Stolberg - Zum Altern wächst das Dreieck stetig an

Zum Altern wächst das Dreieck stetig an

Von: Sabine Kroy
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Haare, ganz viele Haare: Der s
Haare, ganz viele Haare: Der siebenjährige Till hat seinem Tischtennis-Ball erst einmal eine anständige Frisur verpasst. Beim Ferienspiel-Workshop „Wie zeichnet man Comics?” sollen die Mädchen und Jungen Gesichter auf die kleinen Bälle malen. Foto: Sabine Kroy

Stolberg. Punkt, Punkt Komma, Strich - fertig ist das Mondgesicht. Das kann jedes Kind. Was ist aber, wenn der Mond traurig gucken soll oder etwa verschmitzt? Das ist schon gar nicht mehr so leicht zu malen.

Um den Kindern während der Ferienspiele im Zinkhütter Hof „einfache Zeichensprache” beizubringen, ist am Dienstag zum zweiten Mal bereits die Illustratorin und Cartoonistin Andrea Naumann aus Aachen angereist.

Wie zeichnet man Comics?, lautet der Titel des Workshops für Kinder, zu dem sich 16 Jungen und Mädchen im Alter zwischen sechs und zehn eingefunden haben. „Es wollten noch viel mehr mitmachen”, weist die Museumspädagogin auf die hohe Nachfrage hin.

Die Kinder sitzen an ihren Schreibtischen und zeichnen auf großen Blättern eifrig nach, was Naumann am Flipchart, eine Art stehender Zeichenblock, illustriert. Erst sollen Gesichtsausdrücke geübt werden: fröhlich, traurig, enttäuscht, wütend oder böse. Der achtjährige Nick hat eine gute Idee: Auf seinem leeren Zettel entsteht nach und nach der „böse Professor” - „Professor Einstein”, wie sein Sitznachbar bemerkt.

Ein Bild muss für sich sprechen

Gar nicht so leicht ist es, den Unterschied zwischen einem Frauen- und einem Männergesicht herauszuarbeiten. „Wie wird ein Gesicht weiblich?” fragt die Illustratorin ihre Schüler. „Dicke Lippen”, ertönt es aus der hinteren Reihe. Und schöne Wimpern, größere Augen, vielleicht ein paar Ohrringe. Keine Zauberei, man muss es nur wissen, wie auch die Nachwuchs-Zeichner feststellen.

Und traurig? Da sind die Jungen und Mädchen ratlos. Andrea Naumann zeigt es ihnen: „Einfach dreieckige Augen malen, das reicht schon.” Und tatsächlich: Ein paar Striche anders gesetzt, und das Gesicht wirkt wirklich bedrückt. Es geht um die Zeichensprache auf Papier - das hat Yannik mehr als jeder andere in dem Kurs kapiert.

Nur mit Hilfe eines Bleistiftes muss ein Bild für sich sprechen: So hat der Achtjährige der Krankenschwester Monika auf seinen Zeichenblättern eine Haube aufgesetzt. Und über dem schlauen Professor Neunmalklug prangt eine Glühbirne. So weiß jeder, der die Bilder betrachtet, was Yannik vermitteln will. „Ich habe in Kunst eine Zwei auf dem Zeugnis”, unterstreicht er sein kreatives Talent, „eigentlich sogar eine Zwei plus!”

Auch sein Klassenkamerad mag den Kunstunterricht. Und natürlich Sport. Am liebsten bringt der achtjährige Ben allerdings Feuerwehrautos und Polizeiautos in allen Größen und Farben zu Papier. „Mein ganzes Zimmer hängt damit voll”, flüstert er verschmitzt. Nele ist auch Künstlerin durch und durch. Gerne verschenkt die Sechsjährige Bilder zum Geburtstag. Allerdings bunte, wie sie betont: „Ich finde es doof, dass wir nicht mit Farbe malen.”

Die Farben sind schnell vergessen, als Andrea Naumann vorschlägt, einem orangefarbenen Tischtennis-Ball ein Gesicht zu verpassen. Welchen Gemütszustand die Kinder dafür wählen, dürfen sie selbst entscheiden. Wieder hat Nick, der „Professor-Einstein-Zeichner”, einen ungewöhnlichen Einfall: Er malt zwei Gesichter gegenüber auf seinen Ball, ein trauriges und ein lachendes. So kann sein „Kopf” jederzeit die Stimmung wechseln. Die Mädchen und Jungen sollen nun üben, Gesichter leicht seitlich oder ganz im Profil zu zeichnen. Mit dem Tischtennis-Ball hat jeder sein eigenes Anschauungsobjekt.

Zur Not kann man auch mal einen Blick auf den Nachbarn werfen. Gar nicht so leicht, Augen, Mund und Nase seitlich versetzt zu zeichnen. Bei der Frage, wie man ein junges und ein altes Gesicht unterschiedlich darstellt, blicken 16 Kinderaugen-Paare die Illustratorin fragend an.

Die Lösung hat wieder etwas mit Dreiecken zu tun: Bei einem Baby ist das Dreieck , das die beiden Augen und der Mund bilden, noch kurz, bei älteren Menschen wächst es zusehends, auch auf dem Papier. Die Kinder malen lange Gesichter. Diese sind aber bei den Ferienspielen im Stolberger Industriemuseum wirklich nur auf dem Papier zu finden.
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