Zinkhütter Hof auf Jugendliche zugeschnitten

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Berufswunsch gefällig? Nach dem Konzept von Museumspädagogin Petra Grüttemeier bekommen die Schüler am Ende des Parcours einen Vorschlag, welche berufliche Richtung – wie hier in der Natur – sie entsprechend ihrer Neigungen und Talente sie einschlagen könnten. Foto: J. Küppers

Stolberg. Mit der eigenen beruflichen Zukunft können sich Kinder und Jugendliche aus der Städteregion, aber auch aus Düren und aus dem Kreis Heinsberg im Zinkhütter Hof auseinander setzen. Für sie bietet das Stolberger Museum als außerschulischer Lernort im sogenannten Forum verschiedene Werkstätten zu unterschiedlichen Themen an.

Wie sich das Angebot des Museums in Zukunft weiterentwickeln wird, hat Museumspädagogin Petra Grüttemeier im Interview beantwortet.

Das Forum wurde im Oktober 2009 eröffnet. Sie haben das Konzept mitentwickelt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Grüttemeier: Es hat mit der Euregionale 2008 zu tun gehabt. Diese Häuser hier standen leer und wir wollten uns daran beteiligen, dass sie wieder mit Leben gefüllt werden. Als außerschulischer Lernort haben wir den Fokus auf Jugendliche gelegt.

Außerschulischer Lernort bedeutet ja, dass Wissen vermittelt wird, was man in der Schule so nicht lernen und vertiefen kann.

Grüttemeier: In der Schule lernt man oft nur: Industrialisierung ist der Ruhrpott. Das stimmt aber gar nicht, weil das von England über Aachen erst in den Ruhrpott geschwappt ist. Wir hatten zu Beginn der Industrialisierung die meisten Dampfmaschinen in der Region und das ist was ganz bedeutsames. Deshalb haben wir uns auf die Industrialisierung hier im Raum fokussiert.

Das ist aber nur ein Thema, das in den verschiedenen Werkstätten des Forums behandelt wird. Was zeichnet den Lernort noch aus?

Grüttemeier: Ich glaube, dass außerschulische Lernorte sehr wichtig sind. In Stolberg gibt es sonst keinen außerschulischen Lernort. Deshalb ist es für Stolberg umso wichtiger.

Selbermachen ist in diesem Teil des Museums das wichtigste Schlagwort.

Grüttemeier: Ja, das ist ganz wichtig.

Warum?

Grüttemeier: In der Pädagogik weiß man genau, dass durch handlungsorientiertes Lernen viel mehr verinnerlicht und leichter gelernt wird. Wir haben hier natürlich Möglichkeiten, die in der Schule nicht gegeben sind – allein schon durch die Räumlichkeiten.

Da fängt „Geschichte erleben“ schon an. Die Gebäude des Forums sind ja als Arbeiterhäuser bekannt.

Grüttemeier: Das stimmt eigentlich gar nicht. Im Zuge der Umbauarbeiten sind die Häuser entkernt worden und dann hat man herausgefunden, dass die ganzen Häuser von Nummer eins bis sieben alle miteinander verbunden sind und letztendlich ist man darauf gekommen, dass das die Potterie war. Das bedeutet, dass hier die großen Tontiegel für die Glasherstellung hergestellt worden sind. Später haben hier auch viele Stolberger in den einzelnen Häusern gewohnt, die ihre Geschichten haben und ihre Bilder zeigen wie das hier war. Und jetzt ist das unser Forum.

Der Ist-Zustand ist ja immer schön, aber so etwas muss sich ja auch weiterentwickeln. Welche Ziele streben Sie an?

Grüttemeier: Darauf kann man sich auch nie ausruhen. Auch wenn man das alles mit sehr viel Herzblut konzipiert hat, merkt man irgendwann, wann die Grenzen erreicht sind, weil etwas nicht funktioniert. Deswegen sind wir im ständigen Veränderungsprozess.

Und was verändert sich aktuell?

Grüttemeier: Ich habe immer gedacht, dass Schulklassen 24er-Größen hätten. Das ist aber ein Witz. Die meisten Klassen bestehen mittlerweile aus 30 Schülern. Dafür mussten wir in der Geschichtswerkstatt zum Beispiel eine neue Rolle konzipieren, um alle Schüler zu beschäftigen. Auch in der Zukunftswerkstatt mussten wir die Aufgaben im Nachhinein anpassen.

In der Zukunftswerkstatt arbeiten die Kinder zum Thema Berufsorientierung. Ziel ist es, ihnen anhand ihrer Neigungen ein Berufsfeld vorzuschlagen, richtig?

Grüttemeier: Ja. Die Kinder durchlaufen einen Parcours und füllen anschließend Fragebögen aus. Dadurch lassen sich Neigungen und Interessen herausfiltern. Die einzelnen Stationen müssen aber auch zu den Kindern passen.

Was hat nicht gepasst?

Grüttemeier: Ich komme selbst aus Zweifall und habe immer gedacht, das wichtigste für Jugendliche in der Pubertät ist es, wie für mich damals aus Zweifall herauszukommen. Das war total schwierig, weil abends zum Beispiel keine Busse mehr dahin fahren. Also hab ich gedacht, das ist bei denen auch so. Aber das ist gar nicht mehr so. Die Kinder von heute haben zum Beispiel das Taxi Mama total verinnerlicht. Fragen wie „Wie teuer ist es, an Mofa anzuschaffen?“ und „Was muss ich für Reparaturen auf die Seite legen?“ haben die gar nicht interessiert. Deswegen haben wir das zu einer Station umgewandelt, an der sie fiktiv ausziehen sollen, 1000 Euro für die Einrichtung zur Verfügung haben und die Gelder verteilen müssen.

Jetzt gibt es noch einen Supermarkt im Parcours. Den wird es bald auch nicht mehr geben.

Grüttemeier: Genau. Das passte mit dem Punktesystem nicht richtig zusammen und deshalb soll das eine Station werden, an der die Kinder einen Garten gestalten können.

Also Hängematte – ja oder nein?

Grüttemeier: Zum Beispiel, die Kinder entscheiden, ob sie den Fokus mehr auf Gemüsebeet oder Außensauna legen. Die Frage ist: „Wie würde ich das gestalten?“ Brauche ich einen Grill, lege ich mir Hühner zu oder wie auch immer.

Pro Jahr kommen etwa 1500 Schüler. Die Stolberger Gymnasien sind nicht dabei. Warum nicht?

Grüttemeier: Das weiß ich auch nicht. Die anderen Stolberger Schulen kommen. Die meisten Gymnasien machen nur das, was staatlich verordnet ist und nichts darüber hinaus. Das finde ich sehr traurig. Ich würde mir wünschen, dass sich das ändert.

Damit das Konzept des Zinkhütter Hofs nicht nur für Schüler interessant bleibt, sondern auch für alle anderen Besucher interessant bleibt, entwickeln sie regelmäßig neue Ideen. Eine dieser Ideen ist es, das Haupthaus umzustrukturieren. Was haben die Besucher da zu erwarten?

Grüttemeier: Es ist eine Mobilitätsausstellung geplant, die nächstes spätestens übernächstes Jahr eröffnen soll. Bis dahin werden aber schon ganz viele Drähte gezogen, damit das alles klappt.

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