Stolberg - Wo früher Klausuren geschrieben wurden, wird bald gegessen

Wo früher Klausuren geschrieben wurden, wird bald gegessen

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
ritze-mensa-bu
Hier wird bald gegessen: Die alte Pausenhalle des Ritzefeld-Gymnasiums im Hintergrund wird zur Schulmensa umgebaut. Bis dahin dient ein Raum unter der Turnhalle als Provisorium. Foto: K. Linden

Stolberg. Zuletzt häuften sie sich, die guten Nachrichten im Ritzefeld-Gymnasium. Das war nicht immer so. Erst im vergangenen Oktober konnte die Laune von Schulleiter Burghart Klein kaum schlechter sein, hatte seine Schule doch im Rat eine knappe Abstimmungsniederlage gegen das Goethe-Gymnasium um die prioritäre Nominierung zum gebundenen Ganztagsgymnasium hingenommen - obwohl alle Fraktionen der Schule ein hervorragendes Konzept bescheinigt hatten.

Längst ist der Ärger echter Freude gewichen, denn das „Ritze” wurde kurzerhand nachnominiert und wird nun - schneller als erwartet - gleichzeitig mit dem „Goethe” zum gebundenen Ganztagsgymnasium. Und so ganz nebenbei gab das Schulministerium in dieser Woche noch die besten Teilnehmer der Lernstandserhebungen im vergangenen Frühjahr bekannt - und das Ritze ist dabei (wir berichteten).

Lehrer, Eltern und Schüler haben offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht, nun geht es darum, das Profil der Schule weiter zu schärfen. „Mit dem Französisch-Leistungskurs und unseren Partnerschulen in Frankreich und Polen haben wir ganz klar ein sprachliches Profil”, sagt Klein. „Das zweite Standbein ist unser Profil in Mathematik und den Naturwissenschaften”, fährt er fort. Die Schule, die zum neuen Halbjahr fünf neue Lehrkräfte bekommt, habe bei den Einstelungen gerade auf diesen Bereich viel Wert gelegt.

Im neuen Schuljahr sollen die Fünftklässler, die dann den gebundenen Ganztag einläuten, bereits in Informatik unterrichtet werden, denn: „Nach der Mittelstufe sollte jeder Schüler mit dem Programmpaket Office umgehen können”, sagt Klein. „Ich erwarte einfach in der Oberstufe, dass die Schüler Power-Point-Präsentationen erstellen. Wir bewerten das auch.”

Als drittes Standbein sieht Klein den musisch-kreativen Bereich. Bigband, Chor und Orchester gehören längst zur Grundausstattung, die Vernissage der nächsten Kunstausstellung im Museum Zinkhütter Hof ist für den 1. März geplant. „Diese Standbeine wollen wir im gebundenen Ganztag noch deutlicher ausbauen”, sagt Klein, „zum Beispiel durch Sportangebote und Angebote externer Partner.”

Zu diesen gehören neben dem Industriemuseum, mit dessen Forum die Zusammenarbeit noch intensiviert werden soll, die Firma St. Gobain Sekurit, die AOK, die mit Grünenthal gemeinsam Bewerbungstrainings für die Zwölftklässler durchführt, und das Grenzlandtheater, mit dem es als Partner für die Theater-Ag´s jedes Jahr mindestens zwei Aufführungen gibt. Gespräche über weitere Kooperationen gibt es mit der Stadtbibliothek, der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde und verschiedenen Sportvereinen.

„Die Eltern in Stolberg haben in Zukunft die Wahl zwischen gebundenem Ganztag und gebundenem Ganztag”, sagt Klein und sieht darin einen klaren Vorteil für alle: „Ich bin ganz sicher, nach einer Eingewöhnungsphase wird er von allen akzeptiert werden, auch von denen, die noch zweifeln.” Schon jetzt sehe er gerade bei den Klassen 9, die am „Ritze” als erste das Turbo-Abi in acht Jahren machen, „dass es ohne Mittagessen nicht mehr geht”. Immerhin biete der gebundene Ganztag auch die Möglichkeit zur Hausaufgabenbetreuung in der Schule. „Wenn die Schüler nachmittags nach Hause kommen, ist das Gros der hausaufgaben gemacht.”

Und während beim Goethe-Gymnasium Stadt und Schule noch mitten in den Planungen stecken und gerade dabei sind, unterschiedliche Vorstellungen unter einen Hut zu bekommen, ist man in Sachen Mensabau beim Ritzefeld-Gymnasium schon einen Schritt weiter. „Dort wird im Bestand gebaut”, erklärt Ulrich Coopmann, Leiter des Hochbauamtes, auf Anfrage unserer Zeitung.

Mangels freier Flächen kommt ein Neubau an der Ritzefeldstraße nämlich nicht in Frage. Stattdessen wird der untere, verglaste Bau, den man von der Frankentalstraße aus sieht, zur Mensa umfunktioniert. Mit einbezogen werden zwei derzeitige Klassenräume, darunter die frühere Waschküche der ehemaligen Frauenoberschule, die vor etwa sechs Jahren zum Klassenraum für den Oberstufenunterricht um-funktioniert worden war.

Noch wird dieser Gebäudeteil als geschlossene Pausenhalle benutzt, die dann zwar wegfiele. Aber: „Auf dem oberen Schulhof gibt es einen großen überdachten Bereich”, erklärt Coopmann, dass der Bedarf an Pausenraum für den Regenfall gedeckt sei.

Saniert werden muss dort das Dach des Anbaus, aus der Einfach- wird eine Doppelverglasung, „damit geheizt werden kann”, sagt Klein. In die hintere Glasfront wird eine Türe eingesetzt, damit die Schüler im Sommer auch auf der Außenterrasse essen können, außerdem wird schräg gegenüber ein separater Eingang geschaffen.

Wann mit dem Umbau begonnen werden kann, ist noch nicht geklärt. „Wir müssen auf den Haushalt warten”, sagen Coopmann und Klein unisono. Der Schulleiter hofft aber, dass es Ende des Jahres losgeht.

Provisorisch wird ohnehin schon ab Februar Mittagessen ausgegeben. Und zwar im früheren Kunst- und Medienraum, der sich unterhalb der Turnhalle der Schule befindet. „Die Folterkammer”, scherzt Klein, denn zuletzt wurden in dem Raum, den die Stadt vom Schimmel befreit und Hausmeister Michael Kiel kunstvoll gestrichen hat, Klausuren geschrieben. Nicht gerade eine Lieblingsbetätigung für Schüler.

Das Essen dürfte da besser ankommen. Zwar werden zuerst noch neue Fenster eingesetzt und marode Deckenelemente ausgetauscht, doch dann kann montags, mittwochs und freitags serviert werden. Und wenn schließlich die neue Mensa fertig, müssen sich die Schüler keine Sorgen machen: Die Folterkammer wird nicht mehr reaktiviert, dort entsteht für die Pausen ein attraktiver Aufenthaltsraum.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert