Stolberg - Zwei Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau stehen bereit

Zwei Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau stehen bereit

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Auf dem Duffenter soll dieses städtische Grundstück neben dem Discountmarkt für den Bau eines Mehrfamilienhauses genutzt werden. Zuvor muss das Areal auf Altlasten und Bergbau untersucht werden. Foto: J. Lange
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Auf der Rotsch soll der Bebauungsplan geändert werden. Neben Einfamilienhäusern soll auch der Bau von Mehrfamilienobjekten ermöglicht werden. Eins möchte die Stadt hier bauen lassen. Foto: J. Lange

Stolberg. Akzente setzen auf dem sozialen Wohnungsmarkt möchte die Kupferstadt. Zwei Millionen Euro hat die Koalition aus CDU und SPD im Haushalt für dieses Jahr dazu bereitgestellt. Jetzt unterbreitet die Verwaltung dem Stadtrat für seine Sitzung am 19. Januar erste Vorschläge, wie und wo investiert werden könnte.

„Um Kosten zu sparen und das Budget nicht mit Grunderwerb zu belasten, kommen vorerst nur städtische Grundstücke in Betracht“, erklärt Tobias Röhm. Deshalb haben der Technische Beigeordnete und seine Mitarbeiter in den vergangenen Wochen die eigenen Grundstücke auf ihre Eignung für eine Bebauung mit Mehrfamilienhäusern untersucht. Wichtigste Kriterien dabei waren „die Lage mit ihrer Infrastruktur und Verkehrsanbindung, die planungsrechtliche Situation und die städtebauliche Integration in die umliegende Bebauung“, so Röhm weiter.

Auch eine relativ kurzfristige Bebaubarkeit sowie die „Berücksichtigung einer angestrebten Dezentralität spielten eine wichtige Rolle“. Und diese Vorgaben erfüllen aus Sicht der Verwaltung am besten zwei Grundstücke.

E Direkt neben dem Parkplatz des Netto-Marktes auf dem Duffenter könnte das städtische Grundstück nach den Bestimmungen des Baugesetzbuches über Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile sofort bebaut werden.

Erforderlich sind allerdings Voruntersuchungen wegen des Verdachts des Altbergbaus und von Altlasten sowie hinsichtlich von Lärmimmissionen, da das Grundstück unmittelbar an den bestehenden Parkplatz grenzt. Sollten die Gutachten ergeben, dass eine Bebauung nur mit einem unvertretbar hohen wirtschaftlichen Aufwand realisiert werden könnte, soll ein alternativer Standort gesucht werden.

E Bereits 2014 wurde mit einem veränderten Bebauungsplan Baurecht geschaffen für den ehemaligen Sportplatz Rotsch. Die Erschließung des Geländes ist jetzt angelaufen. Allerdings verläuft die seit einem Jahr laufende Vermarktung der bislang für den Bau von Einfamilienhäusern vorgesehenen Grundstücke nicht wie erwartet.

Es gibt bis dato nur „zwei konkrete Interessenten und einige vage Bekundungen“, so Röhm, für die etwa zwölf Grundstücke auf dem 7200 Quadratmeter großen Straßenrandgelände. Diese könnten auch dann noch bedient werden, wenn die Stadt ein Mehrfamilienhaus errichten würde.

Voraussetzung ist jedoch eine Änderung des Bebauungsplanes, weil derzeit nur maximal zwei Wohneinheiten bei relativ geringen Gebäudehöhen pro Einfamilienhaus zulässig seien. Problematisch an dem Standort sind allerdings die aufwendigen Gründungen aufgrund des Untergrundes.

Die Anforderungen

Der Technische Beigeordnete schlägt vor, dass ein privates oder öffentlich beherrschtes Wohnungsbauunternehmen für die Stadt und nach Vorgaben der Stadt an beiden Standorten – Eignung und Baurecht vorausgesetzt – jeweils ein Mehrfamilienhaus errichtet.

Die Gebäude sollten je nach Wohnungsgrößen zehn bis 20 Wohneinheiten auf bis zu drei Geschossen aufweisen. Die Ausstattung sowie die architektonische Qualität sollten kostengünstig sein, aber bestimmte Standards nicht unterschreiten. „Aus städtebaulichen, sozialen, aber auch wirtschaftlichen Gründen sollen die Gebäude langfristig nutzbar sein“, postuliert Röhm.

„ln der Regel machen sich etwas höhere technische, energetische und architektonische Standards langfristig bezahlt.“ Zudem müsse die Bauweise so erfolgen, dass Grundrissänderungen problemlos, sinnvoll und kostengünstig möglich sein sollen. Auf diese Weise möchte die Stadt auf eine veränderte Nachfrage im Laufe der Jahre reagieren können.

Denn das öffentliche Engagement auf dem Wohnungsmarkt ist nicht nur in der aktuell gesteigerten Nachfrage angesichts des Flüchtlingsstroms begründet. „Die Situation des sozialen Wohnungsbau ist in Stolberg ebenso wie landesweit in einem angespannten Zustand“, analysiert Röhm. Immer mehr Wohnungen fallen aufgrund ihres Alters aus der Zweckbindung.

Neue Projekte mit entsprechenden Belegungsrechten durch Kommunen sind kaum entstanden. Das mangelnde Engagement beim sozialen Wohnungsbau beziehe sich sowohl auf private Investoren wie auch auf gemeinnützige Wohnungsbauunternehmen. Eine wenig attraktive Förderkulisse und das historische Zinstief werden als Ursachen angeführt.

„Die Folge sind Probleme bei der Wohnraumversorgung vieler wirtschaftlich Schwächerer, schlechte Wohnstandards sowie die Konzentration von diesen Bevölkerungsgruppen mit den damit verbundenen städtebaulichen und sozialen Problemen“, konstatiert der Beigeordnete.

Die Kupferstadt selbst hat bereits vor Jahren den größten Teil ihres Wohnungsbestandes verkauft und ist auch nicht mehrheitlich beteiligt an Wohnungsbauunternehmen. „Ein direkter Zugriff auf den Wohnungsmarkt ist kaum noch gegeben“, sagt Röhm.

Und mit dem erheblichen und plötzlichen Zuzug von Migranten und Flüchtlingen habe sich diese Problematik potenziert. Auf allen staatlichen und kommunalen Ebenen sei man daher überzeugt, dass die Neubautätigkeit im Bereich des sozialen Wohnungsbaus angekurbelt werden müsse.

Zwar seien aktuell die Förderbedingungen für sozialen Wohnungsbau verbessert worden, aber das Engagement privater Bauherren sei in Stolberg noch zurückhaltend. Deshalb sehe sich die Kupferstadt in der Pflicht, sich im sozialen Wohnungsbau zu engagieren und damit auch eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Bei Bedarf soll dieses Engagement auch 2017 fortgesetzt werden.

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