Stolberg - Wollen Frauen nicht mehr Fußball spielen?

Wollen Frauen nicht mehr Fußball spielen?

Von: Ottmar Hansen
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Hier kämpfen die Fußball-Profis Dominique Janssen und Dolores Jacome Silva (l) um den Ball. Doch der Frauen-Fußball in höheren Ligen ist offenbar keine Motivation für die Stolberger Damen. Foto: dpa
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Zumindest beim Training kann Trainer Anton Reuter vom FC Adler Büsbach oft nicht alle Spielerinnen seiner Mannschaft begrüßen.Aber immerhin ist das Maskottchen dabei. Foto: O. Hansen

Stolberg. Die deutsche Herren-Mannschaft ist unlängst Fußball-Weltmeister geworden, die der Frauen holte den Titel des Europameisters. Das müsste doch für reichlich Fußballbegeisterung in Stolberg sorgen, auch bei den Damen.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Der VfR Venwegen hat seine Frauenmannschaft jetzt vom Spielbetrieb abmelden müssen. Er bekam kein vollständiges Team mehr zusammen. Damit gehen nur noch zwei Stolberger Frauenmannschaften auf Torejagd.

Mit dem VfR Venwegen meldete sich ausgerechnet das Stolberger Frauenteam ab, das immerhin in der Bezirksliga spielte. In der Kreisliga spielen nun noch die Frauen-Vertretungen von Adler Büsbach und FC Breinigerberg.

Anja Hompesch, Frauenbeauftragte im Fußballkreis Aachen, sieht gleich mehrere Gründe für diese Abwärtsentwicklung im Frauenfußball der Region. Beginnend beim Alter der jungen Kickerinnen, die zunächst in die Jugendmannschaften eintreten. Wenn sie Ganztagsschulen besuchten, bliebe kaum noch Zeit für regelmäßiges Training übrig. „Und wenn die dann ihr Abitur haben, studieren sie in anderen Städten und sind weg.“ Ein weiterer Grund seien die Platzkapazitäten der Vereine. Hompesch: „Die Männerteams spielen schon sonntags. Da bleibt kaum noch Zeit für die Frauen, ihre Begegnungen auszutragen.“

Für Anja Hompesch gibt es eine ganze Liste weiterer Gründe für den Rückgang der Frauen-Fußballteams. „Mädels spielen nur aus Spaß an der Freude. Die bekommen kein Geld für ihren Einsatz auf dem Fußballplatz.“ Die Zahl der Ehrenamtler zur Betreuung der Damenteams gehe kontinuierlich zurück. Die Verletzungsgefahr bei zweimaligem Training in der Woche sei durchaus gegeben. Vor allem was die Kniegelenke angehe. Und außerdem: „Es ist offenbar immer noch nicht Normalität, dass Mädels Fußball spielen. Für viele ist Frauen-Fußball einfach eine andere Sportart.“

Aus diesen Gründen gingen dem Frauenfußball einfach „immer mehr Mädels verloren“, so Hompesch. Da sei es schon erfreulich, dass in der Kreisliga immerhin noch zwölf Teams um die Tabellenspitze spielten. Auch wenn es hier schon einmal 14 Mannschaften waren.

Dirk Turbanski, der das Venwegener Frauenteam trainierte, sah zuletzt einfach keine Chance mehr, die Saison vernünftig zu Ende zu spielen. „Dass wir zu wenig Spielerinnen haben, war Anfang des Jahres schon absehbar“, so der Trainer. Bis zum Ende der vergangenen Saison habe sich der Verein zwar noch halten können. „Doch jetzt haben zwei weitere Stammspielerinnen die Mannschaft verlassen“, bedauert der Trainer. Eine junge Frau gehe nach Amerika, die andere studiere künftig in Höxter. Beim Training zwei Mal die Woche stand der Übungsleiter, der eigens aus Düren anreisen muss, dann meist nur noch mit sechs Frauen auf dem Platz. Zu den Spielen habe man gerade noch zwölf Spielerinnen zusammen bekommen. Besonders schlimm sei der Verlust der Torhüterin, so Turbanski. Zuletzt habe man eine 55 Jahre alte Mutter im Tor aufgeboten. Da sei es einfach sinnvoller, die Mannschaft vom Spielbetrieb zurück zu ziehen.

Die verbleibenden Spielerinnen versuchten derzeit, bei anderen Vereinen unter zu kommen. Etwa beim Nachbarn in Kornelimünster. Wo die Trainingsbedingungen besser sind. Dies ist nach Auffassung Turbanskis auch ein Grund dafür, dass sich immer weniger Frauen der Mannschaft in Venwegen angeschlossen haben. Turbanski: „Bei uns stehen doch sonntagmorgens noch die Rehe auf dem Platz.“ Andere Vereine lockten nicht nur die Frauen, sondern auch Jugendliche mit modernen Kunstrasenplätzen zum Fußballspiel. Turbanski: „Es ist schade, aber derzeit wohl nicht mehr zu ändern.“

Auch Anton Reuter, Damentrainer von Adler Büsbach, bekommt nicht immer ein komplettes Team zu den Meisterschaftsspielen zusammen. „Das ist aber kein Grund für mich, die Mannschaft zurückzuziehen.“ Notfalls trete man eben in Unterzahl an. „Hauptsache, die Mädels haben Spaß an der Sache.“ Büsbach, das daheim auf einem Aschenplatz spielt, belegte zum Abschluss der vergangenen Saison den letzten Platz in der Kreisliga, ein Abstieg aus dieser Liga ist nicht möglich. „In den Jahren davor sind wir aber auch regelmäßig im Mittelfeld der Tabelle gelandet“, macht Reuter sich und seinen Schützlingen Mut.

Besser läuft es derzeit offenbar nur beim FC Breinigerberg, dessen Damen ebenfalls in der Kreisliga A kicken. „Wir bekommen normalerweise unsere Damenmannschaft zusammen“, versichert Geschäftsführer Anton Küffen. „Momentan haben wir sogar mehrere Neuzugänge, die allerdings leider noch nicht alle spielberechtigt sind.“

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