Wiedergeburt: Ketschenburger Bier feiert ersten Geburtstag

Von: Jürgen Lange
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Sie stoßen heute auf den ersten Geburtstag der Ketsch-Wiedergeburt an: Dr. Rüdiger Fröschen und Helmut Kappes (r.). Foto: J. Lange

Stolberg. Was in einem Jahr so passieren kann, das hatte sich Dr. Rüdiger Fröschen nicht einmal in seinen kühnsten Träumen ausgemalt, als er heute vor einem Jahr das erste frisch gezapfte Ketschenburger Bier an der Theke trinkt. Es sind die Gaststätten „Postwagen” und „Burghof”, die die Vorreiterrolle der ungeahnten Renaissance sind.

Es ist eine Wiedergeburt eines Ur-Stolberger Getränks, die innerhalb von einem Dutzend Monaten zu einer nicht erwarteten Erfolgsgeschichte werden soll.

Lkw und Schankwagen

Die erste Idee dazu ist dem Zahnarzt schon ein paar Jahre früher gekommen, als er im Jahr seiner Regentschaft als Karnevalsprinz 2002 den „Burghof” erwirbt. „Das war immerhin der Mutterausschank der Ketschenburg und ich dachte daran, die Marke wieder zu beleben”, erinnert sich Fröschen.

Die Zeit, der Zufall, Recherchen und ein Quantum Glück helfen bei der Realisierung. Über einen Patentanwalt kann der Zahnarzt die Rechte vom Getränkefachgroßhandel Bongard erwerben, der sie in den 80er Jahren von der Brauerei übernommen hatte.

Es findet sich eine bayerische Brauerei, die nach alten Rezepturen das Stolberger Bier in kleinen Mengen braut. Und es war am Dienstag vor einem Jahr, als Helmut Kappes mit einem Kleinlastwagen die ersten 20 Fässer zu 50 Liter in Bayern abholt.

Als dann am folgenden Abend die ersten Gläser frisch gezapft, getrunken und für gut befunden werden, ist nicht nur die Wiedergeburt gelungen, sondern auch ein Grundstein für stetige Expansion gelegt. „Immer mehr Gaststätten nehmen Ketsch in ihren Ausschank”, freut sich Fröschen einerseits, stellt andererseits aber fest, dass dies vielen brauereigebundenen Häusern nicht gestattet wird.

„Wir haben schnell zu spüren bekommen, dass die Großbrauereien uns als echte Konkurrenz fürchten”, kann der Hobby-„Braumeister” keinen Zufall darin erkennen, dass Bitburger nach Ewigkeiten noch einmal die Kupferstädter Stadtparty gesponsert hat. Dagegen ist die kleine „Ketsch” ein reines Non-Profit-Unternehmen: „Jeder Cent wird wieder in das Projekt investiert”.

Dabei sind es in der Tat kleine Cent-Beträge, mit denen Dr. Fröschen rechnen muss. Der schmucke Pappkasten für den Sechserpack schlug mit 38 Cent pro Stück zu Buche - zu teuer für den Einzelverkauf. Die neue Lösung, bei der die Flaschen am Kopf aufgehängt werden, kostet die Hälfte und wird ebenso wie der Vorgänger von Helmut Kappes per Hand bestückt.

„Es sind kleine Beträge, die sich schnell summieren”. Das gilt auch für Etiketten und Gläser, vor allem aber für das zunehmende Angebot an Accessoires. „Die fragen die Leute immer mehr nach”, freut sich Helmut Kappes im Ketsch-Shop über großen Zuspruch.

Aufkleber, T-Shirts, Feuerzeuge gibt es bereits, weitere gewünschte Produkte sind in Vorbereitung. „Aber wir können sie immer nur in großen Mengen bestellen”, bilanziert Fröschen. „Das summiert die Kosten”.

Denn auch an anderer Stelle wird investiert. Ein ausgedienter THW-Lkw fährt nun unter dem Ketschenburg-Signet. Denn Helmut Kappes muss inzwischen 40 Hektoliter Fassbier im Monat aus Bayern importieren, um die steigende Nachfrage befriedigen zu können.

Über ein gutes Dutzend Gaststätten hat das Stolberger Bier inzwischen im Ausschank - mit steigender Tendenz. Hinzu kommen über 14.000 Flaschen Bier - in den Sorten Pils, Lemon sowie Galminus mit Tequila und Limetten, die seit dem „Tag des Biers” in hiesigen Supermärkten steigenden Absatz erfahren.

Die Nachfrage bereitet aber auch schon mal Kummer. Wenn die Werbebanner veschwinden. Oder wenn die Pfandflaschen in den Automaten landen und die Stolberger kein Leergut an die Brauerei zurückliefern können.

Gegentrend zur Globalisierung

„Das Pfand beträgt 8Cent, die neue Flasche kostet uns aber 15 Cent”, sagt Fröschen. Dennoch hat er inzwischen in einen Ausschank-Anhänger investieren können, der bald bei Veranstaltungen das Kupferstädter Bier den Stolbergern näher bringen kann.

Denn die sind offensichtlich begeistert. Es gibt inzwischen Ketsch-Partys und Internet-Foren, bei ebay werden Plakate, Uhren und Gläser versteigert und immer wieder bringen Ur-Stolberger Unikate und Originale aus alten Zeiten in den Shop. Wie etwa den historischen Kronkorken, den ein Dachdecker in einem Kandel fand.

„Es sind vor allem die Jüngeren, die sich mit dem Stolberger Bier zu ihrer Heimatstadt bekennen”, registriert Fröschen. „Anstatt nach Aachen, Köln oder Düsseldorf zu fahren, treffen sie sich wieder in Stolberger Kneipen auf ein Ketsch”. Wobei die Damen dann oft das leichte Lemon bevorzugen.

Einen Gegentrend zur Globalisierung macht der Vater des neuen Ketsch aus. Der dokumentiert sich im steigenden Interesse an regionalen und lokalen Produkten und einer guten Portion Lebensfreude.

Gleichwohl will Rüdiger Fröschen, der auch Stolberger Laienschauspielern mit dem „Burghof-Theater” eine Bühne bietet, das Ketschenburger weiter über die Grenzen der Kupferstadt bekannt machen und bald auch an der Vicht die Braukessel anheizen zu können.

Ketsch-Hymne aus Eschweiler

Da kommt die Hymne auf das Stolberger Bier aus Eschweiler Kehlen gerade recht. „Wir lieben unser Ketschenburger Bier, von abends um 8 bis in der Früh um 4...” preisen die Inderebellen auf ihrer aktuellen CD „Catch a Ketsch”. Und der Song wird bestimmt der Renner in der närrischen Session.
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