Freizeittipps
14570730.jpg

Das Internet nicht dem Hass überlassen

Ein Kommentar von Nina Leßenich

Die Themenliste der „re:publica“ hat eine Wirklichkeit aufgezeigt, die viele schon gespürt haben: Das Kommuniksationsklima in der digitalen Welt ist unbehaglich geworden, „Hate Speech“ und „Fake News“ waren folglich die vorherrschenden Themen auf Deutschlands größtem digitalen Klassentreffen in Berlin.

Dabei ging es den rund 1000 Rednern in insgesamt 500 Stunden Programm aber nicht darum, den Status quo zu bemängeln. Vielmehr ging es wohl um eine Art Gegenbewegung zum aktuellen Negativtrend in der digitalen Kommunikation. Umso passender das diesjährige Motto der Digitalkonferenz: „Love Out Loud“ – „Liebe laut“.

In Zeiten von Hasskommentaren, Cybermobbing und Trollen haben die Macher ein Programm aufgestellt, das tatsächlich Mut macht – zu einem freundlicheren Miteinander und vor allem auch zum Mitgestalten. „Wir dürfen das Internet nicht den Arschlöchern überlassen“, forderte etwa „re:publica“-Gründerin Tanja Häusler gleich zur Eröffnung der Konferenz.

Auch Szene-Papst Sascha Lobo hatte anlässlich seiner Keynote ein für ihn ungewohntes Experiment gewagt: Reden mit vermeintlich Rechtsradikalen. Seine Erkenntnis: Nicht jeder als rechts empfundene Nutzer ist wirklich rechts – manche seien einfach „Wütende“, „Trolle und Ärsche“ oder aber „Ängstliche mit den falschen Freunden.“ Ausgeruhte Gespräche auf Augenhöhe könnten helfen, diese Unterschiede zu begreifen – und so noch mehr Aggression im Netz zu vermeiden.

Obwohl die „re:publica“ eine digitale Netzkonferenz ist, war der Schwerpunkt in diesem Jahr also ein erstaunlich menschlicher: Diskurs. Und damit haben die Macher den aktuellen Zeitgeist gut getroffen.

Was im Netz passiert, macht bisweilen Angst und verunsichert besonders „Otto-Normalnutzer“, die nur privat in der digitalen Welt unterwegs sind. Dem oft vorherrschenden Hass im Netz mit Liebe zu begegnen, wie das Motto der „re:publica“ propagiert, mag zwar ein Anfang sein. Die Konferenz kann jedoch nur einen Anstoß geben – langfristig muss die Problematik auch abseits der Szene einen Weg in das gesellschaftliche Bewusstsein finden.

Die Realität ist aber: Die Digitalisierung ist gerade in Deutschland noch längst nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die meisten Antworten auf diese Problematik kommen bislang aus dem Silicon Valley, in Deutschland fremdelt besonders die Politik noch immer mit der Digitalisierung der Gesellschaft. Das zeigte sich in dieser Woche auch in Berlin: Dort gefehlt hat ausgerechnet Internetminister Heiko Maas. Ein fragwürdiges Signal.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert