Wirte klagen über Umsatzeinbußen wegen des Rauchverbotes

Von: Dirk Müller
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Der Zigarettenrauch in den Stolberger Eck- und Altstadtkneipen gehört der Vergangenheit an, die Zufriedenheit vieler Gäste und Wirte scheinbar auch. Foto: D. Müller

Stolberg. Nach dem Inkrafttreten des verschärften Nichtraucherschutzgesetzes, das absolutes Rauchverbot in Kneipen bedeutet, stellt sich die Situation der Stolberger Wirte durchaus unterschiedlich dar. Dennoch finden die von unserer Zeitung befragten Gastronomen auch gemeinsame Nenner wie: „Kein einziger Nichtraucher ist zu den Gästen dazugekommen.“

Das sagt zum Beispiel Ida Baum, Betreiberin der Gaststätte „Zur Erzgrube“ in Mausbach. Die rauchenden Stammgäste seien ihr zwar weitgehend treu geblieben, aber leichte Umsatzeinbußen müsse sie trotzdem hinnehmen, erklärt Baum: „Einige Raucher bleiben nicht mehr solange in der Gaststätte. Außerdem gehen sie immer wieder zum Rauchen vor die Türe, und wer draußen ist, verzehrt nichts.“ Dramatischer beschreibt Rita-Lucia Bürger die Umstände in ihrem Gressenicher „Bistro Omerbach“: „Besonders abends bleiben viele Raucher fern, und das führt dazu, dass auch weniger Nichtraucher kommen, weil ihnen die Gesellschaft fehlt.“

Bürger zählt an den Abenden bis zu 50 Prozent weniger Umsatz und fürchtet um ihre Gaststätte. „Ewig kann ein Wirt das nicht durchhalten. Besonders für Dörfer wie Gressenich wäre es sehr schade, wenn Kneipen schließen müssen, denn sie sind wichtige Kommunikations- und Treffpunkte für die Dorfkultur. Weniger Gaststätten kommt auch weniger Lebensqualität für die Menschen gleich.“  Konkurrenz würden die Kneipen jetzt durch andere Kommunikations- und Treffpunkte bekommen, sagt Johannes Lang. Er geht erst einmal vor die Türe seiner „Alten Brennerei“ in der Velau, um zu rauchen und sich zu beruhigen.

„Man könnte fast darüber lachen, wenn der Scherz nicht so schlecht wäre“, meint Lang und zielt auf Sonnenstudios und Friseursalons ab, in denen im Gegensatz zu den Kneipen weiterhin geraucht werden darf. „Das ist für uns Wirte, die wir nun ums Überleben kämpfen müssen, und für unsere rauchenden Gäste doch der blanke Hohn.“ Kurios wie die gesetzliche Regelung seien auch manche Szenen, die sich in seiner typischen Eckkneipe abspielen: „Ich hatte an einem Samstagabend ganze acht Gäste in der Kneipe. Sieben von ihnen sind dann mit dem Wirt nach draußen gegangen um zu rauchen, und einer blieb alleine am Tresen sitzen.“


An den ersten qualmfreien Wochenenden habe Lang 60 Prozent weniger Umsatz verbucht und müsse Konsequenzen ziehen: „Zunächst muss ich die Anzahl und Einsätze der Bedienungen verringern. Mit weniger Gästen, brauche ich auch weniger Kellnerinnen und bin gezwungen, Kosten einzusparen“, erklärt Lang. Mittelfristig werde er die weitere Entwicklung genau beobachten, um rechtzeitig reagieren zu können. „Bevor ich mich aussichtslos verschulde, schließe ich die Kneipe.“ Im Mausbacher „Café-Bistro Willis Event“ hingegen ist Willi Weirauch eher entspannt – noch.


„Momentan sind die Umsatzeinbußen für uns überschaubar und zu verkraften, aber der nächste Winter kommt bestimmt. Ich fürchte ab dem Herbst wird es bitter.“ Wie die anderen Wirte lobt Weirauch die Einsicht der Raucher. „Aus Gewohnheit steckt sich mancher schon mal eine an, aber wenn man den Gast drauf aufmerksam macht, geht er ohne zu murren mit der Zigarette vor die Türe.“ Die Raucher wüssten, dass nicht der Wirt das Gesetz zu verantworten habe, und Ärger mit den Gästen habe es bisher nicht gegeben. Übereinstimmend sind auch die Aussagen, dass die Geselligkeit in den Gaststätten leide.
„Ob beim Knobeln oder Kartenspielen, ständig müssen die Raucher rausgehen.

Die Gemütlichkeit ist verloren gegangen“, meint Weirauch. Baum sagt, dass wegen häufiger „Rauchunterbrechungen“ viele Gespräche gar nicht mehr zu Ende geführt würden. „Eigentlich sehr gesellige Gruppen fallen viel früher auseinander. Raucher wie Nichtraucher sind genervt und bleiben nur die Hälfte der vorher üblichen Zeit in der Gaststätte“, hadert Bürger.

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