Zur eigenen Firma mit dem richtigen Netzwerk

Von: Kolja Linden
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Zwei, die bei der Unternehmensgründung helfen - oder davon abraten: Birgit Baucke (links) vom Stolberger DLZ und Gerti Steffens von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion. Foto: K. Linden

Stolberg. Die Deutschen sind Unternehmensmuffel, zumindest im internationalen Vergleich. Laut einer Studie aus dem Jahr 2007 steht die Bundesrepublik im Vergleich von 42 untersuchten Ländern nur auf Platz 34, was die Zahl der Existenzgründungen pro Einwohner angeht.

Auch deshalb halten zahlreiche Institutionen im Rahmen der gerade laufenden internationalen Gründerwoche die verschiedensten Angebote vor, die sich rund um die Unternehmensgründung drehen.

In Stolberg und der Region sieht man sich da schon seiner Zeit voraus. Die Kupferstadt ist Teil der „Gründerregion”, die im Bezirk der Handwerkskammer (HWK) und Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen schon 1990 mit Beratungsangeboten an den Start ging. Als 2005 die damalige schwarz-gelbe Landesregierung die so genannten Startercenter ins Leben rief, mussten in der Gründerregion nur die bereits vorhandenen Angebote angepasst werden, erinnert Gerti Steffens von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion (WFG): „Da waren wir in Aachen schon viele Schritte voraus.”

Entscheidend: Die Vernetzung

Dass am Mittwoch (10.30 bis 12 Uhr) im Dienstleistungszentrum (DLZ) wieder eine umfassende Beratung für Existenzgründer angeboten wird, passt zwar zeitlich mitten hinein in die Gründerwoche, ist als Angebot aber schon eigenständig und erprobt. Entscheidend für den Erfolg der Beratung, die gerne angenommen werde, sei die Vernetzung, sagen Steffens und die Geschäftsführerin des DLZ, Birgit Baucke, unisono. Während das DLZ zum Beispiel bei der Suche nach einem Firmenstandort oder einer Bürodienstleistung helfen könne, hat Gerti Steffens alle Informationen zu Fördermöglichkeiten parat. Die Dritte im Beraterbunde ist Hildegard Vaßen von der Arbeitsagentur, die zum Beispiel dann auf den Plan tritt, wenn im Gespräch Zweifel entstehen, ob jemand für die Selbständigkeit geeignet ist.

Und das ist durchaus oft der Fall. Denn beraten heißt eben auch abraten, wenn bei der Person oder ihrer Idee zu viele Unstimmigkeiten entdeckt werden. „Da sind wir offen und ehrlich”, sagt Baucke. Viele Leute seien oft nicht umfangreich qualifiziert für das, was sie potenziellen Kunden anbieten wollen, ergänzt Steffens: „Ganz oft fehlen die kaufmännischen Qualitäten.”

Ist das der Fall, heißt das nicht, dass der Traum von der eigenen Firma ausgeträumt sein muss. Unternehmertum soll ja gefördert werden. „Es werden ganz viele Kurse angeboten, vom Basisseminar für Existenzgründer bis hin zu vertiefenden Intensivseminaren”, sagt Steffens. Manchen, die die Basisseminare besuchen, falle dann schon auf, dass es nichts für sie ist.

Anfangs Verzicht üben

Von vielen Anwärtern unterschätzt sei die Rolle, die die Familie bei der Existenzgründung spiele, sagt Steffens. „Die Frage, wie die Familie zu dem Plan steht, ist ganz wichtig. Sie muss das unterstützen und sich im Klaren darüber sein, dass anfangs auch Verzicht geübt werden und der Ehepartner eventuell mitarbeiten muss.”

Doch was muss jemand haben, der sich selbständig machen möchte? „Die Person muss fachlich qualifiziert sein, etwas anbieten, was auch nachgefragt wird und ein gutes Konzept haben”, sagt Steffens. Und noch etwas ist entscheidend: „Sie muss gut auf Menschen zugehen können.”

Zum Unternehmer gehört eben auch, dass er sich gut verkauft, sein Produkt gut platziert und auch Klinken putzt. Etwas, das nicht jedem in die Wiege gelegt ist. Eine häufig geäußerte Kritik an Seminarangeboten von Kammern, Arbeitsagentur oder Wirtschaftsfördergesellschaften ist, dass zwar fachliche und kaufmännische Qualifikationen gelehrt würden, aber das Entscheidende zu kurz käme: die persönliche Befähigung zum Unternehmertum. Geprüft würde zwar der Businessplan, nicht aber die Frage, wie gut oder schlecht sich jemand verkauft.

Eine Kritik, die Birgit Baucke so nicht gelten lässt. „Es werden auch Seminare zur Vermarktung angeboten”, sagt sie, zudem achteten auch die Beraterinnen bereits im Eingangsgespräch auf solche Defizite. „Im Extremfall bringen wir Leute mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen”, sagt die Stolbergerin. Erst kürzlich habe sie einen fachlich hervorragenden Programmierer, der sich schlecht vermarkten konnte, mit jemandem bekannt gemacht, der über genau diese Fähigkeit verfügt. „Die beiden haben letztlich gemeinsam ein Unternehmen gegründet und ergänzen sich gut.”

Nachahmenswert

Ein erfolgreicher Fall, der durchaus Nachahmer finden darf. Damit die Deutschen nicht länger Unternehmensmuffel bleiben.

Zum Netzwerk der Gründerregion gehören neben der Städteregion und den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen auch die HWK und IHK sowie die Arbeitsagentur und Sparkassen.

In der Städteregion haben mehrere Kommunen eigene Wirtschaftsförderzentren wie das DLZ in Stolberg. Zudem sind die Kommunen Gesellschafter bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion, die wiederum Gesellschafterin ist bei den kommunalen Einrichtungen.

Über reines Kirchturmdenken sei man dabei längst hinaus, sagt Birgit Baucke. Man arbeite zusammen im Sinne der regionalen Wirtschaft. So habe sie kürzlich einen Stolberger Unternehmer nach Eschweiler verwiesen, als für ihn kein geeignetes Grundstück zu finden war. Auf umgekehrten Wege kämen auch immer wieder Interessenten aus anderen Kommunen nach Stolberg.

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