Stolberg - Wohnanlage mit Modelcharakter: Süssendell wird einzigartig

Wohnanlage mit Modelcharakter: Süssendell wird einzigartig

Von: Jürgen Lange
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Auch nachdem die ungenutzte Ausflugsgastronomie auf Süssendell abgerissen sein wird, wird die neue Senioreneinrichtung mitten in der freien Natur liegen. Auf etwa 1,2 Hektar ist das Dorf für demente Senioren in das weitläufige sieben Hektar großen Gelände eingebettet. Foto: J. Lange

Stolberg. „Aus der Erfahrung heraus, dass demente Bewohner klassischer Altenhilfeeinrichtungen oftmals allein durch räumliche Strukturen Einschränkungen erfahren, entstand ein neuer Entwurfsgedanke für das Projekt“, berichtet Hans-Peter Barbeln zu der geplanten neuen Einrichtung auf Süssendell.

„Im Mittelpunkt stehen größtmögliche Entfaltungsmöglichkeit, Bewegungsfreiheit und die individuelle Freiheit der Bewohner“, erklärt der Geschäftsführer der „AWO Gesellschaft für Altenhilfeeinrichtungen mbH“ (Gesa) mit Sitz in Köln, die das ehemalige Hotelrestaurant abreißen und auf dem insgesamt sieben Hektar großen Areal ein in der Region bislang einzigartiges Projekt realisieren möchte.

Auf rund 1,2 Hektar möchte die Tochtergesellschaft des AWO Bezirksverbandes Mittelrhein eine Anlage mit fünf eingeschossigen Wohngebäuden sowie diverse Gemeinschaftseinrichtungen wie z. B. einen Werkhof, eine Gärtnerei und ein Backhaus, aber auch ein kleineres Café mit einem Außenbereich, die um einen so genannten Dorfplatz gruppiert werden. 80 vorrangig dementiell erkrankte Menschen sollen auf Süssendell eine neue Heimat finden.

„Das Projekt genießt Modelcharakter, da eine vergleichbare Einrichtung bisher nur in den Niederlanden realisiert wurde“, betont auch der städtische Planungschef Andreas Pickhardt und verweist auf die Beteiligung der Öffentlichkeit zur Planung. Noch bis einschließlich 17. Mai sind die Vorentwürfe im Rathaus ausgehängt oder können beim Planungsamt eingesehen werden, wo während der Dienstzeiten auch Anregungen vorgebracht werden können.

Die öffentliche Anhörung zum Entwurf des Bebauungsplans folgt am Donnerstag, 16. Mai, um 19.30 Uhr im Rathaus. Und für Donnerstag, 11. Juli, lädt die AWO Mittelrhein um 17 Uhr auf Süssendell alle Interessierte ein, sich umfassend über das Projekt zu informieren. Eine aktive oder auch wahrnehmende Teilnahme an Alltagsaktivitäten soll den dementiell erkrankten Bewohnern den nötigen Halt bieten und einen Lebensraum gewähren, der von Schutz, Hilfe und Freiheit geprägt ist. Sie sollen sich auf dem kompletten Gelände ihren Bedürfnissen entsprechend selbstständig bewegen.

Im Zentrum des „Dorfes“ soll ein Platz als Mittelpunkt zur Kommunikation dienen. Dort befindet sich ein Werkhof mit Anschluss an einen Bauerngarten und ein Gewächshaus, ein kleiner Laden und ein Andachtsraum. Weiter sind nach den Plänen dort ein Backhaus, ein Wellness-Pflegebad, die Wäscherei und die Verwaltung untergebracht.

„Dieser Platz ist Ort der Aktivität und Orientierung, hier strukturiert sich der Tages-, Wochen- und Jahresverlauf“, erklärt Barbeln, dass die Bewohner möglichst aktiv ihr Leben gestalten können sollen. Handwerkliche Tätigkeiten oder Gärtnern sollen beispielsweise Abwechslung und Struktur in den Tagesablauf bringen. Außerdem sollen auf dem bewusst naturbelassenen Grundstück Obstwiesen entstehen und die Möglichkeiten zur Tierhaltung genutzt werden können, die den Charakter der Anlage zusätzlich betonen.

Bezug ab Frühjahr 2015

Um den Dorfplatz herum sind ebenerdig die fünf Wohneinheiten mit den Eingängen zum Platz hin angeordnet. Gleichwohl soll das weitläufige Areal nicht nur für die Bewohner im Inneren, sondern auch für Besucher eine offene Einrichtung, so dass Süssendell seinen Charakter als Ausflugsort in dem attraktiven Naherholungsgebiet nicht verlieren muss. Ein Café nebst Terrasse lädt zum Verweilen ein. Parkplätze für Besucher und Mitarbeiter liegen an der Zufahrt der Senioreneinrichtung, deren Gelände selbst weitestgehend autofrei bleibt.

Auch bei den barrierefreien Gebäuden will die AWO Mittelrhein Akzente setzen. Sie sollen in energieeffizienter und ökologisch zeitgemäßer Bauweise errichtet werden. Bei der Ausstattung der dem jeweiligen Grad der Erkrankung angepassten Wohnungen wird Wert gelegt auf eine individuelle Note.

Feste Bestandteile sind nach den Vorstellungen der AWO eine Wohnküche, ein Wohnzimmerbereich, ein als Einzelzimmer mit eigenem Bad angelegtes Bewohnerzimmer sowie erforderliche Nebenräume. Für Schwerstpflegebedürftige werden besondere Ausstattungsmerkmale vorgesehen, macht Brabeln auch auf den Erfahrungsschatz seiner Organisation aufmerksam. Die AWO-Gesa betreibt zwölf stationäre Altenhilfeeinrichtungen mit rund 1600 Plätzen im Bezirk, unter anderem auch in Düren und Herzogenrath.

Verläuft die Bauleitplanung wie erwartet, hofft die AWO bis Ende diesen Jahres die Baugenehmigung zu erhalten, so dass 2014 abgerissen und aufgebaut werden kann. Die ersten Bewohner könnten dann im Frühjahr 2015 das neue Heim beziehen.

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