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„Zug der Erinnerung” macht Ende März Station in Stolberg

Von: tol
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Steht am 30. und 31. März auf dem Gleis an der Brauereistraße: der „Zug der Erinnerung”, mit dem das Stolberger „Bündnis gegen Radikalismus” vor allem jungen Menschen Einzelschicksale vor Augen führen möchte, um ihnen die Verantwortung aus der Vergangenheit zu vermitteln. Foto: M.Schuldt

Stolberg. Der „Zug der Erinnerung” macht am Mittwoch, 30. März, und Donnerstag, 31. März, in der Innenstadt Station. Die rollende Ausstellung, die seit 2007 in Deutschland und Polen an die Deportation von mehr als einer Million Kinder und Jugendlicher erinnert, ist an diesen beiden Tagen auf dem Gleis an der Brauereistraße zu finden.

In den Waggons wird die Geschichte der Fahrten mit der Reichsbahn in die Todeslager der Nazionalsozialisten in beispielhaften Biografien nacherzählt. Die Fotos der Opfer und ihre letzten Briefe, die sie aus den „Reichsbahn”-Waggons warfen, stehen für das Los der Millionen, die in den Vernichtungslagern ermordet wurden.

Das „Stolberger Bündnis gegen Radikalismus” präsentiert das rollende Zeitzeugnis in Stolberg: „Wir sind sehr dankbar, dass es mit Hilfe des Bistums, des Büros der Regionaldekane und des Katholikenrats sowie diverser Sponsoren gelungen ist, ein rollendes Mahnmal, den ,Zug der Erinnerung´, nach Stolberg zu holen”, sagt Bündnis-Sprecherin Beatrix Oprée. Der Zug hat in Aachen für lange Schlangen gesorgt, die Anteilnahme ist auch nach über 70 Jahren immer noch riesengroß. „Deshalb wollen wir auch nicht aufhören zu erinnern”, verspricht Gerd Mertens, Referent im Büro der Regionaldekane des Bistum.

Zeichen vor der „Belagerung”

Für den Bürgermeister Ferdi Gatzweiler ist die Aktion der richtige „Gegenpunkt zur richtigen Zeit”, da ja zu befürchten stehe, dass Stolberg eine Woche später wieder „belagert” werde. Der Bürgermeister berichtet, dass Regionalbahnbetreiberin EVS spontan versprochen habe, sich an der Organisation zu beteiligen. Das bedeute mittlerweile auch eine finanzielle Beteiligung von knapp 10000 Euro. Dieses und das Geld von drei weiteren Spendern hätten bei der Umsetzung des Vorhabens sehr geholfen, denn, so Gatzweiler, „wir brauchen bei dem Kampf gegen Neonazis jede Unterstützung”.

4000 Euro sind übrigens pro Tag für die Fahrt und das Parken auf den Schienen der Deutschen Bahn an selbige abzuführen - zuzüglich 400 Euro Personalkosten. Und dieser Preis sei gegenüber dem ursprünglichen schon einmal reduziert worden. „Deutschlandweit gibt´s deswegen Protest”, sagt Gerd Mertens und berichtet, dass die Referenten und Katholikenräte 30 Standorte im Bistum Aachen ausgewählt hätten. Das Bistum ist mit seinem (halben) Anteil bereits in Vorleistung getreten, denn in Stolberg wird geteilt - Beispiel für eine gelungene Kooperation und laut Bürgermeister auch die „richtige präventive Antwort” auf alle Neonazi-Bewegungen.

In Aachen gab es 2008 keine Anmeldungspflicht, mit dem Ergebnis, dass die Besucher in langen Schlagen vor dem Zug warten mussten. Das will man in Stolberg am 30. und 31. März verhindern: Einzelpersonen werden jederzeit eingelassen, Gruppen und Schulklassen müssen sich jedoch online anmelden. Das entsprechende Formular ist auf der Homepage zug-der-erinnerung-im-bistum-aachen.de zu finden: Einfach unter dem Menüpunkt „Anmeldung” „Stolberg” wählen, das Formular ausfüllen und den „Absenden”-Button klicken! 40 Minuten, auf Wunsch nur 20 Minuten, sind pro Gruppe vorgesehen. Wer mehrere Wunschtermine angibt, erleichtert die Reservierung.

Drei Waggons des Vereins „Zug der Erinnerung” gibt es zu sehen, ein vierter Waggon ist Forum für die örtliche Spurensuche.

Schicksal der Stolberger Kinder

In unermüdlicher Recherche haben die Herausgeber des Schwarzbuchs, Karen Lange-Rehberg und Friedrich Gruschei, dafür gesorgt, dass die Schicksale der Stolberger Deportierten nicht in Vergessenheit geraten: das Schicksal der Kinder Regina Zinader und Stefan Lassisch etwa, die aus einer jüdischen und einer Roma-Familie stammten und in Waggons der Reichsbahn zum Vernichtungslagern gebracht wurden. Die Opfer hießen aber auch Dschuro, Mariza, Hannelore, Horst, Regina, Toni und Petra, wohnten in der Steinfurt, im Steinweg und hatten ihr Leben gerade erst begonnen, als sie während der Schreckensdiktatur des Dritten Reichs ermordet wurden.

Um die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten, wird am 9. April in Stolberg das „längste Soli-Banner der Welt” entrollt. Auch daran kann man am 30. und 31. März noch mitgestalten. Das Bündnis gegen Radikalismus hält dazu Materialien bereit.
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