Wunsch nach Anerkennung lockt in die Schuldenfalle

Von: Heike Eisenmenger
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Wie widerstehe ich der Versuchung und entgehe der Schuldenfalle? Tanja Koglin (Bildhintergrund) gibt den Achtklässlern der Realschule I praktische Tipps. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Das neueste Handymodell, das angesagte Computerspiel, die trendigen Markenturnschuhe: Wer „in” sein will, muss diese Dinge haben. Das suggeriert uns zumindest die Werbung. Die Auswirkungen bekommen Schuldnerberater tagtäglich zu sehen.

Immer mehr Menschen sind verschuldet und besonders alarmierend ist, dass selbst Jugendliche schon Schulden haben.

Darum ist es wichtig, Kindern frühzeitig zu zeigen, wie man mit Geld umgeht. Die Sparkasse hat darum ein Schulprojekt mit dem Titel „Ich bin fit in Finanzen” für die achte Klasse auf den Weg gebracht.

Die Realschule I in Stolberg ist eine der weiterführenden Schulen in Stadt und Kreis Aachen, die beim Projekt für Achtklässler mitmacht. Insgesamt 63 Schulklassen sind dabei. „Die Resonanz ist durchweg positiv, auch die Eltern finden die Idee sehr gut”, bilanziert Elmar Schwartz von der Sparkasse.

Mit im Boot sind soziale Einrichtungen. In Stolberg ist es der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der unter anderem in der Schuldnerberatung tätig ist. In vier Doppelstunden entschlüsselt SkF-Beraterin Tanja Koglin gemeinsam mit den Schülern, was das Leben kostet, macht ihnen deutlich, mit welchen Tricks die Werbung arbeitet und in welche Preisfallen man nur zu leicht hineingeraten kann. Es geht aber auch um die generelle Einstellung, sprich, dass sich Coolness nicht über teure Markenklamotten und den ultramodernen Flachbildschirm definiert, sondern darüber, dass man Persönlichkeit hat.

Der verantwortungsvolle Umgang mit Geld kann nicht in vier Doppelstunden erlernt werden, dass ist den Beteiligten klar. „An dieser Stelle sind vor allem das Elternhaus, aber auch die Schule gefordert”, betont Ferdinand Küpper-Jacobs, Schulleiter der Realschule I.

Was das Projekt betrifft, treten die Lehrer bewusst in den Hintergrund: „Mit einem Lehrer, mit dem man täglich zu tun hat, überfinanzielle Dinge zu sprechen, ist manchen Schüler peinlich. Mit einer für sie fremden Person lässt es sich leichter reden”, sagt Küpper-Jacobs.

Durch das Projekt werden den Schülern die Augen geöffnet. „Die meisten haben die Vorstellung, dass sie nach der Schule eine Ausbildung machen und sofort ihre eigene Wohnung beziehen”, erzählt SkF-Beraterin Koglin. Die Gehaltsvorstellungen schwankten zwischen 3000 und 4000 Euro, „ein Auto haben sie selbstverständlich auch. Nachdem wir gemeinsam aufgelistet haben, was das alles kostet, ist die Mehrzahl der Schüler zu dem Entschluss gekommen, dass sie während der Ausbildung oder des Studiums doch besser noch zu Hause wohnen bleiben und erstmal für die erste eigene Wohnung sparen”, fasst die 27-Jährige zusammen.

Auch die psychologischen Tricks der Werbestrategen werden beleuchtet. „Man braucht sich doch nur in den großen Läden umzuschauen, fast ausnahmslos ist der Preis für die monatliche Ratenzahlung hervorgehoben, wird ein vermeintlich günstiger Preis vorgegaukelt”, sagt Küpper-Jacobs. „Die Jugendlichen bitten ihre Eltern, den Kaufvertrag für sie zu unterzeichnen und das tun viele auch. Es heißt zwar dann âDie Rate bezahlst du mir aber auch jeden Monat zurück!Ô, aber genauso schnell ist das auch schon wieder vergessen und die Eltern bezahlen die Playstation oder den Flachbildschirm ab”, verweist der Schulleiter auf einen fatalen Erziehungsfehler.

Auch das illegale Herunterladen von Liedern oder Filmen ist ein großes Problem. Oft ist den jungen Internetnutzern gar nicht klar, dass sie sich bereits durch einen einzigen Tastendruck strafbar machen. Ein Tastendruck, der sehr teuer wird. Die Jugendlichen waren erschrocken, als ihnen die Beraterin erzählte, dass in einem ihr bekannten Fall ein Mann 8000 Euro bezahlen musste, weil er aus dem Internet einen Film auf seinen Computer geladen hatte. Die Schüler erfuhren auch, dass Unwissenheit nicht vor Strafe schützt und dass in ihrem Fall die Eltern haftbar gemacht werden.

Wie sinnvoll es ist, die finanzielle Allgemeinbildung im Unterricht zu thematisieren, belegen auch die Statistiken. „Jeder fünfte Jugendliche, dazu zählen junge Menschen bis zum 27. Lebensjahr, ist bereits verschuldet”, nennt Koglin alarmierende Zahlen.
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