Stolberg - Wirtschaftsförderung: Innovation ist viel einfacher als gedacht

Wirtschaftsförderung: Innovation ist viel einfacher als gedacht

Von: Jürgen Lange
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So wird man innovativ: In kleinen Arbeitsgruppen motivierte Daniël Lagarde (Mitte) neue Wege zur Entwicklung zu gehen. Foto: J. Lange
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Als Moderatorin versprach unsere Redakteurin Laura Beemelmanns den Teilnehmern nicht nur Arbeit, sondern durfte gleich selbst mit anpacken. Foto: J. Lange
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Geschäftsführer Dr. Stephan Kranz erläuterte wie Saint-Gobain Sekurit Innovation Foto: J. Lange

Stolberg. Es ist doch gar nicht so schwer, innovativ zu sein. Nach der ersten Halbzeit und einem intensiven Austausch innerhalb der Arbeitsgruppen mit Vertretern aus Unternehmen, Kammern und Institutionen liegen die ersten vier neuen Geschäftsmodelle auf dem Tisch.

Ein Beispiel dafür ist der „Duftdreher“, ein sogenannter Antistresskegel mit austauschbarer Parfümkapsel als innovatives Werbegeschenk mit dem Gute-Laune-Duft. Klar, ein Metall verarbeitender Betrieb und ein Parfümhersteller haben hier über Kreuz getüftelt. „Hand trifft Hirn“ als Plattform zur Ideenübersicht ist ein anderes Ergebnis des Abends, der mit dem Titel „Innovatia“ auf eine erfolgreiche „Zukunft durch Innovation“ einstimmen soll.

Vielfältige Förderkulisse

Neben dem Stolberger Wirtschaftsförderungsamt hat die Agit als Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer ein abwechslungsreiches und informatives Programm im Zinkhütter Hof angeboten. Und unsere Redakteurin Laura Beemelmanns versprach als Moderatorin des Abends nicht zu unrecht: „Sie kommen ans Arbeiten!“

Und dabei konnten die Teilnehmer „Nutzen für das Unternehmen ziehen“, wie es Bürgermeister Tim Grüttemeier formulierte. Dabei war die Kombination aus Workshop-Arbeit und Vorträgen auch für die Agit „ein Experiment“, das für Geschäftsführer Dr. Lothar Mahnke auch im übertragenen Sinne passend war: Antworten zu finden auf die Frage, „Wie bringe ich Innovation in mein Unternehmen?“ Alleine nur eine gute Idee zu haben, sei noch keine Innovation, aber ohne Innovation könne ein Unternehmen nicht prosperieren. Wenn die Idee wirklich viel versprechend ist, müsse sie mit System und einem gut geknüpften Netzwerk in die Realität umgesetzt werden, so Mahnke.

Bis zu 100 Prozent Förderung

Sein Kollege Florian Deutz skizzierte denn auch die vielfältigen und themenspezifischen Netzwerke und Angebote, die die Agit in der Region geknüpft hat. Ganz konkrete Tipps kamen dann von Dr. Bernhard Iking von der „Zenit“. Das Zentrum für Innovation und Technik in NRW ist eine 1984 gegründete Gesellschaft des Landes, eines Bankenkonsortiums sowie eines Trägervereins, die den Strukturwandel im Land insbesondere durch die Förderung von Innovation und Technik bei kleinen und mittleren Unternehmen begleiten soll.

Dabei erweist sich die Förderkulisse, die EU, Bund und Land anbietet, so unterschiedlich in ihren individuellen Zielen, Möglichkeiten und finanzieller Unterstützung auf einer Skala von einfach bis kompliziert, dass Iking den Unternehmen eine intensive Beratung empfiehlt, für welchen Kurs sie sich am besten entscheiden. Dass aber eine Förderung von Innovation innerbetrieblicher Art oder bei der Produktentwicklung nicht außer Acht gelassen werden sollte, machte er anhand mehrerer Beispiele deutlich, die bis zu einer 100-prozentigen Bezuschussung reichen können. „Aber der Teufel steckt im Detail“, mahnte Iking.

