Zukunft des Brauchtums: Zeit für frischen Wind in der CG Schevenhütte

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CG-Präsident Lars Krüger in seinem Element bei dem Karnevalsumzug am Veilchendienstag in Schevenhütte. Ein Bild, das der Vergangenheit angehört, denn Krüger will seine Ämter niederlegen, und ob es weiterhin einen Umzug der CG geben wird, ist fraglich.
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Der Präsident in Aktion: Krüger rockt gemeinsam mit „De Halunke“ bei einer der stimmungsvollen Sitzungen der CG. Sitzungskarneval wird es in nächster Zeit in Schevenhütte wohl nicht mehr geben.
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Stolberg-Schevenhütte. Die Dorf- und Kostümsitzung der Carnevalsgesellschaft Schevenhütte 1882 hat unter dem Motto „Finale Carnevale“ gestanden, denn in nächster Zeit wird es keinen uniformierten Karneval in Schevenhütte mehr geben, und es war die vorerst letzte Sitzung der CG.

Mit Lars Krüger, dem Präsidenten und 1. Vorsitzenden der CG, sprach Dirk Müller über die Zukunft des rheinischen Brauchtums am Wehebach.

Was ist das Problem der CG Schevenhütte?

Krüger: Sowohl Vorstandmitglieder, als auch Tänzerinnen beenden nach der Session ihre Laufbahnen, und es mangelt uns an Nachwuchs. Aus diesem Grund mussten wir auch schon mit unseren Veranstaltungen vom großen Zelt in das kleinere Pfarrheim wechseln. Die verbliebenen Aktiven werden nicht jünger, und die nächste Generation ist nicht nachgekommen, so dass wir die Bewirtung in einem Festzelt, Auf- und Abbau von Dekoration und Bühnenbild, Licht- und Soundanlage sowie das Verlegen von Strom- und Wasserleitungen nicht mehr stemmen konnten.

Wie wird es mit der CG weitergehen?

Krüger: Wir wissen es leider nicht. Trotz intensiver Bemühungen haben wir bisher noch keine Kandidaten für die Vorstandsämter finden können. Fest steht, dass wir eine drohende Auflösung des Vereins unbedingt abwenden wollen. Unser Wunsch ist es, bis zur Jahreshauptversammlung Ende April drei Leute zu finden, die den geschäftsführenden Vorstand bilden. Dann könnte die CG in einer Art „Dornröschen-Halbschlaf“ mit niedrigeren Mitgliedsbeiträgen überleben und wenigstens den Veilchendienstagszug in Schevenhütte weiterhin ausrichten. Aus einem solchen „Halbschlaf“ könnte die CG dann gegebenenfalls auch wieder relativ schnell und problemlos erwachen und mehr als den Umzug im Ort anbieten, also auch wieder Karnevalssitzungen und mehr veranstalten.

Und was, wenn es der CG nicht gelingt, einen neuen Vorstand zu finden?

Krüger: Dann bliebe als Alternative ein „Ruhe-Modus“, in dem der Verein keinerlei Aktivitäten nachgeht. Nach eigenem Beispiel, denn die 1882 gegründete Carnevalsgesellschaft war jahrzehntelang inaktiv und quasi auf Stand-by, bevor wir sie 1996 reaktiviert haben. Diesmal dauert es hoffentlich nicht so lange...

Waren Sie 1996 beim „Erwachen“ der CG mit von der Partie?

Krüger: Ja, als Koch in der Garde. 1999 bin ich in den Elferrat gewechselt, wurde 2002 Vizepräsident und 2004 zudem noch Geschäftsführer. Seit 2007 bin ich Präsident und Vorsitzender.

Warum werden Sie Ihre Vorstandsämter niederlegen?

