Stolberg - Windpark Schevenhütte ist wieder im Aufwind

Windpark Schevenhütte ist wieder im Aufwind

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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EWV-Vertriebsleiter Axel Kahl: Der steigende Anteil regenerativer Energie an der Produktion wirkt sich aufgrund der gesetzlichen Umlagen auf den Strompreis aus.

Stolberg. Wie gut, dass jetzt die Sommerferien beginnen. Sie verschaffen Zeit. Sie bieten die Gelegenheit zum Nachdenken und um sich neu zu formieren. Schon in Vergessenheit geraten schien eine windige Angelegenheit:

Das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes, um Konzentrationszonen für Windenergieanlagen auszuweisen, ruht seit Anfang März – was den Fraktionen im Rathaus nicht ungelegen ist angesichts des Widerstandes in Schevenhütte. Dort sorgt die „BI Gegenwind“ für eben solchen gegen den projektierten Windpark Laufenburger Wald. Doch nach einem Behördentermin in Köln ist die regenerative Energie wieder Thema.

Die von der Stolberger Green gemeinsam mit der WSW Energiesysteme geplanten Windkraftanlagen sind das einzige konkrete Vorhaben. Von ursprünglich 14 untersuchten Bereichen verblieben für die engere Betrachtung vier Bereiche: „Drei-Kaiser-Eichen“ nahe Raffelsbrand schied ebenso aus wie sich „Hedchensknepp“ und „Wolberberg“ zwischen Zweifall/Vicht und Breinig/Venwegen gegenseitig so beeinträchtigen würden, dass der Rat gleich beide aus dem Verfahren nahm. Nur die 224 Hektar im Laufenburger Wald, für die es einen Investor gibt, blieben als Konzentrationszone im Verfahren.

Bis nach Recherchen der BI die Bezirksregierung die Neuregelung der Wasserschutzzone rund um die Wehebachtalsperre plane. „Wir haben Kupferstadt und Städteregion bereits im Herbst darüber informiert, dass eine neue Wasserschutzverordnung in Arbeit ist“, bestätigte Köln im Februar gegenüber unserer Zeitung, dass die bestehende Regelung auslaufe und die Errichtung von Windrädern in der Schutzzone 2 um die Wehebachtalsperre nicht gestattet wird.

Während diese Aussagen der Stadt und Green neu erschienen, bedeuteten sie aus Sicht der BI wohl das Aus der Planungen, da drei der fünf Anlagen innerhalb der Schutzzone errichtet werden sollten. Nach Rückfragen bei Regierungspräsidentin Gisela Walsken sagte Bürgermeister Tim Grüttemeier die bereits terminierte Bürgerbeteiligung zur FNP-Änderung ab, während Axel Kahl prophezeite: „Es ist ja nicht so, dass es nicht auch Windräder in einer Wasserschutzzone gäbe“, so der Green-Geschäftsführer: „Wir werden nun neue Standorte projektieren“. Nicht nur das hat die Green während der vergangenen drei Monate vorbereitet, sondern auch bei der Bezirksregierung die Lage sondiert. Am Donnerstag fand in Köln ein Gespräch im zuständigen Dezernat für Wasserwirtschaft mit der Leitenden Regierungsbaudirektorin Klein und Regierungsbaudirektor Ortseifen sowie Bürgermeister, Klaus Maroztke als Rechtsbeistand der BI, und Vertretern der Green, die vier modifizierte Standorte außerhalb der Wasserschutzzone präsentierten. Das Ergebnis: Die Wasserschutzzone rund um die Talsperre bleibe bestehen; und der Wasserschutz stehe ihrer Errichtung nicht im Wege. Das berichteten die Besucher übereinstimmend über die modifizierte Auffassung der Bezirksregierung.

Freia Johannsen formulierte das auf Anfrage differenzierter: „Die Grenzen der neuen Wasserschutzzone werden in unserem Hause noch geprüft“, so die PR-Sprecherin weiter: „Was wir aber schon sagen können, ist, dass dort, wo nun die Windräder geplant sind, keine Schutzzone sein wird.“ Und weil die Standorte außerhalb der Schutzzone liegen, seien Belange des Wasserschutzes auch nicht betroffen. „Wir haben jedenfalls mehrfach nachgefragt, ob wir das so auch richtig verstanden haben“, berichtete Grüttemeier.

Der Verwaltungschef wird jedenfalls das FNP-Verfahren wieder aus der Schublade holen dürfen – ganz unabhängig von der schwebend unbeantworteten Frage, ob der Stadtrat gewillt ist, neben der Werther Heide weitere Konzentrationszonen ausweisen zu wollen. Grüttemeier warte nun auf die veränderte Planung von der Green.

„Sobald der FNP geändert ist, wollen wir einen Genehmigungsantrag bei der Städteregion einreichen“, kündigt Yvonne Rollesbroich an. „Die Windausbeute an den Standorten ist hervorragend“, verweist die Green-Sprecherin auf aktuelle Analysen. „Erweitert werden“ sollen in den kommenden Wochen auch alle erforderlichen Gutachten zu den vier Standorten. Von den einst fünf Anlagen soll die westliche ganz entfallen, die beiden nahe der Talsperre werden aus der Schutzzone gerückt, zwei Anlagen nahe dem Rennweg bleiben quasi unverändert.

Unverändert für Gegenwind sorgen will auch die Bürgerinitiative. „Wir werden in den nächsten Tagen unsere Strategie der aktuellen Lage anpassen“, erklärte Marotzke. „Wir werden jetzt wieder mobilisieren“, kündigte BI-Sprecher Lars Krüger an. Der Wasserschutz sei ja schließlich nur eines von vielen Argumenten gegen die Windkraftanlagen im Laufenburger Wald gewesen. „Wir werden jetzt mit weiteren Fakten nachlegen“. Krüger nannte als Beispiele Verfahrensfehler, die Zerschneidung des Waldgebietes und die Vorkommen von zwei Greifvogelarten: Der rote Milan habe einen Nistplatz sogar mitten im Ort Schevenhütte, und der Uhu sei im Schiefersteinbruch heimisch.

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