Damit die Teilnehmer selbst schnell und einfach ihre Kreativität unter Beweis stellen konnten, nahm sie Daniël Lagarde vom niederländischen Beratungsunternehmen „Wander“ quasi an die Hand. Die erste Lektion beinhaltete das Ausfüllen von Kreisen auf einem Blatt Papier nach dem Motto „Wer hat eine Idee, was ein Kreis sein kann?“. Runde eins waren die eigenen Ideen, in Runde zwei ließ man sich von den Tischnachbarn inspirieren, in Runde drei wurden die Blätter ausgetauscht und bald waren „innovative Durchbrüche“ erzielt. Aus gezeichneten Blumen und Pizzas einzelner Kreise wurden ganze Kreisgebilde mit Schneemännern, Fahrrädern, Planeten: „Ich bin ein genialer Innovateur“, bilanzierte Lagarde die erreichten Blicke auf das für unmöglich gehaltene – ein erster Eisbrecher, sich auf Neuerungen einzulassen, gelang.

Visionen eines Weltkonzerns

In einer zweiten Lektion durften die Teilnehmer beginnend mit ihren Basisinformationen über ihr Unternehmen, Produkt und Alleinstellungsmerkmal kundenorientiert an Erfindungen arbeiten – ganz und gar Branchen und Institutionen übergreifend. Mit Applaus wurden die einzelnen Projekte vorgestellt, die an diesem Abend virtuell blieben.

Aber wie und warum ein Weltkonzern Visionen entwickelt und sie in die Realität entwickelt, das führte zum krönenden Abschluss Dr. Stephan Kranz eindrucksvoll vor Augen. Früher entwickelte Saint-Gobain auf Basis der Kundenwünsche mögliche Lösungen bevor bei einem Zuschlag Entwicklung und Produktion in Gang gesetzt wurden. Mit dieser passiven Haltung stand das Unternehmen abhängig von den Auftragsgebern – nahezu auf Augenhöhe mit Mitbewerbern.

Heute sieht das anders aus. Die Sekurit-Experten sondieren frühzeitig die Mega-Trends auf eine Markttauglichkeit, versuchen sie in Technologie umzusetzen, um daraus Produkte und Lösungen zu entwickeln, die vorab Kunden angeboten und gemeinsam zur Marktreife gebracht werden können. Somit können innovative Produkte potenziellen Auftraggebern angeboten werden; Saint-Gobain unterscheidet sich von Mitbewerbern. Bei der Produktion von Autoscheiben bestimmen beispielsweise Konnektivität, Komfort und autonomes Fahren nachhaltige Entwicklungsziele.

Mit ihren Visionen will Sekurit – die Nr. 1 in Europa und weltweit die Nr. 2 – seine Marktführerschaft ausbauen und einen Mehrwert für das Unternehmen schaffen. Innovation wird zum Schlüssel für den Markt. Damit werden die Produkte qualitativer und komplexer; Glas wird mittels zusätzlicher Technologien zu einem aktiven Bauteil im Auto. Sensoren für Scheibenwischer und Licht sowie integrierte LED und Antennen sind bereits bekannter. Die Funktionalität von Glas wird weiter zunehmen.

Zukünftig können Armaturen in die Windschutzscheibe gespiegelt werden, diese wird per Fingerdruck zur Steuereinheit oder mit einem Wischen verdunkelt oder zum Filmbildschirm. Die Visionen der „augmented reality“, einer von Computern unterstützten, erweiterten Sinneswahrnehmen stehen vor der Realität.

Beeindruckend sind die Beispiele, die Kranz dem Auditorium vor Augen führt: „Das Autofahren wird sich verändern“, sagt der Saint-Gobain-Manager. Vergleichbares gilt zudem für die Produktion von Bauglas. Und trotz vielfältiger zusätzlicher Funktionen wird Glas zukünftig immer dünner werden können, was bei der Gewichtsreduzierung der Fahrzeuge hilft und somit die Elektromobilität fördert.

Neue Produktionsmethoden

Ebenso wie bei der Produktentwicklung setzt Saint-Gobain unternehmensintern auf Innovation. Etwa im Bereich der Integration der Mitarbeiter in die Arbeitsorganisation, in flexiblere Arbeitszeiten und Schulung. In Herzogenrath entsteht eigens ein Campus (wir berichteten). Gleiches gilt für Arbeitsprozesse. Der Trend geht zum mitarbeiter-gebundenen Arbeitsfluss, neuen Produktionslinien, die die Herstellung kleiner Stückzahlen wirtschaftlich werden lassen, und Datenbanken, die den nächsten Produktionsschritt voraussehen und dem Mitarbeiter vorschlagen.

„Der Zyklus von Veränderungen wird immer schneller“, sagt Kranz. Nur mit Innovation könne ein Unternehmen sein Know how in Wert setzen.

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