Zweifaller Schützen: „Raum für den Unterricht ohnehin nicht geeignet”

Von: Dirk Müller
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Rolf Hansen, Karl-Erich Krings und Ralf Lipperheide (hinten v. l.) in dem Raum der Grundschule, den die St. Sebastianus Schützen bis Ende diesen Jahres angemietet haben aber nicht mehr nutzen können. Foto: D: Müller Foto: ller

Stolberg-Zweifall. Verständnislos schüttelt Karl-Erich Krings, 1. Brudermeister der St. Sebastianus Schützenbruderschaft in Zweifall den Kopf. „Wütend sind wir nicht, denn die Konzentration und innere Ruhe, die wir in unserem Sport benötigen, überträgt sich auch auf den Alltag”, sagt Krings.

Man sei aber enttäuscht und nahe an der Resignation, denn die drohende Heimatlosigkeit sei gleichbedeutend mit dem Ende der seit 1824 bestehenden Bruderschaft.

„Wir haben uns Glaube, Sitte und Heimat verschrieben und sind in Zweifall tief verwurzelt. Die St. Sebastianus Schützen vereinen den Schießsport mit Tradition und Brauchtumspflege vor Ort”, erklärt der Brudermeister.

„Mehrere Feste und gesellschaftliche Ereignisse jährlich werden in Zweifall von den Schützen selbst organisiert und bei anderen wie am 1. Mai oder an St. Martin engagieren wir uns ebenfalls nach Kräften.” Brauchtum wie Sport seien nun extrem gefährdet, wenn es im Ort keinen Platz mehr für den Verein gäbe.

Und dass eben dieser Platz für die Schützen nach 30 Jahren nicht mehr im Keller der Zweifaller Grundschule sein soll, lasse sich nicht mit erhöhtem Raumbedarf begründen, auch wenn die Schule nun dem „Aachener Modell” angeschlossen sei. „Die Schülerzahlen sind nach wie vor rückläufig, und es gibt einen großen Neubau”, sagt Rolf Hansen.

Der ehemalige Luftschutzkeller, in dem die Schützen Jahrzehnte lang ihren Sport ausgeübt haben, habe außerdem, anders als von Schulseite behauptet, keine Fenster. „Ohne direktes Sonnenlicht und Belüftungsmöglichkeit ist er als ordentlicher Unterrichtsraum ohnehin nicht geeignet.”

Der 2. Brudermeister betrachtet den Raumbedarf als vorgeschoben. Die Schulleitung behindere die Schützen schon lange massiv in der Ausübung ihres Sports, und die Räume, die bis Ende 2010 an die Schützen vermietet sind, ab dem 27. Oktober 2009 anderweitig zu verplanen, sei wohl das „Zweifaller Modell”, lächelt er bitter. „Praktisch können wir den Raum bereits seit Mitte 2009 nicht mehr nutzen, da er ständig mit Mobiliar voll gestellt ist.”

Man habe die Schützen offenbar vergraulen wollen. „Zweifallhaft” seien auch die Umstände der Besichtigung des Waffenzuständigen der Polizei im letzten Jahr gewesen. Der Gutachter habe quasi unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen, da es keinen Schießstand zu besichtigen gab, sondern nur ein gut gefülltes Lager der Schule. Die Bruderschaft stellte daraufhin den Schießbetrieb offiziell ein.

Derzeit befinden sich in dem Raum neben Pulten und Stühlen Schränke und Regale sowie ein alter Liegesessel mit Beistelltisch - und ein Aquarium. „Leider spricht die Schulleitung auch nicht mehr mit uns. Kommunikation findet höchstens noch per hinterlegten Handzetteln im Telegrammstil statt”, bedauert Krings.

Schießmeister Ralf Lipperheide wird nicht müde zu erläutern, dass von dem Schießsport, der auch olympisch ist, keinerlei Gefahr für die Schüler ausgehe: „Wir haben einen separaten Eingang und schießen außerhalb des Schulbetriebs. Und zwar nicht mit scharfen Waffen, sondern mit Luftdruckgewehren. Jeder Knüppel ist gefährlicher als unsere Sportgeräte”, so Lipperheide.

„Den Raum haben wir stets so hinterlassen, das am nächsten Schultag rein gar nichts auf den Schießbetrieb hingewiesen hat.”
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