Windpark im Laufenburger Wald geplant

Von: Jürgen Lange
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So würde sich die Stolberger Skyline im Osten mit den fünf Windrädern im Laufenburger Wald aus Sicht von der Nideggener Straße in Schevenhütte verändern. Foto: WSW
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Hier die Sicht vom Farmweg in Gressenich. Foto: WSW
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Und hier vom Allmanshof in Werth aus gesehen. Foto: WSW
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Franz-Josef Türck-Hövener, Dr. Matthias Betsch, Axel Kahl (v.l.) Foto: J. Lange

Stolberg-Schevenhütte. Bislang hat Axel Kahl vor allem auf die Sonne geachtet, nun hofft der Geschäftsführer der Stolberger Green GmbH auch auf windreiche Zeiten. In der Gesellschaft für regionale und erneuerbare Energie hat die kommunale Energie- und Wasserversorgung GmbH (EWV) ihr regeneratives Engagement gebündelt.

Das konzentriert sich bislang auf Errichtung und Betrieb von Photovoltaikanlagen in der Region.

Nun möchten die Stolberger aktiv in die Windenergie einsteigen, nachdem sie bislang über eine 49-prozentige Beteiligung im Verbund mit 29 Stadtwerken an der Green Gecco nur mittelbar engagiert sind, die fünf Onshore-Parks bei Titz, in Norddeutschland und Schottland mit einer installierten Leistung von insgesamt 80 Megawatt betreiben.

„Wir möchten unseren Beitrag zur Energiewende auch in unserer Region leisten“, betont Axel Kahl, der mit seinen Projektmanagern Dr. Matthias Bentsch und Franz-Josef Türck-Hövener seit längerem die Potenziale im Versorgungsgebiet auslotet. Fünf Windkraftanlagen sollen nun im Laufenburger Wald entstehen. Die von der Stadt Stolberg betriebene Ausweisung weiterer Konzentrationszonen für Windenergie eröffnet lokale Möglichkeiten, den Ausstieg aus der Atomenergie voranzutreiben.

Bislang beschränkt sich die Konzentrationszone für Windenergie in Stolberg auf die Werther Heide, wo aktuell die Potenziale mit drei Anlagen ausgeschöpft sind. Dort werden zwei Windräder mit je 2300 Kilowatt von der WSW Windenergiesysteme mit Sitz in Troisdorf betrieben, die Green als Partner für ihr neues Projekt ins Boot holte.

Während die noch in der Untersuchung befindlichen Flächen „Wolberberg“ (100,6 Hektar) und „Hedchensknepp“ (61,5 Hektar) im Dreieck Zweifall, Venwegen und Breinig in städtischem Eigentum sowie Drei-Kaiser-Eichen (100,6 Hektar) Staatsforst sind, ist die projektierte Konzentrationszone im Laufenburger Wald (224,1 Hektar) in Privatbesitz. „Wir konnten uns frühzeitig die Flächen für eine mögliche Nutzung sichern“, verweist Kahl auf eine entsprechende Vereinbarung mit der Eigentümerfamilie der Laufenburger Forstverwaltung.

„Gemeinsam mit WSW sind wir dann an die Analyse gegangen“, stellte sich für Dr. Betsch erst einmal die grundlegende Frage, ob die Ertragskraft ausreichen würde. „Sie wird“, ist das Ergebnis des Gutachtens sowie der Bestandsaufnahmen und Berechnungen zur Windhöffigkeit. Damit stieg die Green in die weit umfassenderen Untersuchungen zur Standort-Auswahl ein.

Über den Verlauf einer Vegetationsperiode über ein ganzes Jahr hin erfolgte eine artenschutzrechtliche Bewertung, ob und in wie weit Errichtung und Betrieb von Windrädern den Bestand von Fauna und Flora beeinträchtigen würden. Letztlich drehte sich in dem Nadelwaldbestand die Frage noch um eine Fledermaus-Art: „Wer fliegt wann und wo?“

Fledermäuse fliegen offensichtlich wie auf einer Autobahn, erläutert Franz-Josef Türck-Hövener: „Sie sind immer auf festen Route unterwegs“. Diese wurden ausgekundschaftet, und wurden somit zum Kriterium für die Auswahl der Standorte.

