Wirtschaftsförderung ist in Stolberg jetzt Chefsache

Von: Jürgen Lange
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Stolberg soll als ausgezeichne
Stolberg soll als ausgezeichneter Standort für Unternehmen neu positioniert werden. Foto: J. Lange

Stolberg. „Ich habe zwar keine Wirtschaftsförderung studiert”, bekennt Ferdi Gatzweiler freimütig, „aber Gespräche, Verhandlungen und vor allem Gestalten, das liegt mir”. Und einen zurückkehrenden Spielraum, die wirtschaftliche Entwicklung der Kupferstadt flankierend gestalten zu können, entdeckt der Bürgermeister mit einer absehbar finanziellen Genesung der städtischen Finanzen.

Seit Monatsbeginn hat der Verwaltungschef in enger Abstimmung mit dem Stadtrat die Wirtschaftsförderung als Chefsache übernommen. „In den vergangenen Jahren waren uns als Stadt die Hände gebunden”, verweist Gatzweiler auf die Bestimmungen der Gemeindeordnung während der Übergangswirtschaft. „Wirtschaftsförderung gilt als eine freiwillige Aufgabe, obwohl selbst die Aufsichtsbehörden der Meinung sind, das dies falsch ist.”

Geld durfte Stolberg nicht einmal für Prospekte, Werbung oder so viele kleine Dinge, die Unternehmen das Leben angenehmer machen würden, ausgeben. „Angesichts dieser Lage können wir stolz darauf sein, dass wir den Level gehalten haben”, lobt Gatzweiler Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt und sein Team, die sich im Rahmen der Möglichkeiten engagiert haben, den Bestand zu pflegen und neue Gewerbetreibende zu gewinnen.

Es ist eine langfristige Aufgabe, die Ferdi Gatzweiler nun mit neuer Kraft auf die Schiene setzen will - „auch für kommende Bürgermeister-Generationen”. Da setzt der Verwaltungschef neben der Pflege der örtlichen Gewerbetreibenden vor allem auf das Schaffen von Rahmenbedingungen für neue Unternehmen. „Dabei spielen zunehmend weiche Standortfaktoren eine Rolle”.

Gut aufgestellt sieht Gatzweiler Stolberg bei Kindertagesstätten, Schulen, Sport, Kultur- und Freizeitangebot sowie natürlich der Altstadt. „Aber es gibt 1,5 Stellen, an denen wir kräftig arbeiten müssen”. Das Erscheinungsbild und das Image Stolbergs machen immer wieder hoffnungsvolle Ansiedlungskontakte zunichte.

Da sieht es Ferdi Gatzweiler als eine stete Herausforderung an, auf Basis der Magisterarbeit von Susanne Kaivers „immer wieder die positiven Dinge in den Vordergrund zu stellen”. Dazu gehört auch echte Überzeugungsarbeit manchem Stolberger gegenüber: „Viele reden ihre Stadt immer noch schlechter als sie ist”.

Mit frischen Impressionen aus seinem Frankreich-Urlaub hat Gatz­weiler ein weiteres Handlungsfeld auf seine Fahnen geschrieben: „Wider die Tristesse”. Mehr Sauberkeit ist gefordert, Beete sollen besser gepflegt, Blumen allerorten einen freundlichen Eindruck vermitteln, und „wir brauchen ansprechend gestaltete Ortseingänge”, spricht der Bürgermeister vielen Stolbergern aus der Seele.

„Wir müssen Vertrauen in unsere Stadt aufbauen und Firmen klar machen, welchen Mehrwert ihnen Stolberg bietet, erst recht angesichts des hohen Gewerbesteuersatzes”. Dabei ist Gatzweiler sich bewusst, dass solches Engagement auch ein paar Euro kostet, und sucht nicht nur deshalb auch den Schulterschluss mit dem Stadtrat und insbesondere seiner Mehrheit: „Neue Vermarktungsstrategien müssen entwickelt werden”.

Dies gilt für das Gewerbegebiet Camp Astrid ebenso wie für die Gewinnung zukünftiger Ansiedlungsflächen. „Wir müssen zwar weiter für einen Anschluss von Camp Astrid an die Autobahn kämpfen”, betont Gatzweiler. Aber ob und wann der realisiert sein wird, ist offen. Deshalb sollen neue Impulse für eine Vermarktung des Flächenpotenzials Akzente setzen.

Deshalb will der Bürgermeister auch persönlich im Oktober auf der Expo Real in München, der bedeutendsten Messe für Gewerbeimmobilien und Investitionen, Kontakte knüpfen und sich über Vermarktungsstrategien informieren.

Mit einem Autobahnanschluss in Eilendorf würde auch ein bislang ungenutztes Industriegebiet einen direkten Zugang ans Fernstraßennetz verfügen: Das Plateau der Kohlbuschhalde harrt seit zwei Jahrzehnten seiner Entwicklung. „Das Thema ist komplex und es ist schwierig, aber mit einer gewissen Risikobereitschaft bietet das Gelände ein großes Potenzial”, will der oberste Wirtschaftsförderer diese Herausforderung ebenso annehmen wie die Industriebrachen neben dem Hauptbahnhof zu reaktivieren und Expansionsflächen in Mausbach zu entwickeln.

„Wir brauchen weitere Gewerbeflächen”, will angesichts der Entwicklungsperioden der Bürgermeister für zukünftige Generationen vorsorgen und setzt dabei ebenso auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Stadtrat wie bei der Akquise neuer Unternehmen. „Soll die Erfolg haben, darf nicht jede Kleinigkeit zeitaufwendig in Gremien zerredet werden”, schwebt dem Verwaltungschef eine intensive Abstimmung mit den Fraktionen vor, bevor politische Beschlüsse gefasst werden.

Gleiches gilt für einen Ausbau von Einzelhandelsstandorten und eine Reaktivierung der Innenstadt. „Mit einem zurück gewonnenen Handlungsspielraum eröffnen sich auch für den Steinweg neue Perspektiven”, will Ferdi Gatzweiler wieder bestehende Pläne für die Zukunft aufgreifen und denkt bereits heute daran, den Vichtbach morgen stärker ins Stadtbild zu rücken. Auch in diesem Fall hält er eine städtische Vorleistung für erforderlich, um Investoren für ein Engagement gewinnen zu können.

Neben der Inszenierung von Zukunftsszenarien soll die Pflege von heimischer Industrie, Handel und Gewerbe nicht zu kurz kommen. Dabei setzt der Bürgermeister weniger auf plakative und öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen als mehr auf individuelle Hilfestellungen bei Problemen, Perspektiven und Optionen. „Kleinere Gesprächsrunden haben schon immer in der Vergangenheit stattgefunden, und die soll es neben einer konsequenten Kontaktpflege auch in Zukunft geben”, bietet Ferdi Gatz­weiler allen Interessierten seine stete Unterstützung an.

„Es macht richtig Spaß, in Stolberg Wirtschaftsförderung gestalten zu können”, packt der Bürgermeister seine neue Aufgabe mit Elan an.
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