Stolberg-Zweifall - Zweifaller wollen ihre Kirche im Dorf lassen

Zweifaller wollen ihre Kirche im Dorf lassen

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Die katholische Kirche in Zweifall droht dem Sparprogramm des Bistums zum Opfer zu fallen. Damit sind die Zweifaller Bürger nicht einverstanden.
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Heinz-Gerd Braun (von links), Rita Stoff und Michael Koch haben mit Gleichgesinnten „Unser Dorf Zweifall e.V.“ gegründet.

Stolberg-Zweifall. Muss ein Zweifaller im Dorf geboren sein, um ein wirklicher Zweifaller zu sein? Was macht das Dorf, das man streng genommen einfach als Ortsteil von Stolberg bezeichnen könnte, überhaupt zu einem Dorf? Fragt man die Mitglieder des neugründeten Vereins „Unser Dorf Zweifall“, dann sind es das Gemeindeleben, die Vereine und auch die Kirchen, die für den Ort identitätsstiftend sind.

Und um die katholische Kirche St. Rochus machen sie sich gerade Sorgen: Das Bistum hatte den Gemeinschaften der Gemeinden (GDG) im vergangenen Jahr zur Auflage gemacht, 30 Prozent der Kosten für Immobilien einzusparen.

Die GDG Süd, zu der auch St. Rochus in Zweifall zählt, hatte die Pfarrkirche in dem Eifelort „auf Rot“ gesetzt. Das bedeutet, dass es in Zukunft keine Zuschüsse vom Bistum mehr für dieses Gebäude geben wird. Was genau dann mit der Kirche passiert, ist noch offen. Eine Idee der GDG ist, den Kirchenanbau aus den 1960er-Jahren zur Grabeskirche zu machen. Doch einigen Zweifallern reicht das nicht. Sie nehmen die Sache selbst in die Hand.

Wir sind ursprünglich eine Gruppe von Leuten, die sich zusammengefunden hat, weil wir uns für die Geschichte des Dorfs interessieren“, sagt Rita Stoff, Beisitzerin im neuen Verein „Unser Dorf Zweifall“. Doch schnell wurde klar, dass die kleine Gruppe mehr verbindet als das Interesse an Geschichte. Es ist das Interesse an ihrem Dorf.

„Als es vor ein paar Jahren um die Frage ging, ob hier in der Nähe von Zweifall Windräder aufgestellt werden sollen, haben wir gemerkt, dass die Bürger zusammenstehen, wenn es sie alle betrifft“, erklärt Michael Koch, der im Verein die Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden übernommen hat. Seinerzeit hatte sich eine Interessengemeinschaft gegründet, die den Bau der Windkraftanlagen –bis jetzt – mit Erfolg verhindert hat.

Bürger bekennen Farbe

„Auf dieser Bürgerversammlung mussten alle Farbe bekennen“, sagt Koch, „die alten Zweifaller, aber auch diejenigen, die noch nicht so lange hier wohnen.“ Das sei ein tolles Gemeinschaftsgefühl gewesen. „Als nun die Pläne des Bistums zur Schließung der Kirche öffentlich wurden, sind wir wieder aktiv geworden.“ Es sei kaum zu erwarten, dass sich die Stadt Stolberg, zu der das Dorf ja als Verwaltungseinheit zählt, sich derart um die Belange Zweifalls kümmern werde, wie man sich das vor Ort wünscht. Und da die Figur des offiziellen Ortsvorstehers, wie es sie beispielsweise im Raum Monschau noch gibt, in Stolberg nicht mehr existiert, muss man eben andere Wege finden, die Interessen einer Dorfgemeinschaft zu bündeln.

„Wir wollen uns zur Wehr setzen gegen das Überrollt werden“, sagt Michael Koch. Warum es diesmal ein Verein geworden ist und nicht bei einer Bürgerinitiative blieb, hat ganz pragmatische Gründe: „Als lockere Interessengemeinschaft haben wir nicht einmal die Möglichkeit, Spendenquittungen auszustellen. Das geht jetzt“, erklärt Rita Stoff. Außerdem will sich der Verein nicht nur um die Belange der katholischen Kirche kümmern – auch wenn das zunächst einmal die Hauptaufgabe werden wird.