Ein weiteres Kriterium ist ein mindestens 1000 Meter betragender Abstand zur Bebauung. „Der wird nur bei zwei Ausnahmen unterschritten“, erklärt Betsch: Das Forsthaus des Laufenburger Waldes sowie das Wärterhaus des Wasserverbandes Eifel-Rur an der Wehebachtalsperre liegen 500 bis 600 Meter entfernt vom nächsten Rad. Alle Anlagen sollen auf Stolberger Stadtgebiet unterhalb des Rennwegs auf einer Fläche von 20 Hektar gruppiert werden: Zwei nördlich und drei südlich in den Hängen am Hardthover Weg (L25).

Mit der Realisierung des Parks käme Stolberg nicht nur den Wünschen des Landes nach, sondern hätte sogar mehr als zwei Prozent seiner Fläche für die Nutzung der Windenergie ausgewiesen. Theoretisch könnte die Green mehr als fünf Windanlagen in der projektierten Konzentrationszone realisieren. „Aber wir haben uns selbst auch hohe Ansprüche an die Akzeptanz durch die Bevölkerung und möglichst geringe Eingriffe in die Natur auferlegt“, sagt Kahl. „Eine optische Belastung für Stolberg ist durch den Windpark nicht gegeben“, bewertet Betsch; selbst von Schevenhütte aus seien die Anlagen kaum wahrnehmbar.

Bei einer Nabenhöhe von 140 Meter ergibt sich eine Gesamthöhe des Windrads von 200 Meter. „Die Anlagen werden dem neuesten Stand der Technik entsprechen“, verspricht Betsch. Die von einem Windrad erzeugte Energie kann 3300 Haushalte mit Strom versorgen. Die fünf Anlagen versprechen eine Ausbeute von 33.500 Kilowatt, was dem Verbrauch von 16.500 Haushalten entspreche. Beim Zensus 2011 wurden in der Kupferstadt 22.259 Haushalte ermittelt.

„Damit kann der Windpark etwa drei Viertel aller Stolberger mit Strom versorgen“, erläutert Kahl die Dimension. Und durchaus auch physikalisch kann die Energie aus dem Laufenburger Wald in die Stolberger Steckdosen fließen: „Strom sucht sich immer den kürzesten Weg“, sagt Türck-Hövener.

Vergleichbares hat die Green auch bei der Auswahl der geplanten Standorte im Revier getan. „Wir können ein gut ausgebautes Wegenetz nutzen“, so Türck-Hövener weiter. „Die Eingriffe in die Natur werden sehr gering ausfallen“.

Rund 20 Millionen Euro – also vier Millionen Euro pro Anlage – inklusive Infrastruktur möchte die Green im Laufenburger Wald investieren. Das Engagement ist auf 20 Jahre ausgerechnet – auch damit die kommunalen Gesellschafter in den Genuss von finanziellen Erträgen kommen. Allerdings wird ihnen zuerst per Rundbeschluss eine Beteiligung an dem Invest in Schevenhütte angeboten. „Unser Ziel ist es, den Windpark bis Ende 2016 in Betrieb zu nehmen“, blickt Betsch optimistisch in die Zukunft. Die eigentliche Bauzeit der Räder beträgt ein halbes Jahr.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Stadt Stolberg per Änderung des Flächennutzungsplans zumindest diese Konzentrationszone für Windenergie auch ausweist. Der Stadtrat soll darüber im kommenden Jahr befinden. Auf der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt am 15. Januar möchte die Verwaltung umfangreich über den Sachstand des Verfahrens informieren. Umfassend informieren und ins Gespräch kommen mit der Bevölkerung in Schevenhütte möchte auch die Green. Sie plant für Anfang nächsten Jahres eine Gesprächsrunde mit ihren Experten vor Ort.

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