Kommentiert: Affront aus Rom

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Kommentiert: Affront aus Rom

Ein Kommentar von Peter Pappert

Sieg für Hardliner Woelki, Niederlage für den Reformer Marx. Ja, so sieht es aus. Der Brief aus Rom ist unerfreulich und deprimierend für alle, denen daran liegt, dass die katholische Kirche möglichst nahe bei ihren Gläubigen und deren Alltag bleibt.

Schaut man genauer hin, ist die Sache etwas komplizierter. Wo soll der Unterschied zwischen Einzel- und Ausnahmefällen liegen? Der Kölner Kardinal hat gerade erst auf „persönliche Seelsorge“ und „individuelle Gewissensentscheidung“ verwiesen; die „ungeschriebene Regel“ der Kirche lasse die Kommunion für evangelische Ehepartner in Ausnahmen zu. Die Mehrheit der Bischofskonferenz und Marx als ihr Vorsitzender sprechen von Einzelfällen, in denen sie das ermöglichen wollen. Da entsteht wirklich der Eindruck, Öffnung solle aus Prinzip verhindert werden.

Den Brief der Glaubenskongregation – mit Segen des Papstes – kann Marx nur als Affront werten. Und seine Kontrahenten freuen sich darüber. Der Kardinal aus München wird – als einer der engsten Berater des Papstes – bei seinem nächsten Aufenthalt in Rom mit Franziskus einiges zu besprechen haben.

Der Brief aus Rom reiht sich ein in die offensichtlich endlose Folge vatikanischer Bunker- und Durchhalteparolen, in denen das Aggiornamento des Zweiten Vatikanischen Konzils immer wieder in einer Weise interpretiert wird, die mit Modernisierung und Öffnung zur Welt nichts zu tun hat. So entfernt sich diese Kirche immer weiter von der heutigen Welt.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Vatikan sich gar nicht eingemischt hätte, wären jene Bischöfe unter Führung von Woel- ki nicht in Rom vorstellig geworden. Denn Franziskus überlässt solche pastoralen Fragen – ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils – am liebsten den Ortskirchen, weil er in der Vielfalt seiner Weltkirche nicht auf Teufel komm raus uniform machen möchte, was unterschiedlich ist. In diesem Fall hat er aber konservativen Einwänden stattgegeben. Das liegt auch daran, dass für ihn solche eher typisch europäischen Fragen nicht die Priorität haben, mit der er sich den Armen und Ausgegrenzten in der Welt und dem bedrohten Klima widmet.

Wie geht es jetzt weiter? ZdK-Präsident Sternberg hat zunächst einmal recht: Lasst Euch nicht verunsichern! Bleibt bei Eurer bewährten pastoralen Praxis! Auch wenn es auf immer mehr Menschen verlogen wirkt, wenn ausgerechnet die Kirche tatsächlich anders handelt, als sie hochoffiziell verkündet. Aber mit Rom geht es manchmal nicht anders als auf die rheinische Art: Wir machen das mal so!

 

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