Stolberg - Zeitzeuge: Theo Simon teilt seine Erinnerungen

Zeitzeuge: Theo Simon teilt seine Erinnerungen

Von: Thomas Waltl
Letzte Aktualisierung:
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Geschichtsunterricht mal anders: Die Schüler des Goethe-Gymnasiums haben im Zeitzeugengespräch mit Theo Simon lebendige Einblicke in die Grauen des Weiten Weltkriegs erhalten. Foto: Waltl

Stolberg. „Jugendliche zeigen kein Interesse an Themen wie Krieg und Zeitgeschichte.“ Eine Aussage, die wahrscheinlich schon jeder einmal in irgendeiner Art und Weise gehört hat. Auf die Schüler des Goethe-Gymnasiums in Stolberg trifft das aber keineswegs zu, schließlich waren es die Schüler selbst, die auf Theo Simon und Gisela Anger aufmerksam wurden.

Rund 60 Schüler durften sich nun die spannenden Erzählungen Simons anhören. Theo Simon, geboren im Jahr 1926, hat vor längerer Zeit seine Erfahrungen und Erlebnisse in der Hitlerjugend und Kriegsgefangenschaft niedergeschrieben.

In seiner Niederschrift erzählt Simon, der damals mit seiner gesamten Abiturklasse in den Krieg einzogen wurde, über die Kämpfe an der Front, seine Gefangenschaft in Frankreich und die darauffolgende riskante Flucht nach Hause. Er schreibt über Elend und Leid, unerträglichen Hunger, Krankheiten durch mangelnde Hygiene und von der Gewalt, der die Kriegsgefangenen teilweise ausgesetzt waren.

Gisela Anger war es, die auf die Idee kam, Simons Geschichte an Jugendliche weiterzugeben. Anger hat letztes Jahr in einem Gespräch mit Simon von der Niederschrift erfahren. Zuvor war das 40-seitige Manuskript fast niemandem bekannt. Nachdem Anger und Simon in diesem Jahr schon mehrere Vorlesungen in Aachen gegeben hatten, konnte das Goethe-Gymnasium die beiden nun nach Stolberg holen. Und auch 70 Jahre nach Kriegsende, zeigten sich die Schüler der Jahrgangsstufe 11 von den Erzählungen Simons begeistert.

Im Anschluss an die Vorlesung des zusammengefassten Manuskripts folgte eine Fragerunde mit Simon, und die Schüler schreckten auch vor kritischen Fragen nicht zurück. Zwei davon lauteten: „Wie ist sind Sie zur Hitlerjugend gekommen?“, „Haben Sie nach der Flucht Kontakt zu den Kollegen der Gefangenschaft gehalten?“ Simon beantwortete diese Fragen genau und umfangreich, so dass die rund zweistündige Veranstaltung auch einen sehr lebendigen Geschichtsunterricht für die Schüler bot.

Für Initiatorin Gisela Anger haben die Vorlesungen mit Theo Simon eine sehr wichtige Aufgabe: „Wenn wir uns die derzeitige Lage auf der Welt ansehen, sehen wir immer wieder Bilder aus Kriegsgebieten. Es ist wichtig, dass wir über das reden, was damals geschah und dafür kämpfen, dass so etwas hier nie wieder passiert.“

Diesen Worten ganz klar anschließen kann sich auch der ehemalige Kriegsgefangene: „Ich habe so viel Leid in dem Gefangenenlager gesehen. Menschen sind qualvoll gestorben. Auch ich war abgemergelt, weil wir so wenig zu essen bekamen.“

Harte Erfahrungen

Theo Simon, dem man die harten Erfahrungen in seinem Leben durchaus ansieht, zeigte sich dennoch locker und sorgte mit dem ein oder anderen Witz für Lacher bei Schülern und Lehrern. Abschließend gab er den Jugendlichen noch wichtige Worte mit auf den Weg: „Seid fleißig und hilfsbereit, aber lasst euch ja nicht alles gefallen. Mit dieser Einstellung bin ich vor allem in der Kriegsgefangenschaft sehr weit gekommen.“

Auch in Zukunft soll es, sofern es der gesundheitliche Zustand des 90-Jährigen zulässt, in Zusammenarbeit mit Gisela Anger weitere Vorlesungen an den Schulen in der Region geben. Nicht nur, weil es den beiden Spaß macht, sondern auch, weil sie das Thema Weltkrieg noch 70 Jahre später den Jugendlichen greifbar machen wollen.

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