Wohnungssuche mit einem Dutzend Pferde

Von: Jürgen Lange
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Neuanfang nach über 30 Jahren: Karl-Heinz Klintworth (v.l.), Stute Donna, Friedel und Patrick Klintworth mit Lebensgefährtin Sarah Wenn sind glücklich mit der neuen „Pferde-Heimat” in Breinig. Foto: J. Lange

Stolberg-Breinig. Wer eine neues Zuhause sucht, hat es nicht immer leicht, eine Wohnung zu finden, die den passenden Platz bietet, gefällt und bezahlbar ist. Für Tierhalter ist das noch komplizierter - erst recht wenn neben dem Hund noch ein Dutzend Pferde nebst dazugehörendem Equipment zur Familie gehören.

Die Breiniger Familie Klintworth hat einen solchen Exodus jetzt gemeistert - und es nach langer Suche geschafft, den Stall im Dorf zu lassen: Auf dem weitläufigen Bauernhof von Stefan Lambertz an der Winterstraße ist die Familie in eine neue Ära gesprungen.

Dem Springsport und der Pferdezucht sind die Brüder von Kindesbeinen an verbunden, und über 30 Jahre war der in der Reiterszene wohl bekannte Name mit dem alten Gut an der Ecke von Stockemer Straße und Kastanienweg verbunden - bis vor gut einem Jahr die Pläne für das Neubaugebiet Frankenstraße reiften. Dort, wo heute auf den Wiesen die ersten Einfamilienhäuser hochgezogen werden, grasten im letzten Sommer noch die Pferde aus KlintworthÔscher Aufzucht.

Großvater Friedrich Klintworth hatten die Kriegswirren aus dem niedersächsichen Harsewinkel in die Region verschlagen. Er heiratete Martha Hunds, wohnte in Brand und arbeitete als Weber in der Tuchindustrie, während die Freizeit der Reiterei und auch dem Aufbau des Reit- und Fahrvereins Brand vorbehalten blieb. Klar, dass die Söhne Friedel, Karl-Heinz und Uwe schon in jungen Jahren im Sattel sitzen und im Parcours Erfolge feiern. Der nebenberufliche Traum vom „eigenen” Hof geht bald in Erfüllung - zunächst drei Jahre lang in Raeren, dann in Breinig. Als in den 70er Jahren aus den Wiesen an der Vennbahnlinie ein Neubaugebiet werden soll, zieht Bauer Lambert Zinsen von der Stockemer Straße nach Orsbach. Die Eigentümerin Maria Mörsheim sucht sich zum 1.Juni 1978 die Gebrüder Klintworth als Pächter aus; da waren Friedel 31 und „Charly” 26 Jahre alt.

Von dem Gut an der Stockemer Straße aus prägen sie als Amateure den Reitsport in der Region und weit darüber hinaus mit. Über Unterricht, Reitschüler, Pferde, Platzierungen und Zuchterfolge aus ihrem Stall können die Brüder stundenlang erzählen. Da zieht beispielsweise Pferdenachwuchs names „Glenn Miller” aus Breinig in den Stall des britischen Nationenpreisreiters John Witthaker, der spanische Kollege Pedro Sanchez Aleman nimmt „Corregia” in Beritt, und der Holsteiner „Caretino” wird in Portugal gekört. Nach Holstein machen sich die Brüder regelmäßig auf die Suche nach talentiertem Nachwuchs auf, der zunächst in der Eifel heranwächst, und dann später mit Charlys Sohn Patrick und seiner Lebensgefährtin Sarah Wenn die ersten Erfahrungen in der Reitbahn macht.

Während beim Leben mit den Pferden die Freizeit und die Jahre wie im Flug vergehen und 2003 das 25-jährige Bestehen der Stallgemeinschaft an der Stockemer Straße gefeiert wird, trifft die Familie im November 2008 die Nachricht wie ein Schock: Spätestens im Frühjahr 2010 muss das Gelände geräumt sein. „Sicherlich wussten wir, dass das einmal kommen wird”, gesteht Charly Klintworth (58) ein, „aber wir haben das immer verdrängt. Das war dann hart”. Besonders für den 31-jährigen Patrick, der sein ganzes Leben auf dem Gut in dem Neubaugebiet verbracht hat. „Wir hatten den teuersten Reitplatz der Welt”, scherzt Friedel (63) mit Blick auf die Baulandpreise in Breinig und blickt auf die nicht leichte Suche nach einer neuen Heimat für die Stallgemeinschaft mit einem Dutzend Pferden.

Alle packen beim Umbau mit an

„Über 30 Objekte haben wir uns dann in der ganzen Region angeschaut”. Es wird überlegt, abgewogen, geplant, verworfen - das wirklich Passende ist nicht drunter zu finden. Doch wie der Zufall so spielt, findet sich das Glück vor den Toren Breinigs - auf dem Bauerngut am Waldrand. Bei Stefan Lambertz findet das Team Klintworth einen idealen Ersatz mit eigenem Stall, großer Reithalle, Außenplätzen Reitwegeanschluss und Weidefläche.

Die Stallgemeinschaft zieht geschlossen um. Zuvor wird jedoch kräftig angepackt. In Eigenleistung wird ein ehemaliger Kuh- in einen luftigen Pferdestall umgebaut. „Alle haben mit viel Idealismus mitgeholfen”, freut sich Friedel über den freundschaftlichen Zusammenhalt, dem es wohl auch zu verdanken ist, dass die neue der alten Sattelkammer sehr ähnelt. „Das ist kein Zufall”, schmunzelt Patrick. Schließlich sitzen dort die Freunde nach der Reiterei noch oft und lange zusammen - früher an der Stockemer-, heute an der Winterstraße. Und in fünf Wochen kurzzeitig in der Aachen Soers, denn beim CHIO sind die Klintworths natürlich auch hinter den Kulissen aktiv.
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