Stolberger kritisieren verkaufsoffenen Sonntag an Heiligabend

Zwischen Kommerz und Kundenwunsch an Heiligabend

Von: Laura Laermann
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Unter anderem der Nahkauf in Büsbach wird seine Pforten öffnen. Allerdings wird dort nur die Geschäftsführung arbeiten, Mitarbeiter bleiben verschont. Foto: Laura Laermann

Stolberg. Besser hätten die Weihnachtstage nicht liegen können. Dieser Meinung sind einige Stolberger und freuen sich über den nahtlosen Übergang vom Wochenende zu den Feiertagen. Für manch einen bedeutet es vier freie Tage nacheinander, für andere sind es nur drei, und dann gibt es noch diejenigen, bei denen der Wecker am 24. Dezember wie jeden Morgen klingeln wird.

Denn nicht alle profitieren davon, dass der 24. in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt. Eine Ausnahme im Ladenschlussgesetz besagt, dass alle Geschäfte, „die überwiegend Lebens- und Genussmittel“ anbieten, öffnen dürfen. Dies gilt vor allem für Bäckereien, Metzgereien und Supermärkte.

„Das macht mich wütend“, sagt Brigitte Grawe. Sie hat schon viel über dieses Thema nachgedacht. „Man kann alles rechtzeitig organisieren. Es ist nicht nötig, sonntags einkaufen zu gehen.“ Mit dieser Meinung ist die 57-jährige Stolbergerin nicht allein – im Gegenteil: Aus einer Befragung in der Stolberger Innenstadt ergibt sich ein deutliches Bild: Der Großteil der Stolberger hält generell nichts von verkaufsoffenen Sonntagen, erst recht nicht an Heiligabend. „Es ärgert mich für das Personal, denen die Weihnachtsstimmung damit kaputt gemacht wird“, sagt Grawe.

Das sieht Dania Hecht genauso: „Wenigstens am Sonntag sollte man Ruhe haben.“ Die 23-Jährige, die selbst in einem Brillengeschäft tätig ist, muss zwar am 24. nicht ran, hat aber auch schon des Öfteren sonntags gearbeitet. „Vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr reichen völlig aus. An Heiligabend auch noch zu öffnen, ist nicht notwendig. Wir arbeiten alle schon genug.“

Metzgereien geschlossen

Diese Ansicht vertritt auch die Mehrheit der Stolberger Geschäftsleute. Viele der Läden, die am Sonntag öffnen dürften, werden geschlossen bleiben. „In der Vorweihnachtszeit sind die Arbeitstage schon lang genug. Wir sind alle froh, wenn wir zur Ruhe kommen“, sagt Metzger Norbert Scholl. In Stolbergs Fleischereien ist gerade Hochbetrieb; alle haben sich dagegen entschieden, den Ladenbetrieb zu öffnen. Nur Menüs auf Bestellung können Kunden in der ein oder anderen Metzgerei am Sonntag noch abholen.

Auch die meisten Supermarktketten verzichten darauf zu öffnen. Die Discounter Lidl, Aldi, Netto und Penny haben bundesweit geschlossen. Gleiches gilt für Kaufland. Auch Rewe und Edeka werden ihre Filialmärkte nicht öffnen, dies zählt aber nicht für Geschäfte, die von selbstständigen Kaufleuten geführt werden. In diesen Fällen darf jeder Geschäftsführer selbst bestimmen.

Norbert Schwarzer vom Edeka in Donnerberg hat sich bewusst dagegen entschieden: „Ausnahmsweise haben die Mitarbeiter nun mal ein langes Wochenende. Der Sonntag würde das kaputt machen.“ So wie viele andere glaubt er nicht, dass sich drei bis vier Stunden Öffnungszeit lohnen würden.

Ob das wirklich so ist, will das dreiköpfige Team der Geschäftsführung des Nahkaufs in Büsbach, herausfinden. Der Laden wird am Sonntag von 10 bis 13 Uhr öffnen – allerdings ohne Angestellte. „Es haben zwar Mitarbeiter angeboten, zu arbeiten, aber wir haben uns ganzheitlich dagegen entschieden“, erklärt Geschäftsführerin Sabrina Saabe. „Wir hatten noch nie sonntags geöffnet und wollen nun testen, wie die Resonanz der Kunden ausfällt.“

Auch Rewe in Breinig und Mausbach werden von 10 bis 14 Uhr öffnen. Geschäftsführer Georg Goffart betont, dass seine Mitarbeiter frei entscheiden konnten, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Auf Angestellte mit Familie werde besondere Rücksicht genommen.

