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Kommentiert: Aachener Abschied

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

Seit Wochen diskutiert der kulturinteressierte Teil der Aachener und der regionalen Gesellschaft über den Abgang des Generalmusikdirektors Kazem Abdullah. Der Amerikaner wäre nach Ablauf seines Fünf-Jahres-Vertrages gerne in Aachen geblieben. Doch schon 2015 teilte die Stadtverwaltung dem Dirigenten mit, dass er in Aachen nicht mehr erwünscht sei. Am Donnerstag ist er offiziell verabschiedet worden.

Eine ausführliche Debatte im Stadtrat fand darüber nicht statt, und derselbe Oberbürgermeister, der 2012 im Weißen Saal des Rathauses den Vertrag mit Kazem Abdullah unterzeichnet hatte, hat in der Öffentlichkeit bislang keine Silbe darüber verloren, warum dieser Vertrag nicht verlängert worden ist. Auch die Kulturdezernentin sagt nichts über die Gründe der Trennung. Der Generalintendant, der sich intensiv um Abdullahs Abgang gekümmert hat, äußert sich ebenfalls dazu substanziell nicht.

Dieses Schweigen stellt einem an der urbanen Kultur interessierten und damit dieser Stadt verbundenen Publikum gegenüber eine ziemliche Ignoranz dar – um es zurückhaltend auszudrücken. Es geht hier um ein öffentliches Amt, nicht um eine Sachbearbeiter-Stelle.

Rätselhaft

Eine in ihrem Zustandekommen rätselhaft gebliebene Abstimmung des Orchesters gegen seinen Chef bleibt nach Wochen öffentlicher Diskussion im Ungewissen, wo es geboten wäre, die Fakten für die Ablehnung transparent zu machen. Aber auch hier schweigt man sich aus.

Dass es eine massive Dissonanz zwischen dem Theaterintendanten und dem GMD gibt, weiß in Aachen jeder, der es wissen will. Auch das kennt man in anderen Städten und ist nichts Besonderes. Dass sich der Vorgesetzte Abdullah manches im Orchester nicht bieten ließ, ist bekannt und im Übrigen normal. Dass der Amerikaner nicht wie ein Konferenz-Dolmetscher oder versierter Oberkellner fließend Deutsch spricht, dürfte eine Metropole wie Aachen, die sich häufig und gerne „weltoffen“ nennt (wie Bürgermeisterin Margrethe Schmeer beim Abschiedsempfang am Donnerstag wörtlich), kaum erschüttern.

Nicht gut genug

Fest steht: Der – auch am Donnerstag wieder – hochgelobte Dirigent ist für das weltoffene Aachen nicht gut genug. Von den Entscheidern, die das so beschlossen haben, würde man nun gerne wissen, welche schwerwiegenden Fehler Abdullah begangen hat, Fehler, die den ehemaligen Assistenzdirigenten von James Levine an der New Yorker MET in Aachen derart zur Inkompetenz degradieren, dass man ihn aus dem Amt entfernt.

Einige Tage nach unserer Berichterstattung und darauf folgenden Leserbriefen entschied sich die Stadtverwaltung, auf einem formlosen Blatt Papier, einem billigen Zettel, zu einem Empfang im Orchesterprobenraum einzuladen und Kazem Abdullah dort offiziell zu verabschieden: Der „Empfang“ fand am Donnerstag im Treppenhaus-Foyer vor dem Probenraum des Orchesters statt.

Ist der Weiße Saal wegen Renovierung geschlossen?

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