Stolberg - Wiener Pilot spricht über Patientensicherheit

Wiener Pilot spricht über Patientensicherheit

Von: Heike Eisenmenger
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Unterhaltsam, aber dennoch seh
Unterhaltsam, aber dennoch sehr informativ: Diese Mischung kam am Mittwoch sehr gut an bei den Gästen des Neujahrsempfangs im Stolberger Krankenhaus. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Der Luftverkehr und ein Krankenhaus haben mehr gemein, als mancher vielleicht vermutet. Für beide ist Sicherheit essenziell.

„Wenn Sie in ein Flugzeug steigen und der Kapitän Sie freundlich mit den Worten begrüßt ,Mit 93,4-prozentiger Sicherheit werden wir unseren Zielflughafen in Rhodos erreichen, dann würde Sie das doch sicherlich irritieren”, wandte sich Flugkapitän Hans Härting an die Besucher beim Neujahrsempfang des Bethlehem-Gesundheitszentrums im Rolandshaus.

Den Berufspiloten als Gastredner zum Thema Patientensicherheit zum Neujahrsempfang einzuladen, war eine hervorragende Idee. Mit einer Mischung aus wienerischem Charme und dezidierten Informationen brachte der 44-Jährige den Kern des Problems auf den Punkt.

Kleinigkeiten sind entscheidend

„Im Cockpit wird jede Anweisung und jeder ausgeführte Befehl wiederholt, und das hat seinen Sinn. Oft sind es Kleinigkeiten wie ein nicht umgelegter Schalter, die die Katastrophe verursachen.”

Dabei ist es eins, ob es sich um den Schalter im Flugzeug oder das Stück Mull in der Operationswunde handelt, das vergessen wurde. Von Härtings Fachwissen profitieren Krankenhäuser: Er hilft bei Optimierungsprozessen, berät, wie künftig Fehler vermieden werden können.

Was so erstaunlich ist: wie simpel seine zentralen Botschaft sind. „Es ist zu viel Flugzeug für einen Piloten. Und es ist ebenso zu viel Medizin für einen Arzt”, formulierte es der Österreicher.

Das Abhaken, das durchstrukturierte Abfragen und Bestätigen von Kommandos reduzieren Fehlerquellen, die in der Leistungsgrenze unserer Wahrnehmung begründet ist.

Stress, Müdigkeit, aber auch zu viel Routine oder Betriebsblindheit seien häufig verantwortlich für die Entnahme der gesunden statt der kranken Niere oder andere Katastrophen.

Aber auch die Art der Kommunikation im OP spiele eine wichtige Rolle: „In der Pilotenausbildung lernen wir erstmal, richtig miteinander zu sprechen.

Wir trainieren dieses, aber auch andere Abläufe immer wieder, damit eben keine Verständigungsfehler entstehen.” Das müsse für den OP ebenso wie fürs Cockpit gelten. Das Einführen von Optimierungsprozessen bedeute keinesfalls mehr Papierkrieg, betonte Härting.

Im Stolberger Krankenhaus wird mit Checklisten im OP gearbeitet. Eingeführt wurden auch Identifikationsarmbänder, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.

Es ist ein gutes Jahr, dass hinter dem Bethlehem-Krankenhaus liegt. Das Hospital wurde mehrfach ausgezeichnet und hat große Baumaßnahmen erfolgreich in Angriff genommen, die notwendig waren, um die Herausforderungen eines verändertes Gesundheitswesen annehmen zu können.

Aber nicht nur medizinisch sei das „Bethlehem” gut aufgestellt, so Verwaltungschef Thomas Schellhoff. „Wir sind stolz darauf, von allen Krankenhäusern unter die drei besten Klinik-Award-Preisträger in Deutschland für das beste Personalmarketing gewählt worden zu sein und auch als bester Arbeitgeber im Gesundheitswesen”, resümierte der Geschäftsführer.

„Wir haben 2012 unter das Thema Patientensicherheit gestellt.” Er betonte, dass die Sicherheit immer schon im Mittelpunkt gestanden habe. Aufgrund des demografischen Wandels werde sie noch stärker in den Fokus gerückt, denn ältere Patienten seien heutzutage häufig überfordert.

Menschen über 50 im Blick

Der demografische Wandel ist nicht nur in der Patientenbetreuung ein Thema, sondern auch für (künftige) Mitarbeiter, so Verwaltungschef Schellhoff. Das Krankenhaus hat sich neu organisiert und mit dem Arbeitsamt Wiedereingliederungsmaßnahmen für Menschen, die 50 Jahre und älter ist, geschaffen.

Dazu gehört auch das Programm „50plus”, über das bereits einige Arbeitssuchende im fortgeschrittenen Lebensalter eine neue berufliche Perspektive fanden.

Laut Schellhoff sind 6000 Ärztestellen in Deutschland nicht besetzt. Probleme, Ärzte zu finden, habe das Stolberger Krankenhaus jedoch nicht. „Auf eine freie Stelle kommen bis zu zehn Bewerbungen, was bedeutet, dass wir uns die besten Kandidaten nach Stolberg holen.”

Summa summarum haben die Krankenhaus-Mitarbeiter eine gute Aussicht auf ein weiteres erfolgreiches Jahr. Dass man so gut dastehe, sei das Verdienst höchst engagierte Mitarbeiter, resümierte Aufsichtsratsvorsitzender Hans Mülders.

Zum Abschluss startete der Kabarettist und Arzt Lüder Wohlenberg als Profi-Patient einen Angriff auf die Lachmuskeln der aufmerksamen Zuhörer im rappelvollen Rolandshaus, die einen vergnüglichen, aber auch sehr informationsreichen Neujahrsempfang erlebten.
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