Zweiradliebhaber kommen in Vicht auf ihre Kosten

Von: Sarah-Lena Gombert
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In Vicht kamen Freunde alter Motorräder und Mopeds am Samstag voll auf ihre Kosten. Das vom Vichter Motor-Club (VMC) bereits zum achten Mal veranstaltete Treffen zog im Laufe des Tages viele Hundert Besucher in seinen Bann. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg-Vicht. Vespas, Agustas, NSU Quicklys und Simsons schlängeln sich knatternd durch die Eifelstraße in Vicht. Männer mit Schnauzbärten und in schwerer Lederkluft schlendern die Rumpenstraße entlang. An diesem Samstag gehört der Ort ganz den Freunden der motorisierten Zweiräder: Der Vichter Motor-Club (VMC) hat zum mittlerweile 8. Internationalen Moped-Treffen eingeladen. Hunderte sind gekommen, mehr noch als im vergangenen Jahr, schätzt der Verein.

Während Einheimische und Gäste das gute Wetter und die ausgestellten Motorräder, Mopeds, Mofas und auch Autos genießen, heißt es für den VMC und die freiwilligen Helfer: arbeiten. Die Vereinsmitglieder und deren Freunde haben kaum Zeit, sich die vielen großen und kleinen Maschinen anzusehen, die am Pfarrheim in Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren. Zwischen Küche, Grill und Kuchentheke geht es emsig hin und her. Es ist warm in Vicht, die Sonne scheint. Der Essens- und Getränkestand wird stark frequentiert. Andere helfen den Besuchern dabei, einen Parkplatz für ihr Auto zu finden, und weisen den Teilnehmern Plätze für ihre Motorräder zu.

Mehr Händler als im Vorjahr

„Es läuft heute wirklich verdammt gut“, sagt Norbert Derichs, Vorsitzender des VMC. „Vor allem die Zahl der Händler ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal gestiegen.“ Entlang der Rumpenstraße gibt es einen kleinen Teilemarkt. Gut zehn Händler haben ihre Waren ausgebreitet: Ob historische Motorrad-Fachmagazine, Blinklichter, Klingeln oder kleine Schrauben: Wer sein altes Moped in Schuss halten will, kann hier fündig werden. „Wir sind in diesem Jahr zum ersten Mal dabei“, sagt Lothar Hanke, der mit seiner Frau aus Dortmund angereist ist. Die Hankes verkaufen Kreidler-Ersatzteile. Der Stuttgarter Mofa-Hersteller ging in den 1980er Jahren in Konkurs. Originalteile für die alten Maschinen gibt es kaum noch zu kaufen. Wenn, dann bei Händlern wie Lothar Hanke, der mit seinem Stand von Teile-Markt zu Teile-Markt zieht. Viele kleine Plastikdöschen stehen auf seinen Tischen, darin fein säuberlich sortiert Klein- und Kleinstteile, die man für das Reparieren eines Kreidler-Mopeds braucht.

Ein bis zwei Mal pro Monat ist er mit seinem Kleinbus unterwegs. Auf einem anderen Markt habe er von dem Treffen in Vicht erfahren, berichtet Hanke. „Es gefällt mir hier sehr gut“, betont er, auch wenn er unter den vielen Motorradfreunden bislang kaum Kreidler-Fahrer gesehen habe. Der VMC sei sehr gut organisiert und biete eine vielseitige Veranstaltung.

Ein paar Meter weiter, in der Nähe der Bierzelte, haben einige Motorradfans eine Italo-Ecke samt italienischer Landesflaggen eingerichtet. Im Halbkreis stehen ausschließlich italienische Maschinen. Immer wieder kommen Neugierige vorbei und betrachten die Zweiräder. Zum Beispiel eine top gepflegte MV Agusta 350s Ipotesi aus dem Jahr 1976. Sie gehört einem Teilnehmer aus der Region. Aus Sorge vor Diebstahl möchte er, wie andere Motorradbesitzer übrigens auch, aber lieber nicht sagen, wie er heißt und er wohnt.

Wenn man ihn fragt, warum er neben modernen Motorrädern auch so eine alte Rarität sein Eigen nennt, gerät der Mann ins Schwärmen. „Ich habe Giacomo Agostini auf einer Maschine von Agusta fahren sehen, in Spa-Francorchamps. Das war der Werksfahrer von Agusta und mehrfacher Gewinner der Motorrad-Weltmeisterschaft“, erzählt der Motorradbesitzer begeistert. Durch den italienischen Rennfahrer habe er sich in die Motorräder dieser Marke verliebt. Und seit 19 Jahren hat er nun seine eigene Maschine. Doch bevor er sie fahren konnte, musste er noch viel Arbeit in das Rad stecken. „Die Bremsanlage war vollkommen kaputt“, nennt er als Beispiel. Auch die Anzeigen für Zündung, Bremse und Beleuchtung hat er in Eigenarbeit erneuert.

Austauschen, netzwerken und sich gegenseitig weiterhelfen ist für die eingeschworene Gemeinschaft der Oldtimer-Fans wichtig, um die Maschinen zu erhalten. So kommt es auch immer wieder zu ungewöhnlichen Begegnungen: „Eben stand hier noch ein Mann aus der Schweiz mit seinem italienischen Motorrad“, sagt der Agusta-Besitzer. Der Schweizer habe beruflich in Nordrhein-Westfalen zu tun gehabt, habe im Internet von dem Vichter Treff erfahren und sei kurzfristig bei der Veranstaltung aufgeschlagen, bevor er wieder nach Hause fahren musste.

Ein aufwändiges Hobby

Ob Händler aus dem Ruhrgebiet oder Motorradbesitzer aus der Eifel: Für die Teilnehmer des Vichter Moped-Treffens bedeutet das Hobby vor allem eines: viel Aufwand. „Wenn man selbst nicht handwerklich begabt ist und nicht weiß, wie man eine Maschine auseinanderbaut und wieder zusammensetzt, dann muss man mit dieser Geschichte gar nicht erst anfangen“, sagt der Agusta-Fahrer, der von Berufs wegen viel mit Metall arbeitet. „Die Leute finden ja kaum noch Teile für ihre Maschinen. Ich selbst kann kein Motorrad bauen, aber ich kann den Menschen helfen, die richtigen Ersatzteile für ihr Fahrzeug zu bekommen“, sagt Lothar Hanke.

Für Vicht ist das Moped-Treffen neben dem Pfarrfest, dem Sommerfest der Interessengemeinschaft, dem Maifest und dem Karneval mittlerweile zu einer der größten Veranstaltungen geworden. „Wir arbeiten hier alle Hand in Hand“, sagt Norbert Derichs. Die Pfarrgemeinde stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung. Vichter, die nicht einmal Vereinsmitglieder sind, bringen Kuchenspenden vorbei, weil ihnen das Fest gefällt. „Und viele Menschen aus dem Ort kommen im Laufe des Tages gucken“, weiß Derichs. Die Vichter seien eben sehr feier- und kontaktfreudig, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Und uns macht das auch riesigen Spaß. Wir wollen im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder ein Treffen veranstalten.“

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