Diese Freiwilligkeit der Mitarbeiter sieht die Gewerkschaft Verdi kritisch. „Wenn der Chef sagt ‚Es wäre schön, wenn Sie am Sonntag arbeiten könnten‘ fühlen sich viele Beschäftigte schon unter Druck gestellt“, erklärt Nils Böhlke, Verdi Handel NRW. Auch die Zuschläge würden viele Mitarbeiter dazu veranlassen, sich doch für die Arbeit am Sonntag zu entscheiden. „Es gibt Einzelhändler, die diese Abhängigkeit ausnutzen.“

Für diesen Sonntag ist Verdi aber positiv gestimmt. Die Gewerkschaft begrüßt, dass die allgemeine Fahrtrichtung aller großen Supermärkte gegen die Sonntagsöffnung am 24. Dezember läuft.

Doch diejenigen die dennoch öffnen, haben eben auch ihre Gründe: „Der Online-Handel nimmt im Lebensmittelbereich drastisch zu“, sagt Goffart. „Wir müssen mit allen Waffen kämpfen, die zur Verfügung stehen. Und unsere ureigenste ist, selbst Handel zu betreiben.“ Und damit ist er bislang gut gefahren. Das Angebot würde von den Kunden stark angenommen. Es gebe zwar Kunden, die es nicht für nötig halten, aber auch diejenigen, die dafür dankbar seien.

Das sehen auch einige Stolberger so: „Grundsätzlich finde ich es nicht schlecht. Ich persönlich brauche es nicht unbedingt, aber wenn man etwas vergessen hat, nutzt man das Angebot vielleicht doch“, sagt Monika Vendel aus Stolberg. Auch Karin Hammer ist positiv gestimmt: „Für Berufstätige, die auch samstags arbeiten müssen, kann es sehr hilfreich sein, sonntags einkaufen zu können.“

Aber sie stellt eine Bedingung: „Die Mitarbeiter sollten die Sonntagsarbeit gut bezahlt bekommen. Das muss schon fair geregelt sein, so dass niemand darunter leidet.“ Außerdem sollte die Öffnung am Sonntag nur für Lebensmittelgeschäfte gelten, sagt Hammer, andere Dinge könne man auch nach den Weihnachtstagen einkaufen.

Kontrollen möglich

So besagt es auch das Gesetz: „Das übrige Warenangebot darf nicht angeboten werden und sollte entfernt werden oder abgedeckt sein“, heißt es darin. Damit dies eingehalten wird, behält sich das Stolberger Ordnungsamt Kontrollen am Sonntag vor.

Auch die Uhrzeit ist strickt geregelt, variiert aber je nach Bundesland: In Nordrhein-Westfalen ist um 14 Uhr für alle Geschäfte Schluss – auch für Bäckereien, die an anderen Sonntagen länger öffnen dürfen. „Womöglich kommen alle auch noch in letzter Minute“, befürchtet der Rentner Peter Mensger aus Stolberg. Auch der Handelsverband NRW hatte in der Öffentlichkeit darum gebeten, rechtzeitig sonntags in die Geschäfte zu gehen.

Für die meisten Bäckereien wird der 24. Dezember wie jeder Sonntag sein. Einige machen ab 7 oder 8 Uhr auf und schließen um 12 oder 13 Uhr. Wenige Bäckereien öffnen ihre Ladentheke sogar zusätzlich am 2. Weihnachtstag. Nobis hingegen wird alle Türen vom 24. bis zum 26. Dezember geschlossen halten. „Aus Rücksicht auf unsere Mitarbeiter“, heißt auf der Webseite.

Aus dem gleichen Grund bleiben auch die Einzelfilialen der Leo-Bäckerei geschlossen. Filialien, die allerdings in Supermärkten platziert sind, richten sich nach den Öffnungszeiten der Betreiber. „Dazu sind wir vertraglich verpflichtet“, erklärt Geschäftsführer Richard Merzenich.

Neben Geschäften, die Lebensmittel verkaufen, dürfen außerdem noch Weihnachtsverkaufstellen und Blumenläden öffnen. Ob auch das notwendig ist, wird gleichermaßen debattiert. Auch wenn in Stolberg nur wenige Beschäftigte von der Ausnahmeregelung betroffen sein werden, bleibt diese des Ladenschlussgesetztes umstritten.

Brigitte Grawe jedenfalls ist überzeugt, dass bei dieser Regelung der Kommerz im Vordergrund steht und nicht der Kundenwunsch. „Denn wenn die Option da ist, rennt man vielleicht doch nochmal los, um noch etwas zu holen, was man vergessen hat. Das Konsumdenken wird damit noch weiter vorangetrieben.“ Grawe hat sich viele Gedanken zu dem Thema gemacht und wünscht sich, dass auch ihre Mitmenschen an Weihnachten Ruhe zum Nachdenken finden.

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