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Glossiert: Strafe muss sein

Ein Kommentar von Amien Idries

Stellen Sie sich vor, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ist sauer auf Dirk Elbers, CDU-Oberbürgermeister von Düsseldorf, weil der sie nicht bei ihrem Wahlkampf unterstützt.

Sie ist so sauer, dass sie einfach ein paar Spuren auf der Josef-Kardinal-Frings-Brücke von Neuss nach Düsseldorf sperren lässt. Und zwar tagelang. Geht nicht, sagen Sie? Geht doch. Zumindest in den USA, die ihrer Zeit wieder einmal weit voraus sind.

Mitarbeiter von Chris Christie, republikanischer Gouverneur von New Jersey, haben das auf der George-Washington-Brücke gemacht, um Mark Sokolich, den demokratischen Bürgermeister von Fort Lee zu erziehen. Während allzu sensible Gemüter wegen „Bridgegate“ vom Verfall der demokratischen Sitten faseln, dürften politische Strategen glänzende Augen bekommen. Christies Schachzug eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der politischen Auseinandersetzung.

Irgendwelche renitenten Dorfbürgermeister proben den Aufstand gegen die NRW-Landesregierung, etwa indem sie gegen den Kommunal-Soli klagen? Vor allem im Winter kein Problem. Dann streut der Landesbetrieb die umgebenden Bundes- und Landstraßen halt nicht mehr ganz so aufmerksam wie in anderen Teilen des Landes. Werden schon sehen, was sie davon haben.

Seehofer hat mal wieder Ärger mit Merkel? Kein Problem. Ein Anruf bei Spezi und Verkehrsminister Dobrindt und vor der Einfahrt des Bundeskanzleramts wird flugs eine Mautstelle eingerichtet.

Merkel hat mal wieder Ärger mit Seehofer? Kein Problem. Ein Anruf beim Ex-Spezi Pofalla und die Bahn Richtung München hat Verspätung. Aber so richtig. Nicht diese paar Stündchen, die jetzt eh schon jeder einkalkuliert.

Effizient und unterhaltsam also, der neue Politkampf à la Christie. Bleibt nur die Frage, warum Politiker diese Sanktionen nur bei renitenten Konkurrenten und nicht auch beim renitenten Wahlvolk anwenden sollten?

Wie wäre es zum Beispiel, einen Hauptstadtflughafen einfach nicht fertig zu bauen, um allzu undankbaren Bürgern zu zeigen, wie es sich so ohne repräsentativen Airport lebt? Oder auf der Autobahn kurz nach dem Schließen der einen Baustelle ein paar Kilometer weiter eine neue aufzumachen, um den ÖPNV-Muffeln zu zeigen, dass sie ganz ohne Autobahn aber so richtig aufgeschmissen wären. Oder den Parkraum einfach künstlich zu verknappen, um nicht nur eine Lektion zu erteilen, sondern auch noch Geld in die Kasse zu bringen.

Wie sagen Sie, das gibt's doch alles schon? Sehn Se.

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