Kommentiert: Anstand und Hass

10527361.jpg

Kommentiert: Anstand und Hass

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Es gibt sie noch, die positiven Schlagzeilen. Und nicht zu knapp. In dieser Woche wurden sie von Menschen geschrieben, die nicht lange haderten, sondern spontan und vorbehaltlos jenen 300 Flüchtlingen zur Seite standen, die in einem Aachener Gymnasium untergekommen sind.

In Aachen seien die richtigen Menschen am richtigen Platz, hieß es in einer Erklärung der Bezirksregierung Köln, die sich von so viel Hilfsbereitschaft und Engagement aller Beteiligten überwältigt zeigte.

Doch nicht nur in Aachen, sondern in der ganzen Region gibt es ermutigende Taten und Zeichen von Hilfsbereitschaft. Sie belegen: Es existiert eine lebendige und funktionierende Willkommenskultur! Wer anderes behauptet, liegt falsch. Aber das ist eben nur die eine Seite der Medaille.

Einfach mal Meinung machen!

Denn spontan war auch die Reaktion anderer – bedauerlicherweise mit hässlichen Beiträgen in den Sozialen Netzwerken und im Internet. Man kennt das inzwischen, doch es ist immer wieder erschütternd, zu sehen, wie unreflektiert, unverschämt und unverblümt auf jene eingeprügelt wird, die unserer Hilfe bedürfen. Einfach mal Meinung machen! Volle Attacke! Je derber, desto besser! Zunehmend übrigens auch mit vollem Namen oder Bild. Man steht zu seinem unerträglichen Gedankengut.

Um Problembewältigung geht es bei den spontanen und häufig aggressiven Statements nur selten. Am Ende werden nur Ängste geschürt, und wir alle miteinander werden Zeugen einer Enthemmung, von der wir nicht wissen, wie wir sie in den Griff bekommen könnten. Das Internet ist eine gigantische Meinungsmaschine und in dem hier behandelten Kontext eben nur Fluch und kein Segen.

Den Bürgern zuhören

Die gesellschaftliche Stimmung sei momentan aufgeheizt, sagt der Politologe Hans Vorländer. In Linnich konnte man am Donnerstag bei einer Informationsveranstaltung Zeuge dessen werden. Dort sind seit zwei Wochen in der ehemaligen Polizeischule 500 Flüchtlinge untergebracht. Einige davon sollen sich, so die Darstellung etlicher Einwohner, außerhalb der Notunterkunft daneben benommen haben. Von Belästigungen, Trinkgelagen auf dem Friedhof und Ruhestörungen ist da die Rede.

Es versteht sich von selbst, dass man die Bürger mit ihren Beschwerden, Sorgen und Ängsten ernstnehmen und ihnen zuhören muss. Sie müssen sagen dürfen, was sie umtreibt, ohne gleich Gefahr zu laufen, als fremdenfeindlich abgestempelt zu werden. Und von den Flüchtlingen muss man verlangen dürfen, dass sie nach den Regeln leben, die hier für alle gelten. Versachlichung ist das Gebot der Stunde!

Gehen wir mit einem positiven Gedanken ins Wochenende und beziehen uns noch einmal auf den Politologen Vorländer. Es gebe deutlich mehr Empathie in der Zivilgesellschaft zu beobachten. „Es gibt sehr viel tätige Hilfe. Die Bürger zeigen Gesicht.“ Dem wäre nichts hinzuzufügen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert