Stolberg - Windenergie: Nur noch Laufenburger Wald auf der Liste

Windenergie: Nur noch Laufenburger Wald auf der Liste

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Fünf konkrete Standorte werden für den Laufenburger Wald geplant. Die Green informiert am Mittwoch, 14. Januar, ab 18 Uhr im „Casino“ in Schevenhütte. Eine Bürgerinitiative aus Heistern mobilisiert gegen die Pläne.
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Der Mäusebussard wird zwischen Zweifall und Breinig durch Windanlagen gefährdet. Foto: imago

Stolberg. Auf 1313 Seiten kann man es in den beiden Gutachten zu Arten- und Immissionsschutz genau nachlesen: Die Flächen „Hedchensknepp“ zwischen Breinig, Vicht und Zweifall, „Wolberberg“ zwischen Breinig, Venwegen und Zweifall sowie „Drei-Kaiser-Eichen“ sind für eine Nutzung als Standorte von Windenergieanlagen nicht zu nutzen – zumindest wirtschaftlich nicht.

Aufgrund der erforderlich hohen Abschaltzeiten zur Vermeidung von Verschattung „ist die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben“, bilanziert Green-Geschäftsführer Axel Kahl für die beiden Standorte oberhalb Zweifalls. Und die Fläche unterhalb der Waldsiedlung ist bereits so sehr durch die in der Nachbarschaft vorhandene Anlagen eingeschränkt, dass aufgrund von Lärm und Schatten zusätzliche Anlagen nicht mehr genehmigungsfähig wären.

Entsprechend empfiehlt der Technische Beigeordnete Tobias Röhm dem am Donnerstag tagenden Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt (18 Uhr, Rathaus) bei den weiteren Planungen für die Ausweisung von weiteren Konzentrationszonen für Windenergie auf diese drei Standorte zu verzichten. Damit verbleibt von ursprünglich 14 untersuchten Flächen lediglich noch ein Plangebiet von 224 Hektar im Laufenburger Wald.

Er ist zugleich der einzige Standort, für den ein Investor vorhanden ist: Die Stolberger Green GmbH und die WSW Energiesysteme, die in der Kupferstadt bereits mit zwei Anlagen in der Konzentrationszone Werther Heide engagiert ist, möchten noch in diesem Jahr rund 20 Millionen Euro in den Bau von fünf Anlagen investieren. Die von einem Windrad erzeugte Energie kann 3300 Haushalte mit Strom versorgen. Die fünf Anlagen versprechen eine Ausbeute von 33.500 Kilowatt, was dem Verbrauch von 16.500 Haushalten entspreche.

Damit kann der Windpark Laufenburger Wald etwa drei Viertel aller Stolberger mit Strom versorgen. Ursprünglich hatten die Partner sieben Anlagen vorgesehen. Doch bei zwei projektierten Standorten waren die technischen Grenzwerte nicht einzuhalten, so dass auf sie verzichtet wird. Die anderen fünf Anlagen wurden so ausgerichtet, dass technische und Artenschutz-Vorschriften eingehalten werden können.

Anders als im Laufenburger Wald fehlen an den drei anderen Standorten Investoren, so dass die Gutachter einen Windpark so designten, wie er realistischerweise angelegt werden würde – mit einem Abstand von 750 Meter zu Wohn- und 500 Meter zu Mischgebieten für Enercon-Anlagen mit einer Gesamthöhe von 206,5 Meter: fünf auf dem Hedchensknepp, vier auf dem Wolberberg.

Für 16 Gebäude (Immissionspunkte) in der Nachbarschaft der Standorte wurde dann die Immission prognostiziert. Zum einen die Vorbelastung (aus dem Betrieb der Anlagen der jeweils benachbarten Vorrangzone: also Hedchensknepp bei Wolberberg und umgekehrt), zum anderen die Zusatzbelastung (durch die Anlagen in der untersuchten Zone) sowie die Gesamtbelastung beider Szenarien.

Aus Sicht des Lärmschutzes ist der prognostizierte Windpark am Wolberberg nicht genehmigungsfähig, weil die Richtwerte durch die Zusatz- und durch die Gesamtbelastung an vier Punkten überschritten werden. Die Fläche Hedchensknepp sei nicht genehmigungsfähig, weil das an einem Immissionspunkt der Fall ist.

Überdurchschnittliche Population

Bei der Schattenwurfprognose darf die maximal mögliche Beschattung an den jeweiligen Punkten einen Grenzwert von 30 Stunden im Jahr oder 30 Minuten am Tag nicht überschreiten. Sowohl für durch den Standort Wolberberg (an zehn Punkten durch die Zusatzbelastung, an allen Punkten durch die Gesamtbelastung) wie auch Hedchensknepp (an vier Punkten durch die Zusatzbelastung und an allen Punkten durch die Gesamtbelastung) käme es aber zu „deutlich kritischen Überschreitungen“, stellten die Gutachter fest.

Bei der Artenschutzprüfung ist es in erster Linie der Mäusebussard, der den untersuchten Windrädern eben den Wind aus den Segeln nimmt. Der Großraum zwischen Breinig, Venwegen, Zweifall und Vicht weist einen bundesweit überdurchschnittlichen Bestand der Greifvogelart auf. Deshalb wurde hier eine „allgemeine bis besondere Bedeutung als Brut- und Nahrungshabitat“ dem Mäusebussard zuerkannt, der den Spitzplatz in der bundesweiten Datei einnimmt, die die Schlagopfer durch Windräder auflistet.

Im Laufenburger Wald gelten fünf Fledermausarten sowie während seiner Zugzeiten der Kranich als gefährdet. Allerdings könne durch ein Risikomanagement durch Abschaltephasen zu bestimmten Zeiten Risiken für den Bestand der Populationen sicher ausgeschlossen werden.

Donnerstag im Ausschuss

Auf seiner Sitzung am Donnerstag soll der Fachausschuss sowie am 20. Januar der Stadtrat im weiteren Verfahren eine zeitnahe Bürgerbeteiligung noch im ersten Quartal dieses Jahres beschließen. Deren Erkenntnisse und die Ergebnisse der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange sowie der Gutachten sollen so dann ausgewertet und dem Stadtrat und seinen zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Anschließend wird der Entwurf über die Änderung des Flächennutzungsplans öffentlich ausgelegt, so dass erneut Anregungen gegeben und Einwendungen gemacht werden können.

Sie müssen ausgewertet und gegebenenfalls die Planung überarbeitet werden. Wird sie geändert, erfolgt eine erneute Offenlage, bleibt sie unverändert bestehen, kann der förmliche Beschluss über die Ausweisung der Konzentrationszonen erfolgen. Die Änderung des Flächennutzungsplans muss durch die Bezirksregierung genehmigt werden.

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