Krüger: Ich habe schon vor drei Jahren angekündigt, 2016 nicht mehr für die Ämter zur Verfügung zu stehen, denn ich habe immer weniger neue Ideen und dachte, ein frischer Wind wäre für den Vorstand und damit für die gesamte CG gut. So, wie es sich jetzt abzeichnet, habe ich mir meinen Ausstand allerdings nicht vorgestellt.

Wie fühlen Sie sich in der jetzigen Situation?

Krüger: Schlecht. Unter normalen Umständen hört man persönlich auf – einfach für sich selbst. Wenn aber der ganze Verein sich in einem Auflösungsprozess befindet, fühlt sich das wie eine Niederlage an. Natürlich liegt mir nach wie vor sehr viel an der CG, in der ich 20 Jahre lang engagiert war. Es stimmt mich dementsprechend traurig, dass sich bisher keine Nachfolge für den Vorstand gefunden hat.

Was sind für Sie Gründe, in der CG aktiv zu werden, sei es im Vorstand oder „nur“ in Uniform oder tanzend?

Krüger: In der CG lernt man sich kennen, hat Spaß zusammen und man kann sich aufeinander verlassen. Freundschaften entstehen und werden gefestigt, und man kann mit der Gesellschaft viele tolle Erlebnisse in einer harmonischen Gemeinschaft genießen. Und grundsätzlich sind Vereine wichtig für das soziale Gefüge im Ort.

Welche sozialen Komponenten gibt es in der CG Schevenhütte?

Krüger: Wir feiern Karneval mit allen Generationen, die dabei viel Engagement, Kreativität und Können entfalten, Zeit miteinander verbringen und sich anfreunden. Ältere Jahrgänge helfen etwa bei der Dekoration vor Veranstaltungen oder haben einfach nur Spaß am karnevalistischen Brauchtum. Kinder, die in der CG tanzen, betätigen sich sportlich und die Auftritte vor Publikum erhöhen das Selbstbewusstsein. Die CG ist auch ein Botschafter für Schevenhütte, und die Ortsvereine helfen und unterstützen sich gegenseitig. Auch mit anderen Stolberger Karnevalsgesellschaften und karnevalistischen Vereinigungen ist die CG befreundet, und wir Jecken unterstützen einander gerne. Würde die CG untergehen, ginge nicht nur ein Stück Schevenhütte, sondern auch ein Stück Stolberger Karneval verloren. Und wir sind nicht nur in der Session aktiv, wie zum Beispiel Zeltlager oder die Lichternacht in Schevenhütte zeigen. Die CG hat einen gesellschaftlichen Stellenwert und vor allem viele gesellschaftliche Funktionen, die weit über die Pflege des Brauchtums und die Bewahrung der Ortsidentität hinausgehen. Ein Ende der CG würde sich deshalb in mehrfacher Hinsicht auch negativ auf die Lebensqualität der Menschen in Schevenhütte und Umgebung auswirken.

Wie werden Sie in der nächsten Session Karneval feiern?

Krüger: Mit eineinhalb weinenden Augen, weil ohne die CG, und mit einem halben lachenden Auge, weil ich ohne festen Terminplan spontan Karneval feiern kann – ganz so wie es mir gefällt. Mein Wunschtraum ist es allerdings, möglichst bald wieder die Uniform anziehen zu können und als Mitglied des Elferrats der CG Schevenhütte Karneval zu feiern.

Und wenn das nicht so kommt?

Krüger: Dann bleiben mir immer noch viele wunderschöne Erinnerungen, von denen ich zehren kann. 20 Jahre CG Schevenhütte bedeuten für mich viele tolle Menschen, tolle Erfahrungen und einmalige Situationen, die mir keiner mehr nehmen kann.

Wie steht es künftig um Ihr Engagement in und für Schevenhütte?

Krüger: Das bleibt auf jeden Fall bestehen. Meine Heimat liegt mir ganz besonders am Herzen, und ich werde mich auch weiterhin für Schevenhütte einsetzen – in welcher Form auch immer.

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