Stolberg-Zweifall - Wird aus dem Kloster ein Kinderheim?

Wird aus dem Kloster ein Kinderheim?

Von: Sarah-Lena Gombert
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Das ehemalige Kloster oberhalb der Ortschaft Zweifall haben sich die Verantwortlichen des Vereins „Haus Ilyas“ ausgeguckt: Hier wollen sie ein Kinderheim für traumatisierte Mädchen errichten. Foto: S.-L. Gombert
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Schwester Maria Regina (von links), Hans Hoffmann und Britta Langguth wollen das Projekt „Kinderheim“ gerne gemeinsam umsetzen.

Stolberg-Zweifall. Dort, wo bis vor wenigen Jahren die Zweifaller Karmelitinnen in Klausur lebten, könnten bald traumatisierte Mädchen ein neues Zuhause finden: Zumindest, wenn es nach Britta und Dirk Langguth geht. Das Ehepaar aus dem Selfkant hat im vergangenen Jahr den Verein „Haus Ilyas“ ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, sich um traumatisierte Kinder zu kümmern.

Um dieses Ziel zu verwirklichen, brauchen die Langguths momentan zwei Dinge: Sponsoren, die ihr Vorhaben unterstützen. Und ein Heim, in dem die Kinder unterkommen sollen. Eben dieses Heim wollen sie gerne in dem ehemaligen Kloster in Zweifall aufbauen. Im Gespräch mit unserer Zeitung haben Britta Langguth und Hans Hoffmann vom „Haus Ilyas“ die Pläne des Vereins vorgestellt.

Demnach sollen in Zweifall traumatisierte Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren ein neues Zuhause finden. „Das alte Kloster der Karmelitinnen ist für unser Vorhaben ideal. Die Kammern der Schwestern können wir zu Kinderzimmern umfunktionieren“, sagt Britta Langguth. Die weiteren Räume und vor allem der zum Kloster gehörige Garten seien für die Therapieangebote, die der Verein anstrebt, gut geeignet.

„Wir wollen unser Konzept auf drei Standbeine stellen“, erklärt Hans Hoffmann, Pädagoge und Therapeut aus Eschweiler, der einmal die Leitung des Hauses übernehmen soll. Erstens soll das „Haus Ilyas“ ein Heim im Sinne der Jugendhilfe: Mädchen, die zu Hause misshandelt werden, eine Zuflucht bieten.

Zweitens versteht sich „Haus Ilyas“ auch als Inklusionshilfe: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollen hier ebenfalls aufgenommen werden. „Und drittens verstehen wir uns auch als temporäre Aufnahmeeinrichtung für Kinder, deren Eltern mal eine kleine Auszeit brauchen“, sagt Hans Hoffmann.

Diesen Kindern will er mit Tiertherapie, mit Musiktherapie und mit heilpädagogischen Ansätzen in Zweifall helfen. „Und das Tolle ist: Schwester Maria Regina möchte uns gerne bei unserer Arbeit unterstützen“, sagt Hoffmann. Die Karmelitin ist die letzte in Zweifall verbleibende Schwester des vor Jahren aufgelösten Konvents.

Das passe auch deswegen gut, weil die Karmelitin eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert habe. Aus Sicht der Ordensfrau selbst passe das „Haus Ilyas“ auch deswegen so gut nach Zweifall, weil der Prophet Elias für ihren Orden eine zentrale Rolle spiele.

Auch die „Freunde des Karmels“, eine Gruppe von Zweifallern, die sich seit Jahren um den Erhalt des Klosters kümmern, sind von der Idee des Vereins „Haus Ilyas“ angetan: „Aus unserer Sicht wäre das eine ideale Lösung für den Ort Zweifall und vor allem auch für Schwester Maria Regina“, sagt Johann Ehlen vom Freundeskreis. Die Schwester müsste nicht aus ihrem Zuhause ausziehen, sollte „Haus Ilyas“ einziehen.

Auch, dass der Selfkanter Verein die Klosterkirche als solche erhalten will, stößt bei den Zweifallern auf Zuspruch: „Wir wollen mit der Bevölkerung im Ort einen engen Austausch pflegen“, betont die Vereinsvorsitzende Britta Langguth. Von daher sei es selbstverständlich, dass man mit der Nutzung der Kirche einverstanden sei. Die Mädchen, die den Plänen nach einmal im „Haus Ilyas“ leben werden, sollen auch einmal gemeinsam mit den Zweifaller Kindern die Schule besuchen.

Auch wenn das pädagogische Konzept für das Haus in Zweifall stehen mag: Damit sind für den Verein noch längst nicht alle Hürden genommen. Die Finanzierung für das Projekt Kinderhaus in Zweifall gilt es noch in trockene Tücher zu bringen. Bei der Suche nach Sponsoren und beim Ausarbeiten des finanziellen Konzepts soll ein Anwalt aus Aachen helfen, erklärt Britta Langguth.

Und mit diesem Konzept schließlich könnte der Verein auch offiziell den „Hut in den Ring“ werfen. Richtiger Adressat hierfür ist der Dürener Anwalt Karl-Heinz Schnitzler, der als Liquidator für den Verkauf der Immobilie Kloster Zweifall verantwortlich ist.

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte Schnitzler, dass es Interessenten für den Kauf des Anwesens gebe. „Wir haben bisher unser mündliches Angebot in Düren abgegeben, und unser Anwalt ist nun mit dem Liquidator in Kontakt“, erklärt Langguth. Auch die beiden Schwestern des Karmelitinnen-Ordens, die den Notvorstand des Klostervereins bilden, habe sie telefonisch über das Vorhaben informiert.

Wenig Sorgen machen sich die „Haus Ilyas“-Verantwortlichen indes um die Kosten für den Kloster-Umbau. „Wir haben mit den Behörden bereits Rücksprache gehalten“, erklärt Hans Hoffmann. So sei bei einer Belegung mit nur wenigen Mädchen ein Anschluss an die Kanalisation nicht zwingend notwendig – noch nicht. Von außen solle das Kloster so bleiben, wie es ist. „Wir müssten lediglich für den Klosterladen einen neuen Standort finden, denn da müsste unser Empfangsbereich hin“, sagt Britta Langguth.

Der Verein aus dem Selfkant ist nicht der erste potenzielle Käufer des ehemaligen Klosters in der Eifel. Im vergangenen Jahr hatten beispielsweise die „Jugendhilfe Eifel“, die ein Jugendhilfezentrum bauen wollte, und eine Familie aus dem Bereich Düren, die ein Seniorenzentrum errichten wollten, jeweils Kaufinteresse bekundet. Doch bislang kam es in keinem der Fälle tatsächlich zu einer Vertragsunterzeichnung.

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