Zauberer Christian Jedinat führt Menschen gerne hinters Licht

Von: Laura Beemelmanns
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Aufgepasst: Kartentricks beherrscht Zauberkünstler Christian Jedinat so einige. Wer möchte, kann solche und viele weitere Tricks bei ihm in der Akademie der Zauberkunst erlernen. Foto: Laura Beemelmanns
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Aufgepasst: Kartentricks beherrscht Zauberkünstler Christian Jedinat so einige. Wer möchte, kann solche und viele weitere Tricks bei ihm in der Akademie der Zauberkunst erlernen. Foto: Laura Beemelmanns

Stolberg. Für das, was Christian Jedinat beruflich macht, gibt es ziemlich viele hübsche Umschreibungen, und alleine das zeigt ja schon, dass er keinen alltäglichen Beruf hat. Er führt Menschen hinters Licht, er bindet ihnen Bären auf, er nimmt sie auf die Schippe, er führt sie an der Nase herum.

Ein Beruf, der nicht wirklich greifbar ist, das zeigen die Umschreibungen. Jedinat, 47, ist Zauberkünstler.

Zunächst war die Zauberei nur ein Hobby, aber Jedinat hat damals schnell gemerkt, dass er das auch zu seinem Beruf machen will. Rund 25 Jahre ist das jetzt her. Seinen Lebensunterhalt verdient er längst damit. Menschen zu verblüffen, sie zum Staunen zu bringen, das sei es, was er an der Zauberei so liebe, sagt Jedinat.

Aus seiner Zauberkunst macht er kein Geheimnis, er gibt sein Wissen weiter, verrät seine Tricks. Er gibt Zauberunterricht an seiner „Akademie der Zauberkunst“ in Aachen und vertreibt auch die passenden Utensilien – für jedermann.

Sein Büro hat er in Stolberg. Von dort aus versendet er Becherspiele, große Münzen, Zauberstäbe und Würfel in die ganze Welt. Rund 100 Artikel hat er in seinem Programm. „Das sind Requisiten aus eigener Herstellung.“ Jedinat sagt, er habe sie entwickelt und verwende sie auch bei seinen Kursen und Shows, die er in der Regel am Wochenende in Aachen gibt.

Auf die Frage, warum er seine Tricks verrät, antwortet Jedinat: „Mir gefällt es, mein Wissen an andere weiterzugeben. Wer Zaubern lernen will, soll auch das Recht dazu haben – und die Möglichkeit. Es ist nicht immer das Optimale, wenn man sich die Zauberkunst selbst beibringt.“ Bei ihm war das noch so. All sein Wissen hat er Büchern entnommen. Oder sich mit anderen Zauberern ausgetauscht. Youtube-Anleitungen gab es damals, vor 25 Jahren, nicht. Und die nächste Zauberschule sei in München gewesen.

Sechs Stunden am Tag

Damals lebte Jedinat noch in Heidelberg, war Zahntechniker. Doch dann gab es dieses eine Schlüsselerlebnis, wie er sagt. „Ich habe einen Straßenkünstler gesehen und war fasziniert.“ Er wollte ebenfalls Menschen unterhalten – so wie der Künstler auf der Straße.

Jedinat brachte sich das Jonglieren bei, fuhr Einrad und begann dann, auch Zaubertricks zu üben. Immer und immer wieder. „Für manche Tricks muss man jahrelang trainieren“, sagt Jedinat. Manches Mal macht er das sechs Stunden am Tag.

Dann gab er Einzelunterricht, später Kurse mit mehreren Teilnehmern. Vor rund zwei Jahren folgte der Umzug nach Stolberg beziehungsweise Aachen. Dort wolle er nun auch bleiben – und unterrichten. In seiner eigenen Schule. Für Jedinat sei die Schule in Teenager-Zeiten immer ein Graus gewesen. Aber jetzt sei das etwas anderes. Nun stehe er auf der anderen Seite, unterrichte, und könne Dinge beibringen, die er wirklich gerne mache. Zaubertricks zu erklären, das gefalle ihm. „Durch das Unterrichten erhält man einen noch besseren Einblick und man setzt sich mit den Kunsttücken viel intensiver auseinander“, sagt er. Es begeistere ihn, wie die Menschen, die ihm gegenübersitzen, Zaubertricks lernen, bei denen er sie unterstützen könne. Und gegenübersitzen ist da wörtlich gemeint. Denn Jedinat betreibt „Close-up-Zauberei“.

Er sitzt ganz nah bei seinen Schülern oder dem Publikum an einem schwarzen Tisch. Denn zusammen mit René Vander Vreken gibt er auch Shows in ihrem Black Table Magic Theater in Aachen am Kapuziner Karree. Dort befindet sich auch die Zauberschule.

Kritik von anderen Zauberkünstlern habe Jedinat zu Beginn seiner Zauberlehrer-Karriere schon einstecken müssen. Inzwischen sei das aber anders. Man akzeptiere ihn in der Branche. „Es gibt auch Schüler, die in unserer Zauberschule gelernt haben und sich später einen Namen gemacht haben“, sagt er.

„Etwas Besonderes können“

Die Menschen, die zu ihm kommen, seien im Schnitt zwischen 30 bis 35 Jahre alt. Das liege unter anderem auch daran, dass der Basiskurs 99 Euro koste. Sie kommen, „weil sie etwas Besonderes können möchten“, sagt der 47-Jährige.

Es sei aber keineswegs so, dass sie einen Zauberumhang, Zauberstab oder sonstige Utensilien mitbringen müssten. Es komme auf den Trick, den Zauber, an. Auf Schnickschnack lege er keinen Wert, sagt Jedinat. Das lenke nur ab. Daher ist in seinem und Vander Vrekens Black Table Magic Theater – wie der Name schon verrät – auch alles schwarz. Die Wände, die Vorhänge, der Tisch, die Stühle. Er selbst kleide sich auch immer in Schwarz, wenn er zaubere.

Viele Requisiten gebe es auch nicht. Ein paar Karten, Würfel, Becher und kleine Bälle. Am liebsten hält Jedinat die Karten in den Händen. „Sie sind ist ein tolles Requisit. Mit einem Spiel hat man unglaublich viele Möglichkeiten“, sagt er.

Die Kartentricks seien zudem die Königsdisziplin unter den Zaubertricks. Jedinat arbeite sehr gerne damit. Und er könne die Besucher oder Zauberschüler mit einbeziehen, indem er ihnen beispielsweise Karten in die Hand lege oder Fragen zum Spiel stelle. „Durch die Karten kann ich die Menschen involvieren. Es ist dadurch emotionaler. Und obwohl viele direkt daneben sitzen, ist es für sie nicht nachvollziehbar. Es ist das Erlebnis eines Wunders“, sagt Jedinat.

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