Zurück zum Wir-Gefühl als echte „Prymaner“

Von: Jürgen Lange
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Jens Waldau hat zum Jahresbeginn die Prym-Geschäftsführung übernommen und nimmt erste Veränderungen Foto: J. Lange

Stolberg. „Das Unternehmen verfügt über ein sehr großes Potenzial; das müssen wir zum Leben erwecken und es umsetzen“: Zum Jahresbeginn hat Jens Waldau den Vorsitz der Geschäftsführung der William Prym Holding übernommen. Wochen der Analyse und Zielsetzung liegen hinter ihm, die mit Beirat und Gesellschafterausschuss abgestimmt sind.

„Ich blicke sehr positiv in die Zukunft“, sagt der 47-jährige Diplom-Kaufmann, der nicht verhehlt, dass an einigen Stellschrauben gedreht werden muss, „um unsere sehr ehrgeizigen Pläne zu realisieren“. Nach einem sehr schwachen Geschäftsjahr 2012 – das Ergebnis vor Steuern war positiv, der Jahresabschluss schrieb aber rote Zahlen – die Gruppe in die Gewinnzone zu führen.

„Das hatte viele Gründe“, verweist Waldau auf die Spannbreite von der Konjunktur bis zur eigenen Firmenstruktur. „Einige alte Zöpfe“ abschneiden möchte Waldau deshalb. Zu sehr in die unterschiedlichen Divisionen Consumer, Inovan und Fashion aufgespalten sieht er die Gruppe. „Wieder mehr als Prymaner“ sollen sich die Mitarbeiter fühlen, die jeweiligen Stärken ausbauen und Schwächen abbauen, wobei die Holding das operative Geschäft stärker führen und Overhead-Kosten reduziert werden sollen.

Mit Viola Kaluza folgt eine neue Finanzverantwortliche in der Geschäftsführung dem scheidenden Jörg Fischer, der eine neue Herausforderung sucht. Getrennt hat sich Prym auch von dem bisherigen Beratungsunternehmen. „Was dieses hier getrieben hat, ist eine Schande“, sagt Waldau und nimmt die Kostenstruktur bis ins Detail ins Auge: „Dass der Wagen der Geschäftsführer zweimal pro Woche in die Waschanlage gefahren wurden, ist zwar nett, aber wenn ich oder andere einen solche Leistung in Anspruch nehmen möchten, wird das zukünftig vom Gehalt abgebucht.“ Überlegt wird, die hoch effiziente, aber nicht ausgelastete Galvanik auch extern anzubieten, untersucht wird, ob doppelt vorgehaltene Infrastruktur zusammengelegt werden kann. Prozesse sollen effizienter ablaufen, der Vertrieb für mehr Volumen sorgen.

Ein Personalabbau ist nicht geplant, gleichwohl sind in Einzelfällen betriebsbedingte Kündigungen nicht auszuschließen. „Noch nicht im Detail durchgelesen habe ich mir den Tarifvertrag“, betont Jens Waldau, dass getroffene Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite „aktuell kein Thema sind, aber ich kann auch nicht ausschließen, dass sie einmal zu einem Thema werden könnten“. Zielrichtung der Geschäftsführung ist es vielmehr, Standorte und Arbeitsplätze zu sichern, die Auslastung zu steigern, Absatzmärkte zu sichern und auszubauen sowie die Ertragslage und Liquidität zu verbessern. Dazu zählt auch der Wunsch, mit der Bezahlung der ersten, 2007 verhängten EU-Strafe über noch 27 Millionen Euro erst im nächsten Jahr beginnen zu dürfen. Das zweite, auf 15 Millionen Euro reduzierte Bußgeld ist beglichen.

Die angespannte Finanzlage bremst entsprechend die Möglichkeit zu investieren. „Deshalb prüfen wir auch alternative Finanzierungsformen.“ Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung bleiben viele Herausforderungen, um das große Potenzial zu wecken. „Prym hat Geschichte geschrieben. Die beeindruckende Historie schreit danach, vernünftig fortgeführt zu werden“, erklärt Jens Waldau, der sich auf ein langfristiges Engagement in Stolberg einstellt.

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