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Glossiert: Schulz statt Scholz

Ein Kommentar von Peter Pappert

Warum hat Parteichef Gabriel den Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz wieder aufs Kanzlerkandidatenkarussell gezogen?

Was weiß Hannelore Kraft wirklich, die sagt, sie wisse alles? Warum haben sich Martin Schulz und Frank-Walter Steinmeier nachts in einem Kino in Würselen getroffen? Viele Fragen – keine Antworten.

Lange warten, dann entscheiden und schließlich das Ergebnis verkünden – schön eins nach dem anderen: So langweilig, wie Kanzlerin Merkel es macht, kann das jeder. Die SPD geht bei ihren Personalentscheidungen klüger vor: Sie entscheidet schon, noch während sie darauf wartet, dass sie entscheidet, und gibt es nicht bekannt. Das mag konfus wirken; tatsächlich ist es eine ganz ausgebuffte Strategie, hinter der ein fein austariertes Personalkonzept steht.

Ausgangspunkt ist jene grandiose Idee, auf die Präsidiumsmitglied Jupp Ollenbebel den SPD-Bundesvorstand gebracht hat: Der kleine Scholz muss auf jeden Fall Parteivorsitzender werden, weil bei Pressekonferenzen in der Berliner SPD-Zentrale die Willy-Brandt-Statue dann viel größer wirkt, als wenn Gabriel oder Schulz dort am Mikrofon stehen.

Schulz wird im Zuge der hansestädtischen Haushaltssanierung Bürgermeister von Hamburg, denn die Senatsverwaltung braucht in diesem Fall auf dem offiziellen Briefpapier der Stadt nur oben am o ein bisschen wegzukratzen, und schon steht da Schulz.

Gabriel geht in diesem großartigen Revirement als Ministerpräsident nach NRW, weil er auch endlich mal so viel wissen will wie Kraft. Die möchte Außenministerin werden, denn sie mag nach eigenem Eingeständnis Berlin und die Bundespolitik nicht; und als Nachfolgerin von Steinmeier wäre sie ja ständig im Flieger, jedenfalls meist viel weiter weg von der Preußenhauptstadt als derzeit.

Öffentlich bekannt ist bislang nur, dass Steinmeier Bundespräsident wird – eben nicht! Das ist gerade das Raffinierte an dieser feinen Taktik. Bundespräsidentin wird Andrea Nahles, weil die Amtsinhaber im Bellevue immer so nahe an der Rente sind; und da kennt sie sich ja aus. Aber Steinmeier!? Der soll als Nachfolger von Schulz Präsident des Europaparlaments werden. Er ist da allerdings nicht Mitglied. Und genau an dieser Stelle hakt das SPD-Personalkonzept noch ein wenig . . .

Aber wer wird nun Kanzlerkandidat? Das ist ja der Witz und bleibt geheim. Wenn alle unbedingt wissen wollen, wer Kanzlerkandidat wird, die Sozialdemokraten es bis zur Bundestagswahl aber nicht sagen, wählt natürlich fast jeder SPD, weil man es sonst nie erfahren würde. So erringt die alte Volkspartei mindestens die absolute Mehrheit, und ihr Kandidat wird Kanzler. Die hohe Schule der Machtpolitik – beneidenswert!

Ach so: Das mit Steinmeier, Schulz und dem Kino war natürlich eine Ente. Hatte man sich gleich gedacht.

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