14715711.jpg Kommentarbild Marc Heckert

Glossiert: Aus die Maus. Vom Nachlass im Netz.

Ein Kommentar von Marc Heckert

Sprechen wir einmal über das, worüber niemand gerne spricht: Das Ende. Den Tod. Den finalen Sleep-Modus. Das letzte Herunterfahren, ohne Neustart.

Mal Hand auf die Maus: Haben Sie sich schon ernsthaft mit dem Gedanken an Ihren digitalen Nachlass befasst? Was wird aus dem virtuellen Leben, wenn das reale zu Ende ist?

Kein angenehmer Gedanke. Wie lange mag es dauern, bis die Mailbox mit Schnäppchen-Newslettern überläuft? Werden wohlmeinende Hinterbliebene das Facebook-Profil in den „Eingefroren“-Modus schalten lassen? Fragt irgendwann ein Twitter-Follower nach, warum das Gezwitscher so plötzlich verstummte? Merkt jemand, dass es keine Radikaldiät war, die auf Instagram den Fotostrom der Hauptmahlzeiten zum Versiegen brachte?

Was passiert mit den einst so hoffnungsvoll angelegten Präsenzen in den Karriere-Netzwerken Xing und LinkedIn? Wer trägt dort die neue Tätigkeitsbeschreibung ein: „Zum Staub werden, aus dem er gekommen“?

Und der Online-Schreiberling grübelt: Was wird aus dem Blog? Jemand sollte einen Abschiedsbeitrag schreiben, damit die Leser Bescheid wissen! Am besten jemand, der den Autoren kannte und mochte – also er selbst. Speichert man den eigenen Nachruf schon mal für alle Fälle als Entwurf ab? Oder ist solche Vorsorge schon das erste Anzeichen für einen Sprung in der eigenen Festplatte?

Wenn der Nutzer nicht mehr nutzt, stehen auch für die Nachwelt viele Fragen an: Was muss noch geregelt werden – und wie tief will man überhaupt in die Geschäfte des lieben Verblichenen eindringen? Hat man zum Smartphone auch den Code geerbt: Spürt man dann dem Tun und Lassen des Besitzers nach?

Beendet man letzte Ebay-Transaktionen, storniert Abos von Netflix und Spotify? Liest Gespräche in Messengern und WhatsApp? Stößt vielleicht auf zarte Bande, geknüpft über Kontaktbörsen und Dating-Apps, von Tinder bis Finya, von Lovoo bis Gayromeo? Wie viel Nähe ist zu viel? Kann man digitales Erbe auch ausschlagen?

Tröstlich bleibt: Wenn wir dereinst selbst dran sind, kann uns das alles egal sein. Und wer Buddhist ist, glaubt ohnehin an den großen „Reset“-Button.

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