Zum Jubiläum kehrt ein altes Gleis zurück

Von: Jürgen Lange
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Die im vergangenen Jahrhundert eingestellte Verbindung zwischen Stolberg und Alsdorf wird reaktiviert und damit der traditionsreiche, Direktanschluss nach Herzogenrath wieder hergestellt. Bis Ende 2012 soll dieser Schluss im Ring des Euregiobahnnetzes zwischen Stolberg und Alsdorf erfolgt, der Hauptbahnhof zur modernen Schaltstelle ausgebaut sein. Foto: J. Lange

Stolberg. Es ist ein ereignisreiches Jahr für die Eisenbahn in der Kupferstadt. Vor 170 Jahren entstand der erste Stolberger Bahnhof, was in einer Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins während der Kupferstädter Weihnachtstage gewürdigt wird.

Derweil wird das 123 Jahre alte und denkmalgeschützte Gebäude des Hauptbahnhofs saniert und zur Betriebszentrale der EVS ausgebaut: Die Euregioverkehrsschienenetz GmbH stellt vor allem der Euregiobahn die Infrastruktur auf den von ihr überwiegend befahrenen Nebenstrecken zur Verfügung.

Neuer Bahnsteig an Gleis 44

Diese werden um eine Verbindung reicher: Die im vergangenen Jahrhundert eingestellte Verbindung zwischen Stolberg und Alsdorf wird reaktiviert und damit der traditionsreiche, Direktanschluss nach Herzogenrath wieder hergestellt. Bis Ende 2012 soll dieser Schluss im Ring des Euregiobahnnetzes zwischen Stolberg und Alsdorf erfolgt, der Hauptbahnhof zur modernen Schaltstelle ausgebaut sein.

Die Planung ist abgeschlossen, das Genehmigungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt läuft, und der Hauptbahnhof wird bereichert: Gleis 43, das direkt vor dem Bahnhofsgebäude verläuft, wird in Richtung Aahen verlängert und erhält mit dem Bahnsteig 44 ein neues Gleis - zurück. Dem wird Gebüsch und einige wenige Stellplätze auf der benachbarten P+R-Anlage zum Opfer fallen, damit auf dem reaktivierten Gleis 44 wieder die von Alsdorf kommenden Züge einfahren können - so wie bis in den 80er Jahren der rote Schienenbus auf dem Kopfgleis neben dem Bahnhof hielt.

In einem Zug mit dem verbesserten Personenanschluss wird auch das Netz für den Güterverkehr erweitert. Die Gleise mit den Nummern 206 bis 217 - der alte Rangierbahnhof in Richtung Aachen - sollen wieder an das offzielle EVS-Schienennetz angebunden und in erster Linie als Abstellgleise genutzt werden. Galt Stolbergs Hauptbahnhof noch in den 30er Jahren als einer der größten in Deutschland, so stehen auch heute noch gut 55 Gleisstränge mit eine Gesamtlänge von über 40 Kilometer zur Verfügung - ein Potenzial, das im regionalen wie internationalen Schienenverkehr an Bedeutung gewinnt.

Mit dem Ausbau des Stolberger Hauptbahnhofes zum Dreh- und Angelpunkt des euregionalen Schienenverkehrs werden auch Wünsche aus der Kupferstadt wahr: Eine öffentliche Toilette wird von der EVS in der sanierten Betriebszentrale angeboten.

Derweil zeigt sich die Deutsche Bahn im Rahmen ihrer Modernisierungsoffensive gewillt, eine barrierefreie Erreichbarkeit des Inselbahnsteigs 1/2 zu ermöglichen, an dem insbesondere die Regionalexpresszüge in Richtung Aachen und Köln halten. Nicht müde wird die Stadt, daran zu mahnen und nutzt auch die Gelegenheit des EVS-Projektes, die Verbesserungen bei der DB einzufordern. Zwar stehen Details deren Planung noch nicht fest, aber derzeit ist entsprechend der Zwänge von Topografie und Sicherheitsbestimmungen angedacht, am Rande der P+R-Anlage mittels Rampe eine barrierefreie Unterführung zu bauen.

Der Tunnel unterquert die Gleise 44,43 sowie 2 und mündet in der Mitte des Inselbahnsteigs 1/2 mit Aufzug und Treppenanlage, berichtet Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt. Zwar begrüßt die Stadt einerseits die Möglichkeit einer behindertengerechten Erreichbarkeit des wichtigen Bahnsteigs, an dem die Regionalexpresszüge in Richtung Aachen und Köln halten. Andererseits aber ersheint die Lage der neuen Unterführung in der Mitte des Bahnsteigs in Richtung Aachen wenig attraktiv.

Diese Lage im Abseits moniert denn auch die Stadt in ihrer Stellungnahme: Die über 120 Meter weiten Wege zum Bahnhofsgebäude mit seinen Fahrkartenautomaten nebst den am Gustav-Wassilikowitsch-Platz angelagerten Parkplätzen, Straßenanschluss, Taxi- und Fahrradstand „ist sehr lang und führt über relativ unattraktive und sozial völlig unkontrollierte Bereiche”, kritisiert Pickhardt.

Dies gelte auch für die geplante Rampe, mit der Rollstuhlfahrer den Bahnsteig 43/44 erreichen können. „Die Wege werden zumindest als sehr lang empfunden, was insbesondere bei Dunkelheit bzw. für Ältere und Frauen noch problematischer ist”, gibt Pickhardt zu bedenken und warnt, dass „Fahrgäste vom Empfangsgebäude aus den direkten Weg über die Gleise zum Mittelbahnsteig suchen werden” - ein gefährlicher Zustand, der bereits heute immer wieder zu beobachten sei.

Alte Unterführung erhalten

Der Stadt sei zwar bewusst, dass aus technischen Gründen ein barrierefreier Zugang zu den Mittelgleisen nur am Ende des neuen Bahnsteigs realisierbar sei, aber „zumindest nicht gehbehinderten Fahrgästen sollte ein kurzer und sicherer Weg zur Hauptstrecke ermöglicht werden”, regt Pickhardt an, auch die bisherige, zugangsnahe Unterführung zu sanieren. Außerdem müsse auf eine städtebaulich attraktive Gestaltung des nach Westen erweiterten Bahnhofumfeldes geachtet werden.

Der neue Bahnsteig 43/44 direkt am Hauptbahnhof wird höher als heute liegen und dort durch eine Treppe erreichbar sein. Neben Beleuchtung soll er zusätzlich zu der Überdachung im gewohnten Umfang am Bahnhofsgebäude mit einem Fahrgastunterstand, Lautsprecher und Kameraüberwachung ausgestattet werden.
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