Zwischenfall kurz vor dem geplanten Produktionsstopp

Von: Jürgen Lange
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Aufwändiger Einsatz für die Feuerwehr: Eine umfassende Wasserversorgung aus der Vicht in die Bleihütte wurde aufgebaut. Foto: (eis)

Stolberg. Am Mittwoch wird der QSL-Reaktor in der Berzelius Bleihütte Binsfeldhammer soweit abgekühlt sein, dass Ingenieure und Techniker dem Schaden vor Ort im Ofen auf den Grund gehen können. „Dann können wir auch analysieren, was sich genau ereignet hat”, erklärt Geschäftsführer Dr. Urban Meurer am Tag nach dem Zwischenfall, der auf das Innere des Reaktors begrenzt werden konnte.

Bei routinemäßigen Kontrollen war am Montag ein Glühfleck in der Reaktorhaut aufgefallen, der auf eine punktuelle Überhitzung hinwies. Mit knapp 100 Einsatzkräften aus sieben Löschgruppen unterstützte ab 17.40 Uhr die Feuerwehr die Werksmitarbeiter erfolgreich beim Kühlen des Reaktors. „Das hat alles hervorragend funktioniert”, würdigt Dr. Meurer die „sehr gute Zusammenarbeit” mit der Wehr, die sich ebenso zufrieden mit dem Zusammenspiel von Einsatzkräften und dem Team der Bleihütte zeigt, betont Stadtbrandinspektor Toni Sturz. „Für uns war das ein aufwändiger Einsatz” und ein selten erlebtes Gefühl „einmal viel Wasser zu brauchen, obwohl es nicht brennt”.

Denn mit bis zu 2000 Liter pro Minute wurde die Reaktorwand gekühlt. Dazu baute die Wehr eine Wasserversorgung aus der Vicht auf und sorgte mit Pumpen ebenso für den Abfluss, damit die Wassermengen das werkseigene Rückhaltesystem nicht überforderten. Bis 22 Uhr - zwischenzeitlich beköstigt durch die eigene Verpflegungsgruppe mit Gulaschsuppe, Toast und Getränken - stand das Gros der Kräfte im Einsatz, anschließend blieb eine 15-köpfige Crew zum Bedienen von Pumpen und Strahlrohren bis 4 Uhr am Morgen. „Jetzt ist Aufräumen angesagt”, verweist Sturz auf die Vielzahl von Schläuchen, Pumpen und Atemschutzgeräten, die eingesetzt worden waren. „Bewährt hat sich bei diesem Einsatz unserer Wärmebildkamera für punktgenaue Temperaturmessungen an der Außenhaut des Reaktors”, bilanziert Sturz.

Die Bilanz von Bleihütten-Geschäftsführer Dr. Meurer ist derweil ein wenig getrübt. Zwei bis drei Wochen wird nach ersten Einschätzungen die Produktion still stehen. Mindestens eine Woche dürfte die Reparatur des Ofens, der im vorderen Oxydationsteil betroffen ist, nach ersten Einschätzungen dauern. Zwei bis drei Tage dauert allein wieder das Anheizen auf die Betriebstemperatur von 1200 Grad Celsius.

„Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt konnte sich der Zwischenfall kaum ereignen”, bedauert Dr. Meurer. Denn für August geplant ist eigentlich ein regulärer Stillstand des QSL-Reaktors, der nur alle drei bis vier Jahre zur kompletten Generalüberholung mit Austausch des feuerresistenten Mauerwerks eingelegt wird. Diesmal ist er mit einem Produktionsstopp von sechs Wochen und einem Investitionspaket von rund zehn Millionen Euro verbunden, mit dem die Bleihütte die Effizienz ihrer Anlagen weiter steigern möchte. Vorgesehen sind Verbesserungen an der Schwefelsäureanlage und die Optimierung von Nebenaggregaten. „Eine Generalüberholung und Investitionen solchen Umfangs sind generalstabsmäßig auf die Minute getaktet”, erklärt Meurer. Es ist kaum wahrscheinlich, dass angesichts des aktuellen Reaktorstillstands Investitionen vorgezogen werden könnten, die den für August geplanten Produktionsstopp verkürzen könnten. Weitergehende Erkenntnisse verspricht sich die Bleihütte, wenn heute der QSL-Reaktor am Binsfeldhammer von innen inspiziert werden kann.
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