Glossiert: Vom Hallux Valgus und neuer Sehnsucht nach alter Werbung

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Glossiert: Vom Hallux Valgus und neuer Sehnsucht nach alter Werbung

Ein Kommentar von Marc Heckert

Halluwas? Wenn Ihnen das Fremdwort da oben etwas sagt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie eine Frau sind. Wenn nicht, haben Sie etwas mit dem Verfasser dieser Zeilen gemeinsam – jedenfalls mit dessen erst kürzlich beendeter, seliger Unkenntnis des medizinischen Fachausdrucks für den Schiefstand der großen Zehe, oft verursacht durch Stöckelschuhe.

Bitte folgen Sie mir nun in die wunderbare Werbewelt des 21. Jahrhunderts.

Sie kennen das doch: Da kaufen Sie einmal eine elektrische Zahnbürste bei einem Onlinehändler und noch Monate danach strecken sich Ihnen auf jeder zweiten Webseite, auf die es Sie weht, rotierende Bürstenköpfe entgegen. Hach, wie munter und unverkrampft sich die Facebooks und Googles dieser Welt doch über die Kaufvorlieben ihrer Kundschaften austauschen! Von wegen, in unserer Gesellschaft würde zu wenig kommuniziert!

Fast könnte man glauben, die Werbetechnik sei allwissend. Doch von wegen. Ein Beispiel? Da suchte dieser Autor, begeisterter Sammler von altem Fotogedöns, auf abendlichem Sofa bei Ebay nach dem historischen Kameraobjektiv „Travelon“ – und bekam tags drauf auf dem Redaktions-PC in Facebook (es war rein beruflich) (wirklich!) Werbung für Handtaschen angezeigt. Die Wortmarke Travelon ist nämlich mittlerweile ins Textil- und Ledergewerbe durchgereicht worden. Kollegen, die zufällig einen Blick auf seinen Monitor warfen, kräuselten amüsierte Augenbrauen.

Seitdem plagt ihn die Angst, irgendein Anbieter von Gummi- und Latexartikeln aus dem zwischenmenschlichen Bereich könnte den Namen des in den 70er-Jahren beliebten Fernobjektivs „Tele-Tessar“ zu etwas Neuem, Fürchterlichen wiedererwecken.

Fürchterlich, das bringt uns zurück zum Hallux Valgus. Im November wurde mir erstmals Werbung für Heilmittel dagegen angezeigt. Seitdem vermehrte sie sich epidemiehaft. War wohl doch nicht so schlau, irgendwann mal draufzuklicken, um zu erfahren, was dieses ein Halludings überhaupt ist. Das hat die Werbung angespornt. Mittlerweile habe ich auf fast jeder größeren Webseite Halluxinationen.

So also wird man dank pseudo-schlauer Werbung zum Schiefzeh-Opfer, ohne je Stilettos von innen gesehen zu haben. Und was ich nie gedacht hätte: Ich sehne mich wieder nach der guten, altmodischen, dummen Massenwerbung per E-Mail. Gegen Impotenz und Inkontinenz, Psychose, Pest und Prostata. Ich will meinen Spam zurück! Spam! Gebt mir Spam!

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