorausgesetzt, dieses Logistikzentrum ist auch per Schiene zeitgemäß angebunden. Und genau da laufen die Pläne nun ins Leere.

Keine Alternativen geprüft?

Ob regionale Politik und Wirtschaft zu lange nur auf das zugegebenermaßen kostspielige dritte Gleis gesetzt haben, ohne ernsthafte Alternativen zu prüfen, kann noch nicht bewertet werden. Denn auch Überholgleise und Fahrplanänderungen könnten die Strecke Aachen-Köln leistungsstärker machen. Allerdings muss der Bund auch von diesen kleinen Lösungen überzeugt werden, damit das Fördergeld fließen kann. Und bislang sind die Pläne, wie sich diese Region nach der Kohle wirtschaftlich aufstellen will, sehr im Ungefähren geblieben. Je konkreter die Pläne, desto wahrscheinlicher wird die finanzielle Unterstützung. Im Laufe der nächsten Monate wird das Land NRW mit dem Bund darüber verhandeln, welche Projekte gefördert werden können. Die Zeit drängt!

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