Zweifaller Schützen schießen nicht mehr

Von: Jürgen Lange
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Zucken mit den Schultern und wissen nicht mehr weiter: Schießmeister Ralf Lipperheide und Brudermeister Karl-Erich Krings (r.) im alten Schießstand im Keller der Zweifaller Grundschule. Die traditionsreiche Bruderschaft hat den Schießbetrieb jetzt eingestellt. Foto: J. Lange

Stolberg-Zweifall. Karl-Erich Krings und Ralf Lipperheide schauen sich noch einmal in ihrem alten Domizil um. Heute sind Schulbänke und -stühle in dem Raum drapiert, Kinderschuhe stapeln sich in einem Regal, Matratzen stehen in einer Ecke und auf einem Kicker sind Sitzkissen gestapelt.

Nur ein Balken an der Stirnwand erinnert noch daran, dass hier jahrelang der Fang für die kleinen Bleikugeln der Schützen aufgehängt wurde. Der Brudermeister und der Schießmeister der Zweifaller St. Sebastianus-Bruderschaft können nur noch mit den Schultern zucken.

Es ist ein historischer Moment in der Tradition der 1824 gegründeten Gesellschaft, denn es ist ein Abschied: Der Schießstand im Keller der Zweifaller Grundschule hat ausgedient. Zwangsweise. Nicht nur, weil eine Bruderschaft es schwer hat, ihr Brauchtum in einem Schulgebäude zu pflegen.

Nicht nur, weil im Rahmen der offenen Ganztagsbetreuung mehr Raum für die Schulkinder benötigt wird. Nicht nur, weil die Aufsichtsbehörden mit Argusaugen auf die alte Koexistenz von Schule und Schießstand schauen, aber auch. Eine Besichtigung durch den Waffenzuständigen des Polizeipräsidiums und einen Sachverständigen haben den Ausschlag gegeben.

Am Wochenende hat die Bruderschaft auf ganz offiziell beschlossen: „Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft 1824 stellt ihren sportlichen Schießbetrieb bis auf weiteres ein”, verkündet schweren Herzens Karl-Erich Krings. „Der Vorstand sieht in absehbarer Zeit keine realistische Chance, einen sicheren und verantwortungsvollen Schießsport betreiben zu können.” Die aktuelle Entwicklung und „immer mehr auftauchende Hindernisse im Kellergeschoss der Grundschule” führt der Brudermeister ins Feld.

Schon seit Monaten können die Zweifaller Schützen den Schießstand, dessen Nutzung die Stadt ihnen vertraglich zugesichert hat, nicht benutzen. Er dient als Ausweichquartiert während der Erweiterungsarbeiten. „Das macht sich im Vereinsleben wie beim Sport bemerkbar”, unterstreicht Ralf Lipperheide und verweist auf die aktuelle Niederlage der ersten Mannschaft bei den Rundenwettkämpfen gegen Münsterbusch.

Aktuell ist auch das Ergebnis der Sichtung durch die Behörde: „Um den Schießstand auf die neuen Sicherheitsstandards bringen zu können, sind umfangreiche Umgestaltungen und erhebliche Investitionen erforderlich”, berichtet Krings. Das wäre zwar machbar, aber „es wäre eine Investition für die Bruderschaft, deren sportliche Zukunft an der Schule ungewiss ist”, markiert der Brudermeister. „Da investieren wir lieber in einen neuen Schießstand.”

Der aber kann nicht nur aus Sicht der Schützen im Gasthof zur Post sein, den die Behördenvertreter ebenfalls begutachtet haben. „Sie sehen ein erhebliches Sicherheitsrisiko”, berichtet Krings zu der Option, in dem Saal einen mobilen Schießstand aufzustellen. Umfangreiche Umbauten wären ebenfalls erforderlich, um den Sicherheitsaspekten Genüge zu tun. Darüber hinaus führen die Schützen den Zeitaspekt ins Feld: Je zwei Stunden Auf- und Abbau seien nicht verhältnismäßig.

Ihre Hoffnungen richtet die Zweifaller Bruderschaft nun auf den am Dienstag tagenden Stadtrat: Nur der Sportplatz am Brändchen scheint eine realistische Alternative zu sein, wo die Schützen die komfortable Holzhütte des ehemaligen VfL Zweifall als Treffpunkt nutzen und Container als Schießstand aufstellen könnten.

„Wir möchten eine Menge an Eigenleistung erbringen und erhoffen uns ein Darlehen der Stadt zu unserer Sporteinrichtung - ebenso wie es anderen Vereinen bereits gewährt wurde”, unterstreicht Lipperheide. Eine Fläche von 12 x 6 Meter wird für den eigentlichen Schießstand benötigt, der auf Basis von Baucontainer sicher errichtet werden könnte, hat der Schießmeister bereits sondiert. Außerdem sei eine kleine Flächen als Aufenthaltsraum und Sanitäreinrichtungen von Nöten.

„Wenn das nicht gelingt, stehen wir auf dem Schlauch”, sagt Krings und hofft „auf ein Einsehen des Stadtrates”. Der Richard-Peters-Pokal hätte jetzt ausgeschossen werden müssen; die Vereinsmeisterschaften würden anstehen und Wettkämpfe bestreiten zu können, wäre bereits eine organisatorische Glanzleistung. Einmal abgesehen davon, dass der Heimvorteil mangels Schießstand ebenso entfällt wie mittwochs das regelmäßige Training.

Und bei insgesamt rund 80 Mitgliedern mit knapp 40 aktiven Schützen steht die Bruderschaft vergleichsweise gut da. „Immerhin sind eine Drittel davon Jugendliche”, betont Lipperheide. Und ohne Schießstand „sind wir nur noch ein Kirmesverein und 185 Jahre Tradition gehen zu Ende”, beschreibt der Brudermeister deutlich die mögliche Konsequenzen. Unterstützung bekommt er dabei von der Schule: Sie kämpft mit den Schützen für eine neue Lösung - auch am Dienstag bei der Sitzung des Stadtrates.
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