Zinkhütter Hof setzt nun auf Mobilität

Von: Jürgen Lange
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Dieser Citroën C3 5 HP „Trefle“ aus dem Jahr 1925 hat Tradition. Er gehörte dem früheren Eupener Bürgermeister und Widerstandskämpfer Leo Trouet, berichtet Sebastian Wenzler. Historische, aktuelle und zukünftige Mobilität soll Thema einer neuen Daueraustellung sein. Foto: J. Lange
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Will die Zweifaller Forst- und Waldwirtschaft in einer Filmdokumentation präsentieren: Robert Jansen vom Museumssägewerk. Foto: L. Kubiak

Stolberg. Zwei Männer, ein Satz: „Ich freue mich riesig“, sagt sowohl Sebastian Wenzler wie auch Robert Jansen. Die beiden sind die führenden Köpfe hinter zwei Stolberger Museen. Wenzler ist Leiter des Zinkhütter Hofs und Jansen Vorsitzender des Fördervereins des Zweifaller Museumssägewerks.

Beide freuen sich deshalb so riesig, als sie von unserer Zeitung erfahren, dass der Landschaftsverband Rheinland (LVR) zwei Zukunftsprojekte finanziell fördern möchte. Am Mittwoch hat der Kulturausschuss des LVR die Bewilligung der Fördermittel dem Landschaftsausschuss empfohlen; der entscheidet abschließend am 12. Dezember.

Mit 14.200 Euro möchte der LVR den Aufbau einer Dokumentation und Medienstation im Zweifaller Sägewerk unterstützen. „Wir möchten unseren Besuchern die historische Waldarbeit auch zeigen können, wenn wir unsere Gatter nicht vorführen“, erklärt Jansen. Aktive Vorführungen der historischen Sägen durch ehrenamtliche Helfer sind während der Saison regulär nur am dritten Samstag eines Monats möglich. Geöffnet hat das Museum hinter dem Ortsausgang an der Jägerhausstraße von Ostern bis Ende Oktober aber an jedem Wochenende.

Gerne nutzen Spaziergänger die Gelegenheit zu einem Blick in das kleine Sägewerk. Damit es dort dann nicht nur Handwerkszeug und Fotos zu sehen gibt, soll ein Dokumentarfilm die Arbeitsabläufe und die technische Funktionsweise sowie die individuellen Wissensbestände der Akteure aufzeichnen.

Darauf aufbauend soll ein Drehbuch für eine volkskundliche Filmdokumentation entstehen – eine audiovisuelle Wissenssicherung historischer Arbeitstechniken. Im Film sollen aufgearbeitet werden die Wald- und Holzwirtschaft in Zweifall, Betrieb von Sägegatter und Bandsäge sowie die Themen Nachhaltigkeit und Tradition. „Mit der Förderung durch den LVR steht der Grundstock für das Projekt“, sagt Jansen. „Den Rest stemmen wir in Eigenleistung.“ Immerhin eine ganz gehörige Portion Engagement, denn der Gesamtaufwand des Projektes wird mit 23.200 Euro angegeben.

Vorgesehen ist, die Dreharbeiten im Sommer abzuschließen, bis in den Herbst folgen Schnitt, Nachbearbeitung und die Erstellung einer App und eines QR-Codes sowie die Installation der erforderlichen technischen Geräte. Im November 2017 soll die Premiere erfolgen – rechtzeitig zum Adventssägen, das auch an diesem Sonntag sicherlich wieder zahlreiche Gäste anlocken wird.

Besucher gewinnen möchte der Zinkhütter Hof mit einem ganz neuen Thema: „Turbo, Traffic, Transport“ heißt der Arbeitstitel für ein Ausstellungsmodul rund um die Mobilität, wie es sonst nur in München, Berlin, Wolfsburg oder Stuttgart zu finden ist. „Obwohl in Nordrhein-Westfalen, besonders im Aachener Revier, auf vielfältige Art und Weise zum Thema Mobilität entwickelt und produziert wird, gibt es bisher kein Museum, welches das Thema umfassend behandelt“, sagt Sebastian Wenzler.

„Zudem ist das Thema Mobilität grundsätzlich sehr beliebt unter Museumsbesuchern, so dass ich sicher bin, eine gute Entscheidung getroffen zu haben, um die Attraktivität des Museumsstandortes Stolberg langfristig zu sichern“, betont Karin Schmitt-Promny (Grüne / Aachen), die stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung. Ihren Platz im Zinkhütter Hof finden soll das neue Modul im Bereich der heutigen Präsentation des Themas Zink, die seit 1996 gezeigt und nun komprimiert werden soll. Die Dauerausstellung zur Mobilität soll insbesondere die regionalen Bezüge darstellen.

Die Herstellung von Automobilen in der Aachener Region geht bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Namen wie Cudell, Scheibler und Fafnir, aber auch Mannesmann-Mulag und Talbot stehen für bedeutende Fahrzeugproduzenten. Heute ist die Region ein moderner Technologiestandort, an dem beispielsweise wieder aktuelle Fahrzeuge durch die Streetscooter GmbH produziert werden, berichtet Wenzler. In vier Sektionen soll sich „Turbo, Traffic, Transport“ gliedern.

Die Faszination der (historischen)Technik, die Inszenierung einer Tankstelle, eine Präsentation zukunftsweisender Projekte sowie die Entwicklung der Infrastruktur von Straße und Schiene in der Region soll die Dauerausstellung widerspiegeln, die in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres aufgebaut werden soll.

Mit rund 300.830 Euro Aufwand ist das Gesamtprojekt kalkuliert. 30.000 Euro hatte der LVR, bei dem insgesamt 180.000 Euro Förderung beantragt sind, bereits im Frühjahr bewilligt. Weitere 120.000 Euro Zuschuss sind beantragt bei der NRW-Stiftung und 60.083 Euro bei der Kulturstiftung der Sparkassen.

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