Zwischen Sorgen und Chancen: Firmen zeigen Interesse an Camp Astrid

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
8612080.jpg
Ein Filetstück im Camp, das Hoffnungen weckt: Für diese 43.000 Quadratmeter besteht die Möglichkeit eines direkten Bahnanschlusses. Foto: J. Lange

Stolberg. So steht es mit Stolberg: Sie war quasi eine Bestandsaufnahme der Lage von Arbeitsmarkt und Gewerbe, die konstituierende Sitzung des neuen Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Arbeitsmarktpolitik.

Mit 3166 Menschen und einer Quote von 10,8 Prozent ist Stolberg Spitzenreiter der Arbeitslosigkeit in der Region, informierten Astrid Brockmann und Heike Götting von der Arbeitsagentur. Etwa die Hälfte sind Frauen, rund 90 in einem jugendlichen Alter. Weitere Entlassungswellen aus den Industriebetrieben werden nicht mehr erwartet. „Wir gehen davon aus, dass sie in Stolberg bereits vollzogen sind“, so Brockmann.

Dem stehen 245 freie Stellen vor allem im verarbeitenden Gewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialbereich gegenüber, die durch Stolberger kaum besetzt werden können, weil die Arbeitslosen nicht den gesuchten Qualifikationen entsprechen.

Die Prognose für 2015 ist ein Zugang von freien Stellen im Sozialwesen sowie im Bereich Erziehung. „Wir haben uns auf dem Weg gemacht, dafür zu akquirieren“, sagte Götting. Die Arbeitsagentur würde auch gerne Stolberger für Berufe mit Zukunft qualifizieren.

„Uns stehen unterschiedliche Programme, ein ausreichendes Budget und ein großes Interesse der Arbeitgeber zur Verfügung“, betonte Brockmann, dass es nur an einer ausreichenden Bereitschaft zur Teilnahme unter den Arbeitslosen fehle. So ist das Ziel, 120 Menschen beruflich einzugliedern, mit 57 Teilnehmern bei weitem nicht erreicht. Angesichts ihrer Erfahrungen geht die Arbeitsagentur davon aus, dass von den 3166 Arbeitslosen aufgrund ihrer individuellen Voraussetzungen maximal zehn Prozent wieder in Arbeit vermittelt werden könnten.

Hürde ist die Finanzierung

Stolberg verfügt mit dem Gewerbegebiet Camp Astrid und dem Dienstleistungszentrum über die Möglichkeit, dem Arbeitsmarkt Impulse zu geben. Camp-Geschäftsführer Detlef Werry führte noch einmal die Schwierigkeiten der Konversion des ehemaligen belgischen Militärlagers ab 1995 in ein Gewerbegebiet vor Augen, das ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Eschweiler war – bis der damalige Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes (immer ein Gegner des Projektes) die Inde­stadt vor die Wahl einer Aldi-Ansiedlung oder des Camps stellte.

Eschweiler entschied sich für das Verteilzentrum (und blockiert seitdem den direkteren Weg via zur Autobahn). „Der fehlende Anschluss an die Autobahn ist sicherlich ein Manko für die Vermarktung“, konstatierte der Wirtschaftsförderer. Potenzial verspricht dagegen der Bahnanschluss, der mit den 43.000 Quadratmetern Gewerbefläche möglich wird, die erst in diesem Jahr fertig erschlossen werden konnten, nachdem die Stadt sie nach langem Tauziehen von der DB übernehmen konnte.

Problematischer als der fehlende Anschluss an die Autobahn würde sich für eine Ansiedlung der avisierten kleinen und mittleren Unternehmen die hohen Hürden bei der Finanzierung im Rahmen der Bankenregulierung. „An diesem Punkt sind bisher die meisten Ansiedlungswünsche gescheitert“, so Werry. Mit 35 Euro/m2 liege das Camp im unteren Bereich. Von 223.000 Quadratmetern sind 27.000 Quadratmeter an 13 Unternehmen mit rund 70 Beschäftigten verkauft; weitere 64.000 Quadratmeter werden als Solarpark genutzt. Konkrete Gespräche werden mit zehn Unternehmen mit rund 70 Mitarbeitern für eine Fläche von insgesamt 23.000 Quadratmetern geführt. Mit Abschlüssen kann in ein bis zwei Jahren gerechnet werden.

DLZ als Durchlauferhitzer

„Das Dienstleistungszentrum ist wie eine Spinne im Netz“,sagte Geschäftsführerin Birgit Baucke. „Wir ziehen an den Fäden für die Firmen“. Kontakte untereinander und zu Hochschulen werden vermittelt, von dort werden Existenzgründer akquiriert und beraten bis hin zu Businessplänen nebst Fördermöglichkeiten.

Seit seiner Inbetriebnahme 1996 hat das DLZ quasi als Durchlauferhitzer – Firmen dürfen bis zu sechs Jahre die ab 3,10 Euro/m2 mietbaren Flächen nutzen – zahlreiche Gründer und Unternehmen nach Stolberg holen und halten sowie Arbeitsplätze schaffen können:

Quality Automation, Krott Elektronik, HSKP, Galvotec und Espri sind nur einige von ihnen. Aktuell sind die Werkstatt- (301 Quadratmeter) und Shopflächen (300 Quadratmeter) komplett sowie 1346 von 2580 Quadratmetern Büroflächen vermietet. Der Auslastungsgrad mit 29 Firmen und rund 130 Beschäftigten liegt bei 61,3 Prozent.

Ein volles Haus verzeichnete die Wirtschaftsförderin 2007 bis 2009: „Die Konjunktur war schlecht, viele suchten ihre Chance in einer Existenzgründung“, erklärt Baucke. „Heute grasen die Arbeitgeber die Hochschulen ab, um Fachkräfte rekrutieren zu können“. Verstärkt werde das Zentrum seine Potenziale wieder bewerben, so bei der Nacht der Museen am Samstag, 1. November, bei der zwei DLZ-Mieter App-Entwicklungen sowie Film und Fotografie präsentieren werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert