Kommentiert: 1:1 für Merkel

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Kommentiert: 1:1 für Merkel

Ein Kommentar von Thomas Thelen

Die Ausgangssituation vor dem Fernsehduell war klar: SPD-Herausforderer Martin Schulz (SPD) würde nur ein Kantersieg helfen, um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor den entscheidenden Wochen des Bundestagswahlkampfes doch noch in Bedrängnis zu bringen.

Selbst ein knapper Erfolg würde dem SPD-Vorsitzenden nicht genügen. Und ein Unentschieden, das nichts anderes wäre, als ein Sieg für Merkel, schon gar nicht. Schulz würde auf bedingungslose Offensive setzen müssen, um gegen Merkel, Meisterin der Verteidigung, zu punkten.

Wie aber will man gegen Angela Merkel, die nicht nur eine gewiefte Taktikerin ist, sondern über reichlich Erfahrung in diesem TV-Format verfügt, gewinnen? Indem man sie zu Fehlern zwingt. Indem man sie aus der Defensive lockt, sie aus ihrer Komfortzone holt. Doch das ist leicht gesagt. Und Schulz ist das zwar ansatzweise, aber letztlich nicht gut genug gelungen.

Obwohl der SPD-Chef gleich zu Beginn des Duells der Hoffnung Ausdruck verlieh, die 95 Minuten mögen kontrovers und alles andere als Schlafwagen werden, war es wie immer: Merkel spielte nicht mit, stand hinten drin und gab sich keine Blöße. Ernsthaft in Bedrängnis kam sie nicht. Was auch daran lag, dass die Kanzlerin an der einen oder anderen Stelle – etwa beim Thema Türkei – damit kontern konnte, stets in enger Absprache mit ihren SPD-Kabinettsministern zu stehen. Da war das TV-Studio vom Geist der Großen Koalition erfüllt. Da sah Schulz nicht gut aus.

Hin und wieder blitzte beim SPD-Vorsitzenden die Abteilung Attacke auf, etwa als er gleich die erste Gelegenheit nutzte und Merkel beim Thema Flüchtlingspolitik auf Problempartner Horst Seehofer ansprach. Doch Merkel ging gar nicht darauf ein.

Merkel gegen Schulz: Am Ende war es ein Duell auf Augenhöhe, ein Unentschieden nach 95 Minuten. Dass Schulz ausgerechnet beim Schlusswort patzte, das zu auswendig gelernt und zu konstruiert wirkte und zudem noch länger als 60 Sekunden dauerte, war wohl mehr als ein Schönheitsfehler.

Im Kampf um die Unentschlossenen war das TV-Duell für den gut aufgelegten Herausforderer, der nicht zu aggressiv war, wie manch einer aus den eigenen Reihen im Vorfeld befürchtet hatte, möglicherweise aber zu wenig. Für die gewohnt souveräne Amtsinhaberin jedoch allemal genug.

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