Glossiert: Von der Veränderung, der ständigen

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Glossiert: Von der Veränderung, der ständigen

Ein Kommentar von Marc Heckert

Alles fließt, sagt der alte Grieche – und drückt seufzend auf den Update-Button der App, die ihn gerade aufgefordert hat, den Update-Button zu drücken. Software-Updates sind im 21. Jahrhundert das, was in religiöseren Zeitaltern die Beichte war: Keiner mag sie, aber jeder macht sie, denn sonst drohen Heulen und Zähneklappern.

Das war nicht immer so. Welch wohligen Schauder die Update-Begehren einst auslösten, damals, um 2007 herum, als Smartphones noch neu und aufregend waren! Welche innovativen Funktionen mochte das E-Mail-Programm in seiner neuesten Inkarnation bieten? Oh mein Gott, das Navi kann jetzt sprechen!

Uns allen war klar: Wer aktualisiert, der lebt, der beweist Aufgeschlossenheit, Flexibilität und Jugend im Geiste. Updato ergo sum.

Verdammt lang her. Längst ist die Euphorie abgeschliffen. Vor ein paar Tagen schlüpfte der Google-Kalender in ein neues Design – na und? Auch der Firefox, der seit Jahren – wie vielen eigentlich schon? – der Lieblingsbrowser des Autors dieser Zeilen ist, hat sich gerade ein neues Layout übergeworfen. Und sein Benutzer dachte nur: Sieht aus wie der Internet Explorer 6 von 2001 (die Älteren werden sich erinnern).

Hach je. Da belächelt man sein Leben lang Leute, die jede digitale Neuerung erst einmal als Bedrohung, Belastung oder sonstwie Benegativerung verstehen („Ein Handy? Dann wär ich ja ständig erreichbar!“), und dann ertappt man sich selbst dabei, dass das 6274. Update des Adobe-Flash-Players nicht mehr die rechte Freude auszulösen vermag.

Plötzlich sind sie da, die Herbstgedanken. Alles fließt, nichts hat mehr Halt. Was gestern hip war, geht heute hops. Veränderung, die früher so erwünscht war, nervt nur noch. Warum das neue „High Sierra“-Update des Macbook-Betriebssystems? Was war denn an der alten Version so schlecht, eh?

Fast tröstlich scheint es diesem Autor, dass einzig sein Handy sich dem kollektiven Zwang zu steter Häutung verweigert. Ein koreanischer Fels in der Brandung des allgegenwärtigen Vergehens und Sterbens. Es hat einfach irgendwann aufgehört, sich upzudaten – ach so, der Hersteller hat den Support für das Betriebssystem eingestellt.

Vielleicht wäre es doch Zeit für ein neues Modell? Bah, geht mir weg damit! Am Ende hat es noch irgendwelche neuen und aufregenden Funktionen. Wir sind doch nicht mehr im Jahr 2007.

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