Windkraft im Laufenburger Wald: Positive Effekte überwiegen

Von: Dirk Müller
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Burkhard Priese, Revierförster der Laufenburg GmbH, auf einer der bereits bestehenden Freiflächen im Laufenburger Wald, die für die Errichtung von Windrädern genutzt werden könnten. Foto: D. Müller

Stolberg-Schevenhütte. Die ursprünglich für den Laufenburger Wald geplanten Windkraftanlagen können ein sinnvoller Stolberger Beitrag zur Energiewende und damit zum Klimaschutz sein. Das meint Förster Burkhard Priese auf Anfrage unserer Zeitung.

„Und dass dies dringend notwendig ist, zeigen nicht nur die Beispiele von maroden belgischen Atomkraftwerken, die tickende Zeitbomben in unserer Nachbarschaft sind, sondern auch der Zustand des Laufenburger Waldes“, erklärt der zuständige Revierleiter der Laufenburg GmbH. Bereits seit 15 bis 20 Jahren leide der Wald massiv unter der durch den Braunkohle-Tagebau bedingten Absenkung des Grundwasserspiegels.

„Schon nach kurzer Trockenheit sind einige Quellen und Bachläufe ohne Wasser.“ Dadurch sei das Immunsystem der Bäume gestört, stockendes Wachstum, Kränkeln und Absterben von Eichen, Buchen und Fichten sei die Folge. „Dies wird zwangsläufig in einigen Jahrzehnten zur Versteppung der Landschaft führen“, mahnt Priese. Ein Grund mehr für den Förster, warum regenerative Energien unabdingbar seien. Er appelliert an die Bevölkerung und die Politik, „die Windenergie aus dem Laufenburger Wald nicht abzuschreiben, sondern noch einmal neu zu überdenken“.

Denn die Standorte für vier Windräder – auch die zwei neuen außerhalb der Wasserschutzzone II – seien mit Verstand geplant worden. „Die Windkraftanlagen würden dazu beitragen, die Natur zu retten und nicht sie zu zerstören“, betont Priese. Die laut Gutachten ausgewiesene mögliche Konzentrationszone für Windräder im Laufenburger Wald hätte genügend Platz für acht Windkraftanlagen geboten, aber „so viele wollen wir gar nicht. Wir haben uns mit Bedacht für vier Windräder entschieden, damit die Erschließung nicht zu umfangreich und der Wald nicht zerstückelt wird“.

Entfernung zur Bebauung groß

Der Revierförster hebt hervor, die vier ausgewählten Standorte befänden sich unmittelbar an Waldwegen oder an der Landestraße 25, um „die Beeinträchtigung für Natur und Landschaft so gering wie möglich zu halten“. Bereits bestehende Freiflächen im Wald könnten für die Errichtung von Windrädern genutzt werden, die Entfernung zur Bebauung sei großzügig und von Zerstörung des Waldes, der im Privatbesitz der Laufenburg GmbH ist, könne keine Rede sein.

„Das Privateigentum ist übrigens ein hundertprozentiger Wirtschaftswald“, beschreibt Priese und lässt Zahlen sprechen. „Wir betreiben die Forstwirtschaft im Laufenburger Wald absolut nachhaltig. Das bedeutet, da 3000 Festmeter Holz jährlich nachwachsen, dürfen wir auch 3000 Festmeter im Jahr abholzen, was wir nicht ausschöpfen.“ 8000 bis 9000 Bäume dürfe die Laufenburg GmbH jährlich abholzen und Kahlschläge in bis zu zwei Hektar Größe seien erlaubt und entsprächen der nachhaltigen Forstwirtschaft. „Um an allen vier geplanten Standorten Windräder zu errichten, müssten wir aber nur maximal 900 Bäume fällen, also zehn Prozent von dem, was wir dürfen.“

Auch die erlaubten Kahlschläge würden deutlich unterschritten: „Pro Windrad würde ein Kahlschlag von 6000 Quadratmetern anfallen, von denen 4000 Quadratmeter sofort nach Errichtung der Windkraftanlage wieder aufgeforstet würden.“ Die Laufenburg GmbH habe bereits bestehende Windkraftanlagen im oder am Wald in der Eifel und im Bergischen Land zum Teil mehrere Tage lang studiert, um die Auswirkungen auf die Tierwelt zu überprüfen.

„Dabei stellte sich heraus, dass das Rotwild sich schnell an die Windräder gewöhnt, und bei hohen Windrädern die Auswirkungen auf die Vogelwelt geringer sind“, sagt Priese. Der Revierförster räumt ein, die zu erwartenden Pachteinnahmen für die Areale der Windkraftanlagen seien auch ein Argument für die Laufenburg GmbH. „Am Laufenburger Wald hängen ja auch Arbeitsplätze, und es ist für uns schwierig, eine ausgeglichene Betriebsbilanz zu erreichen, da viele Bäume Granatsplitter aufweisen und höchstens als Brennholz vermarktet werden können.“

Würden die Pachteinnahmen regelmäßig eingehen, könne die GmbH Waldgebiete aus der Forstbewirtschaftung nehmen. „Und wir hätten auch den Spielraum, um Wanderwege auszubessern und zum Beispiel neue Ruhebänke zu errichten, und so den Naherholungswert des Waldes zu erhöhen.“ Darüber, dass das Projekt Windenergie aus dem Laufenburger Wald derzeit ruht, ist Priese enttäuscht. „Vor allem darüber, wie der momentane Status zustande gekommen ist. Beispielsweise wurde uns bei einem Behördentermin im Januar 2014 mitgeteilt, die Wasserschutzzone II sei keine Tabuzone für das Aufstellen von Windrädern.“

Jetzt, da alle vier Standorte sich außerhalb besagter Wasserschutzzone befänden, könne Priese nicht verstehen, warum die CDU ihre Meinung geändert hat und nun generell gegen die Windräder im Laufenburger Wald sei. „Ich habe mit einem führenden CDU-Politiker aus dem Nachbardorf gesprochen, und er hat mir deutlich gemacht, dass in NRW die SPD und die Grünen regieren und für Windkraftanlagen im Wald sind. Er sagte: ,Wir sind in der Opposition und deshalb dagegen.‘ Diese Haltung finde ich unmöglich“, meint der Revierförster, der, wie er sagt, mit Windrädern dazu beitragen will, die Natur zu retten und nicht zu zerstören.

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