11366889.jpg

Kommentiert: Alternativlos

Ein Kommentar von Patrick Nowicki

Die Aktionäre reagierten am Dienstag euphorisch: Kaum verkündete RWE-Konzern-Chef Peter Terium die geplante Aufspaltung des Unternehmens, schon legte das Wertpapier über 15 Prozent an der Börse zu.

 Dabei kommt die Entscheidung des wankenden Riesen nicht überraschend. Schon Deutschlands größter Energiekonzern EON wählte vor einem Jahr diesen Weg, um aus der Krise zu gelangen. Allerdings soll der Konzern in seine Einzelteile zerlegt werden, die Braunkohle-Sparte steht zum Verkauf. RWE will alle bisherigen Unternehmen unter einem Hut halten, die profitablen Sparten Netze, Vertrieb und Erneuerbare Energien allerdings in einer neuen Tochter zusammenfassen.

Terium bleibt auch keine andere Möglichkeit mehr, weil RWE zu lange auf Braun- und Steinkohle gesetzt hat. Im vergangenen Jahr lag der Anteil von Ökostrom an der Stromproduktion bei gerade einmal fünf Prozent. Zudem drücken den Konzern über 25 Milliarden Euro Schulden. Viel Geld wurde unter anderem in die Braunkohlekraftwerke Neurath und Niederaußem gesteckt, die zwar nach neuesten Gesichtspunkten geplant und gebaut wurden, allerdings nach dem tiefen Fall des Großhandelsstrompreises kaum noch Gewinn abwerfen. Dass dem Unternehmen auch noch hohe Kosten aus der Rekultivierung von Tagebauen und der Schließung der Atomkraftwerke drohen, schreckt Investoren und Aktionäre gleichermaßen ab.

RWE benötigt schlichtweg Geld und erhofft sich mit der Abspaltung, Finanzgeber anzulocken. Daran krankte vor allem die Ökostrom-Tochter Innogy, die in einer gemeinsamen Netz- und Vertriebssparte Rückenwind erfahren könnte.

Im Rheinischen Revier dürfte man die Entwicklung mit gemischten Gefühlen sehen. Zum einen macht die Konzernspitze damit unmissverständlich deutlich, dass sie entgegen bisheriger Beteuerungen wenig Zukunftsperspektiven für Braunkohlestrom sieht. Zudem wird der Sparkurs nochmal verschärft. Alleine bis 2017 sollen die Kosten um zwei Milliarden Euro gesenkt werden. 1000 Arbeitsplätze sollen in der Braunkohle-Sparte nach dem Gabriel-Kompromiss wegfallen. Bisher war stets davon die Rede, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Ausschließen kann sie allerdings angesichts der turbulenten Zeiten auf dem Strommarkt auch niemand mehr.

Es gibt also wenig Anlass, in den Jubelschrei der Aktionäre einzustimmen. Viele von ihnen sind die Kommunen im Rheinischen Revier, die etwa ein Viertel der Wertpapiere halten. Die RWE-Dividende war bisher eine lukrative Einnahmequelle. Dies ist sie allerdings schon seit Jahren nicht mehr. Zudem liegt der massive Kapitalverlust den Stadtetats schwer auf den Schultern. Am Dienstag stieg die Aktie auf über 12,70 Euro, im Jahr 2007 lag sie noch bei fast 100 Euro.

Stimmt der Aufsichtsrat der Spaltung zu, dann richtet sich der RWE-Konzern für die Zukunft auf Erneuerbare Ernergien aus. Vielleicht kommt dieser Schritt zu spät. Er ist aber auch alternativlos.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert