Stolberg - Zensus: Schlecht geschätzt, aber Stolberg widerspricht nicht

Zensus: Schlecht geschätzt, aber Stolberg widerspricht nicht

Von: Tom Lammertz
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Stolberg. Früher hieß es Volkszählung, heute nennt man es Zensus. Im Mai 2011 sind die jüngsten Daten erhoben worden. Dachten die meisten. Doch tatsächlich war diese Erhebung in großen Teilen lediglich eine Schätzung. Eine Schätzung nach vorgeschriebenen statistischen Standards. Doch die sind wohl überwiegend – wie es heißt, in 60 Prozent der Fälle – nicht eingehalten worden.

Anders ausgedrückt: Über 940 der „hochgerechneten“ Gemeinden zeigen größere Abweichungen als vorgegeben. Stolberg gehört dazu. Die Abweichquote wird mit 0,87 Prozent beziffert.

Zum Hintergrund: In Gemeinden mit mindestens 10.000 Einwohnern fand die sogenannte Haushaltsbefragung auf Stichprobenbasis statt. Die Auswahl der Haushalte erfolgte dabei „geschichtet nach einem mathematischen Zufallsverfahren auf der Grundlage des Anschriften- und Gebäuderegisters“. So nachzulesen im „Gesetz über den registergestützten Zensus“. Zweck: die „Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahl mit einer angestrebten Genauigkeit eines einfachen relativen Standardfehlers von höchstens 0,5 Prozent“. Je größer die Städte, desto kleiner offensichtlich die Abweichungen. So stehen Berlin und Hamburg mit Quoten von nur 0,13 und 0,21 Prozent gut da, während das hessische Hünstetten mit 1,23 und Sylt mit 1,21 Prozent die größten Abweichungen aufweisen.

Bisher war klar, dass Stolberg von der Erhebung im Jahr 1987 bis zum Jahr 2011 einen Verlust von 1271 Einwohnern (minus 2,2 Prozent) attestiert bekam und angeblich nur noch bei 56.206 Einwohnern rangieren soll. Jetzt weiß man in Verwaltung und Politik aber auch, dass die Zahlen nicht die Zuverlässigkeit besitzen, die sie haben sollen. Nichtsdestotrotz sind sie schon 2014 relevant: „als maßgebliche Bemessungsgrundlage zum Beispiel beim horizontalen und vertikalen Finanzausgleich sowie bei der Einteilung der Wahlkreise“, heißt es im Gesetz. Nicht zuletzt greife auch die Regional- und Sozialpolitik der Europäischen Union auf diese Basisdaten zurück, etwa bei der Vergabe von Mitteln aus den EU-Strukturfonds.

Die Gemeinden müssen sich nun fragen, wie sie mit den statistischen Fehlerquoten umgehen. Lohnt es, Widerspruch einzulegen? Der Stolberger Verwaltungsvorstand hat sich dagegen entschieden. Verfahren kosten Zeit und Geld, und niemand weiß, wie sie ausgehen. Außerdem hält man die Zahlen für relativ realitätsnah. Wurden im Vorjahr 57.501 Einwohner als Bemessungsgrundlage genommen, so werden es im kommenden Jahr 56.945 sein. Also nicht die „verlorenen“ 1271 weniger, sondern aufgrund statistischer Ausgleichsberechnungen nur 556. Und mit dieser Bezugsgröße, so die aktuelle Modellrechnung, gebe es 2014 fast zehn Millionen Euro mehr an Schlüsselzuweisungen als noch 2012. Dank positiver konjunktureller Entwicklung sollen Verbundsteuer und Länderfinanzausgleich 29,3 Millionen Euro in die Stadtkasse spülen.

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