Zum Abschied ein Plädoyer für die Erweiterung der Gesamtschule

Von: Michael Grobusch
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Nicht nur Staffel-, sondern auch Zeugnisübergabe: Ferdinand Küpper-Jacobs erhielt von seiner Nachfolgerin Silvia Müller-Gröls die „Abschlussnoten“. Foto: M. Grobusch

Stolberg. „Ich gehe doch nicht, ohne eine Rede gehalten zu haben“, meinte Ferdinand Küpper-Jacobs augenzwinkernd und Schritt ans Pult. Gestern ist er offiziell in den Ruhestand versetzt worden – nach insgesamt 40-jähriger Pädagogen-Laufbahn und fast exakt zehn Jahren, in denen er die Realschule I geführt hat.

Als Leiter und als langjähriger Vorsitzender der Schulleiter-Konferenz hat er nicht nur die eigene Einrichtung, sondern die gesamte Bildungslandschaft in Stolberg nachhaltig geprägt, wie zahlreiche Gäste in ihren zum Teil sehr persönlichen Ansprachen deutlich machten.

Ob solch vieler Lobesworte hätte es dem gerührten Protagonisten tatsächlich fast die Sprache verschlagen. Aber dann redete er doch, und wie so oft waren seine Ausführungen vielsagend. „Nicht jeder, der etwas verändern will, ist deswegen auch gleich ein gefährlicher Umstürzler“, konnte sich Küpper-Jacobs einen Seitenhieb in Richtung Bezirksregierung nicht verkneifen. Mit der Kölner Behörde hatte er über Jahre zu tun, als es darum ging, aus der einst ersten Realschule im Kreis Aachen einen „Ort des Lernens und Lebens“ zu machen – eng angelehnt an den von ihm vertretenen Grundsatz, dass der Raum der „dritte Erzieher“ des Kindes sei.

Veränderung steht nun auch für ihn persönlich an. Doch wird sich Ferdinand Küpper-Jacobs, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betonte, als Dozent und Seminarleiter weiterhin mit der aktuellen Schulentwicklung beschäftigen. Und das gilt auch für Stolberg. Da verwundert es nicht, dass er am Rande seiner Verabschiedung – und der Ernennung seiner Nachfolgerin Silvia Müller-Gröls – noch ein schulpolitisches Ausrufezeichen setzte. „Wichtig ist doch, dass hier auch in Zukunft Schule gemacht wird“, erklärte der 65-Jährige mit Blick auf das Auslaufen „seiner“ Realschule und verwies auf die sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen. „Heute gibt es den Anspruch, ganztags und dabei sehr differenziert zu arbeiten. Es stellt sich die Frage, ob das die Realschule noch leisten kann.“

Die Frage war wohl rhetorisch zu verstehen, Küpper-Jacobs begrüßte noch einmal ausdrücklich die im Sommer erfolgte Einführung der Gesamtschule „als integrierte Schulform“. Und die will er weiter gestärkt wissen: „Für meinen Geschmack ist unsere Gesamtschule zu klein. Die Nachfrage ist doch erheblich größer“, plädierte der scheidende Schulleiter für eine Erweiterung der Vierzügigkeit um ein bis zwei Eingangsklassen pro Jahrgang. „Die Stadt sollte intensiv überlegen, wie man das ermöglichen kann.“

Die gleiche Empfehlung gelte auch für eine großräumige Verkehrsberuhigung im Umfeld des „Schulzentrums Liester“. Dies sei angesichts der zunehmenden Schülerbewegungen zwischen aufbauender Gesamtschule, auslaufender Realschule und bestehendem Goethe-Gymnasium ein Muss. „Das gilt erst recht unter dem Gesichtspunkt der Inklusion. Denn wie will sich ein Kind im Rollstuhl bei den derzeitigen Gegebenheiten sicher fortbewegen können?“

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