Aus Sicht des Vorsitzenden von „Unser Dorf Zweifall“, Hans-Gerd Braun, würde die Schließung der Kirche St. Rochus als Ort für Gottesdienste und Messen weitreichende Konsequenzen haben. Braun, der sich auch für die CDU im Stolberger Stadtrat engagiert, sagt: „Wenn es in Zweifall keine Gottesdienste und Messen mehr geben wird, dann wird es in Zweifall auch bald keinen Friedhof mehr geben.“ Und das wäre fatal, denn der Friedhof ist einer der wichtigsten identitätsstiftenden Orte des Dorflebens.

Dem Verein geht es aber keineswegs darum, einfach nur das Missfallen über die Entscheidung der Kirche kundzutun. „Wir wollen konkrete Vorschläge erarbeiten und mit den Vertretern der Kirche das Gespräch suchen“, betont Michael Koch. Grundsätzlich sei das Ziel, die alte Pfarrkirche von 1850 auch als solche zu erhalten. Zu dem Anbau könne man eine Trennwand ziehen und diesen als Grabeskirche nutzen.

Dass es Geld kostet, ein Gotteshaus am Leben zu halten, ist den Vereinsgründern durchaus klar. „Auf dem Anbau aus den 1960er Jahren könnte man zum Beispiel Solarzellen anbringen“, schlägt Hans-Gerd Braun vor. Und wenn aus diesem Anbau eine Grabeskirche würde, dann könne man ja auch durch die Belegung mit Urnen Gebühren erheben, um den Betrieb zu refinanzieren. Ideen gibt es viele – und auch den Willen der Zweifaller, sich durch Eigenleistung und Spenden einzubringen.

Vieles geht in Eigenleistung

Das haben die Dorfbewohner nicht zuletzt bei der Restaurierung des Ehrenmals bewiesen: „Wir haben das Denkmal in Eigenleistung wieder hergerichtet“, erzählt Braun, „aber viele Bürger und auch Betriebe aus dem Ort haben sich finanziell beteiligt – jeder so, wie er kann.“ Diese Bereitschaft, sich zu beteiligen, ist in den Augen der Gründungsmitglieder erstens typisch Zweifall, und zweitens Motivation genug, sich als Verein auf den Weg zu machen.

Die Liste der Dinge, die man anpacken will, ist jetzt schon lang: Das Portal des evangelischen Friedhofs aus dem Jahre 1706 beispielsweise müsste in den Augen von Hans-Gerd Braun und seinen Mitstreitern dringend restauriert werden. Auf dem katholischen Friedhof sind es unter anderem die Priestergräber, derer man sich annehmen will. Es gibt im Ort mehrere alte Brunnen mit Pumpen, die der Verein wieder herrichten möchte. Auch über einen Rundwanderweg um das Dorf haben die Mitglieder schon nachgedacht, in dieser Sache will man sich bald mit den Zuständigen des Eifelvereins zusammensetzen und auch das Gespräch mit den Nachbarn aus Vicht suchen. Auch wenn das alles nach viel Arbeit klingt: Es herrscht Aufbruchstimmung in der kleinen Runde. „Es ist beachtlich, was man alles schaffen kann, wenn man nur ein paar fähige Handwerker für sich gewinnen kann“, sagt Michael Koch.

Natürlich hat sich in Zweifall längst herumgesprochen, dass sich etwas tut. Trotzdem will der Verein sich den interessierten Dorfbewohnern noch einmal offiziell vorstellen: „Am 15. März laden wir darum zu einer Bürgerversammlung ein“, sagt Rita Stoff. Alle Bürger Zweifalls sind an dem Tag um 19 Uhr in den Saal der Gaststätte „Zur Post“ eingeladen. Nach einer kurzen Vorstellung des Vereins soll es bei dieser Versammlung vor allem um die erwähnten Projekte gehen, um die man sich zunächst kümmern möchte. „Wir wollen ja wissen, was die Leute davon halten“, sagt Heinz-Gerd Braun.

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