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Zinkhütter Hof: Durch einen Parcours zum Traumberuf

Von: Jessica Küppers
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Parcours
Wackelige Angelegenheit: Im Viererteam bauen die Schülerinnen der Gustav-Heinemann-Gesamtschule aus Alsdorf Türme mit großen Bausteinen. Das Ziel: Bloß nicht umkippen. Foto: J. Küppers
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Parcours auf Zeit: Wenn Museumspädagogin Petra Grüttemeier mit dem Glöckchen klingelt, wechseln die Schüler die Station.

Stolberg. Eine kleine Wohnung für 1000 Euro einrichten, eine Schaufensterpuppe einkleiden oder ein eigenes Kinoplakat erstellen – das steht am Mittwochmorgen im Museum Zinkhütter Hof auf dem Stundenplan von 17 Schülern der Gustav-Heinemann-Gesamtschule aus Alsdorf.

Die Aufgaben sind Teil einer besonderen Ausstellung im Forum des Museums. Darin sollen sich die Neuntklässler mit ihrer beruflichen und persönlichen Zukunft auseinandersetzen, eigene Stärken und Schwächen herausfinden und am Ende mit konkreten Berufsvorstellungen nach Hause gehen können.

Unterstützt werden sie dabei von Museumspädagogin Petra Grüttemeier, der das Thema Berufsorientierung besonders wichtig ist. „Das ist wirklich mein Herzensding, weil ich es wichtig finde, dass sie angeschubst werden“, sagt sie. Dafür hat sie einen Parcours entwickelt, der verschiedene Stationen enthält. In zufällig zusammengestellten Dreier- oder Vierergruppen lösen die Schüler unterschiedliche Aufgaben und schätzen sich anschließend mit einer Art Fragebogen selbst ein.

Mit einer dieser Aufgaben beschäftigen sich die Schülerinnen Chiara Visé, Noura Benzarfa, Jehona Mieholli und Justine Idreis an diesem Vormittag. Die vier Mädchen sollen im Team mit großen, weichen Bauklötzen Figuren nachbauen, die auf einem Bildschirm vor ihnen angezeigt werden. Arbeiten sie nicht als Team zusammen, fällt das Konstrukt in sich zusammen, bevor es fertig ist. Bei dieser Übung sind nicht nur Teamgeist, sondern auch räumliches Vorstellungsvermögen und Geschicklichkeit gefragt. Und Spaß macht es auch: „Man kann sich ein bisschen wieder wie ein Kind fühlen“, sagt Chiara, die den Überblick in der Gruppe behält und ihrem Team immer wieder Anweisungen gibt.

Weil die Mädchen gemeinsam das Ziel verfolgen, in der vorgegebenen Zeit von zehn Minuten alle Figuren einmal nachzubauen, läuft es bei ihnen wie am Schnürchen. Auch wenn das gar nicht das erklärte Ziel ist, was Grüttemeier mit dieser Station verfolgt. „Das ist ganz schwierig aus den Köpfen zu kriegen“, sagt sie. Bei den Übungen gehe es nicht darum, fertig zu werden und alles in den zehn Minuten zu schaffen. Vielmehr gehe es darum, sich, seine Talente und Schwächen realistisch einzuschätzen und zu entdecken.

Auf besonders großes Interesse stößt nicht nur bei den Schülerinnen der Modesalon. Auch die Jungs haben Spaß daran, die beiden Schaufensterpuppen nach ihren Vorstellungen einzukleiden. „Das macht richtig Spaß“, sind sich Jamila Polz, Michelle Zepp und Sümeyra Kara einig. Alle drei könnten sich vorstellen, sowas beruflich zu machen. „Es soll was künstlerisch-darstellerisches sein“, sagt Sümeyra. Und das Ergebnis der Mädchen kann sich sehen lassen. Die weibliche Figur trägt einen Pullover und eine Jeans. Den Mann haben die drei mit einer Boxershorts und einem T-Shirt ausstaffiert. „Das ist ein Schlafanzug“, erklärt Michelle, als sie den verwunderten Blick ihrer Lehrer bemerkt, die dem Treiben zuschauen.

Für Klassenlehrerin Claudia Valter sind solche Projekttage – wie sie im Zinkhütter Hof angeboten werden – zusätzlich zum Praktikum wichtig. „Das kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, weil viele noch orientierungslos sind“, sagt sie. Auch wenn die Schüler schon in Betriebe hineingeschnuppert haben, wissen die meisten nicht, was sie beruflich wirklich machen wollen. „Sowas hier bietet Anreize und Ideen“, sagt Valter.

Vorschlag für ein Berufsfeld

Davon ist auch Grüttemeier überzeugt und ist stolz auf ihre heutige Schülergruppe. „Wenn sie sich darauf einlassen, ist das toll“, sagt sie. Es gebe zwar auch Schulklassen, die gar keine Lust darauf hätten und das Angebot nicht annehmen könnten, aber die meisten der 1500 Schüler, die den Parcours pro Jahr machen, lassen sich doch irgendwann mitreißen, „weil es eben nicht klassisch Schule ist“.

So ist es auch bei Christian Holz. Der 16-Jährige liebt das Praktische, aber ganz genau weiß er noch nicht, was er machen will: „Entweder Maschinenführer oder Installateur, aber auf keinen Fall Banker“, sagt er lachend. Dass ihm Handwerkliches mehr liegt als Theoretisches, wird ihm an diesem Morgen wieder klar und so freut er sich schon auf das nächste Praktikum, das in seinem letzten Schuljahr auf ihn und seine 16 Mitschüler wartet.

Und wer bis jetzt noch keine Idee hatte, wo man das Praktikum machen könnte, hat nach diesem Vormittag immerhin eine Idee, welche Branche dafür in Frage käme.

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